+
Eine leere Harfe in der Harfenklasse.

Kultur

Musikschüler aus Frankfurt: Verstreut über Europa

  • schließen

Die Corona-Krise stellt Musikstudenten in Frankfurt vor ungeahnte Probleme.

Wahrscheinlich gibt es schlechtere Orte für eine Selbstisolation: Die Harfenistin Françoise Verherve, Professorin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) in Frankfurt, konnte am letzten Tag vor der Grenzschließung vor gut einem Monat noch ins heimatliche Frankreich in ihr Haus auf dem Land reisen und unterrichtet nun ihre Studentinnen und Studenten von dort aus. Die meisten von ihnen leben inzwischen, verstreut über ganz Europa, wieder bei den Eltern, wie lange, das ist noch völlig offen.

Nur die chinesische Teilnehmerin der Harfenklasse, Nan Wang, sitzt nun als eine der letzten allein in Frankfurt. „Ich kann nur in der Hochschule üben. Aber alles ist gut, und ich kann mein Seminar im Internet haben“, sagt die chinesische Studentin. „Im Moment wissen wir noch nicht, wie es weitergeht“, sagt Verherve. „Wenn wir aus dem Ausland nach Frankfurt zurückkehren könnten, dann müssten wir ja auch erst mal noch für zwei Wochen in Quarantäne gehen, egal woher wir kommen.“ Sie hoffe sehr, dass die Semesterferien nicht verkürzt werden. „Für die Studierenden ist es aktuell eine sehr belastende Situation, sie brauchen die Zeit unbedingt zur Erholung.“

Verherves Telefon steht in diesen Tagen kaum still, sie unterrichtet online, ist mit allen Teilnehmern ihrer Harfenklasse im engen Austausch, motiviert sie zu proben, hört ihnen über das Internet dabei zu, korrigiert und gibt Tipps. „Wahrscheinlich lobe ich mehr als sonst“, sagt sie mit einem Lachen.

Alle zwei Wochen, so hat sie es mit ihrer Harfenklasse ausgemacht, ziehen sich die jungen Musiker an wie für ein Konzert, um diese Situation wenigstens zu simulieren. „Es ist eine ganz neue Art zu arbeiten. Man muss es positiv nehmen“, sagt Verherve, so schwer die Lage für die jungen Musiker augenblicklich auch sei. Nicht jeder Student habe sein Instrument – Harfen sind groß und schwer – mitnehmen können, berichtet sie.

Sommerkonzerte

Den Auftakt für die Sommerkonzerte in der Kirche am Campus in Frankfurt-Bockenheim, Jügelstraße 1, macht am Donnerstag, 30. April, 19.30 Uhr, die Harfenistin Maja Dvoracek als Onlinestream unter www.esg-frankfurt.de zu sehen. Je nachdem, wann wieder öffentliche Konzerte möglich sind, folgen die nächsten Auftritte  live oder im Internet.

Am Donnerstag, 7. Mai, 19.30 Uhr, ist das „Blockflötenconsort and Friends“ mit Sina Bayer, Sonja Radzun, Jasmin Röder, Christine Vogel und Raphael Kempken zu hören.

Am Donnerstag, 14. Mai, 19.30 Uhr, treten die Gitarristen Carlos Vivas María del Rocío López hier auf, und am Donnerstag, 28. Mai, spielen zur selben Zeit Xiaolu Li und Juin Lee Violoncello und Klavier. aph

Immerhin gelang es dem Vater einer Studentin noch ganz kurzfristig, wenigstens einen Harfentransport für die französischen Musikerinnen zu organisieren. „Wir können ja nicht einfach aufhören. Man muss absolut in Übung bleiben, und zwar nicht allein. Gespräche und Motivation sind aktuell besonders wichtig. Man muss die Lust behalten“, sagt die Professorin.

Eigentlich hätten die Studierenden von Verherves Harfenklasse am 30. April um 19.30 Uhr die Reihe der dann beginnenden Sommerkonzerte der Evangelische Studierenden-Gemeinde (ESG) in der Kirche am Campus in der Jügelstraße eröffnen sollen.

Dass öffentliche Konzerte grade nicht möglich seien, sei ganz besonders bedauerlich, sagt Organisatorin Sabine Rupp von der ESG Frankfurt. Denn nach mehr als 500 Aufführungen sei die Konzertreihe in Zusammenarbeit mit der HfMDK inzwischen längst etabliert und gut besucht.

„Aufgrund von höherer Gewalt nicht spielen zu können, ist eine Seltenheit aber diese lehrt auch, dass ein jedes Konzert keine Selbstverständlichkeit ist“, sagt die Studentin Laura Laszloffy aus Österreich. Sie versuche, die Zeit in der Heimat trotz Corona sinnvoll zu nutzen, befasse sich viel mit ihrem Instrument und neuen Stücken. Auch ihre Kommilitonin Gwenaëlle Le Meignen aus Nizza kann nicht auftreten. Die „Haftbedingungen“ seien in Frankreich strenger als in Deutschland, berichtet die Studentin. Sie habe aber ihre Harfe bei sich und eine Menge zu tun.

Das Harfenkonzert in der Kirche am Campus wird aber trotz des aktuellen Versammlungsverbots nicht gestrichen, wie Rupp berichtet. Es werde ersatzweise eine Videoaufzeichnung ohne Publikum in der leeren Kirche aufgenommen und als Onlinestream auf der Homepage der ESG unter www.esg-frankfurt.de veröffentlicht. Damit wolle man die Musiker in dieser schwierigen Zeit wenigstens ein klein wenig finanziell unterstützen, sagt Rupp. Das Konzert ist wie üblich kostenlos mit der ausdrücklichen Bitte um Spenden.

Statt der Harfenklasse übernimmt die Harfenistin Maja Dvoracek das Konzert, die kurz vor dem Examen steht. „Das ist eine fantastische Musikerin, ein Riesentalent“, schwärmt Verherve. „Immerhin ist das eine gute Übung für ihr Abschlusskonzert.“

Unterstützen kann man die jungen Musiker mit einer Spende, Evangelische Bank, Kontoinhaberin: EKHN /Gesamtkirchenkasse, IBAN DE27 5206 0410 0004 1000 00, BIC GENODEF1EK1. Dabei ist die Angabe des Konzertdatums beim Verwendungszweck wichtig für die Zuordnung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare