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Die Stratocaster-Gitarre von Fender wird man wie 2018 wieder erleben können, aber erneut keinen eigenen Fender-Messestand.

Frankfurt

Die Musikmesse in Frankfurt geht los

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Bis Samstag dreht sich in den Frankfurter Messehallen alles um Musik. Der Haupt-Publikumstag der Musikmesse ist der Samstag.

Da darf man schon mal mit den Ohren schlackern: Bevor Stefanie Heinzmann, Nena und Mike Singer am Montagabend bei der Gala zur Verleihung der Live Entertainment Awards (LEA) auftraten, hatten 200 fleißige Menschen 160 Tonnen Equipment verbaut, 70 Kilometer Kabel und 340 Quadratmeter LED-Monitore – allein für eine Veranstaltung: die Eröffnung der Musikmesse.

Man sieht, die Veranstaltungsbranche lässt es krachen. Mit Selbstbewusstsein, denn bei einem Umsatz von fünf Milliarden Euro im Jahr hat sie die Tonträgerindustrie um Längen abgehängt, wie LEA-Finanzchef Lasse von Thien resümiert: „Der Trend geht zur Erlebnisgesellschaft.“

Daran orientiert sich das Duett aus Musikmesse und ihrer jüngeren Schwester, der Veranstaltungstechnikmesse Prolight + Sound, auch in diesem Jahr wieder. Das Event boomt nicht nur im Sprachgebrauch, auf allen Ebenen, die Prolight+Sound stellt wieder den Löwenanteil unter den 1606 Ausstellern aus 56 Ländern (Vorjahr: 1620), weshalb sie nach einem Jahr auch wieder zurück in die Hallen mit den hohen Nummern zieht. Da ist schließlich die Halle 12 fertiggeworden, das neue Flaggschiff der Messe. Die niedrigen Nummern der vorderen, innenstadtnahen Hallen übernimmt wieder die Musikmesse mit den guten alten, aber auch spannenden neuen Instrumenten. Leider ist die Zahl der jungen Leute, die ein Musikinstrument lernen, seit Jahren im freien Fall, wie Messegeschäftsführer Detlef Braun berichtet. „Musikpädagogen sind daher eine erklärte Zielgruppe der Messe.“

Zielgruppe der Musikmesse: Musikpädagogen, App-Entwickler, Tüftler

Aber auch die App-Entwickler, Tüftler, Anwender sogenannter Virtueller Realität. Es geht verstärkt um junge technik-affine Leute. Am Main sitzen, mit dem Tablet in Echtzeit an einem Musikstück arbeiten, gemeinsam mit dem Produzenten in New York: So lässt sich die Musikwelt 2019 denken. Sie zielt auf Likes und Follower. Braun: „Klicks sind die Währung des 21. Jahrhunderts.“

Musikmessedirektor Michael Biwer treibt es mit seinem Blick in die Gegenwart auf die Spitze. Da wollen 30 Leute beim Music Tech Fest 24 Stunden lang rund um die Uhr Musiktracks produzieren und live auf der Messe vorführen: „Das haben wir hier noch nie gesehen.“ Da geht es um Augmented Reality, Design Thinking, Turntablism, Controllerism ...

Wer mit Gitarre und Kassettenrekorder großgeworden ist, atmet erleichtert auf, als Biwer schließlich zur Vintage Concert Audio Show kommt: Da geht es einfach um Meilensteine aus vier Jahrzehnten Konzertbeschallung. Wer will, kann auch wieder den Wert seines Instruments bei der Aktion „Rate your Guitar“ schätzen lassen. „Hier trifft sich Welt der Musik“, ist Biwer überzeugt, hier auf der Messe geht es um die großen Themen: „Was braucht der Musiker von morgen? Wie kann man mit Games Musikinstrumente erlernen?“ Und auch wichtig heute: das Thema Sicherheit auf Festivals und Konzerten.

Auf der Musikmesse Musik entdecken

Großen Raum wird wieder die Spielwiese für die Kleinsten einnehmen, die unter dem Motto Discover Music (Musik entdecken) in die Tasten und auf die Trommelfelle hauen dürfen. Die Termine für Kindergruppen sind längst ausgebucht, aber am Samstag dürfen alle kommen, die Lust haben. Der Samstag wird ohnehin zum großen Publikumstag: Dann sind die Messestände zwar geschlossen, aber auf der sogenannten Musikmesse Plaza, die Messesprecher Hendrik Müller allen dringend empfiehlt, werden die Höhepunkte in geballter Form zu erleben sein – und anders als an den Tagen zuvor: zu kaufen.

Top-Gitarristen zeigen dann, was man mit den legendären Gitarren von Fender und Gibson so anstellen kann. Eine Schallplatten- und CD-Börse wird ihr Publikum locken, auch Gig-Poster und Malerei bekannter Musiker werden zu haben sein. Zum Eintritt am Samstag (und übrigens auch am Freitag) berechtigt das Festival-Bändchen (15 Euro), das alle Messebesucher und Käufer des Festivaltickets erhalten.

Programm

Die Musikmesse und die Parallelmesse Prolight+Sound für Veranstaltungstechnik dauern beide von Dienstag, 2. April, bis Freitag, 5. April, und sind komplett für interessierte Besucher geöffnet (10 bis 18 Uhr), nicht nur für Fachpublikum.

Am Samstag, 6. April, gibt es einen Pop-Up-Market, auf dem die Besucher Instrumente und Zubehör testen und kaufen können, Live-Musik und Stars erleben, Vintage-Instrumente und Raritäten entdecken, Streetfood essen, Tonträger kaufen und tauschen, Instrumente für Einsteiger ausprobieren.

Das Musikmesse-Festival bringt 100 Liveauftritte in der ganzen Stadt und auch wieder „Street Tunes“, also Klaviere in der Stadt, auf denen alle spielen dürfen: Dienstag bis Donnerstag an der Hauptwache, auf der Fressgass, am Opern-, Pauls- und Goetheplatz.

Der Frankfurter Musikpreis 2019 geht an das Streichquartett Quatuor Ébène. Verleihung ist am Freitag, die Tickets sind schon vergeben. Weitere musikalische Höhepunkte: Ultimate Jam mit Anika Nilles (Schlagzeug), Cosmo Klein (Gesang), Claus Fischer (Bass), Till Sahm (Keyboards), Hanno Busch (Gitarre), Peter Weniger (Sax) und Florian Menzel (Trompete) am heutigen Dienstag, 19 Uhr, Festival-Arena.

„Gibson Les Paul Night“ mit legendären Songs der 50er bis 70er Jahre von den Rolling Stones über Led Zeppelin bis Eric Clapton. Es spielen unter anderen Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs, Thomas Blug, Peter Weihe und Drew Berlin, Freitag, 19 Uhr im Forum 0.

Samy Deluxe, Donnerstag, 20 Uhr; Big City Beats, Freitag, 22 Uhr; Gregory Porter und die Neue Philharmonie Frankfurt spielen Nat King Cole, Samstag, 20 Uhr; alle in der Festhalle.

Tony Carey, Donnerstag, 19 Uhr; Mousse T. & Glasperlenspiel, Freitag, 18 Uhr, beide Festival-Arena.

Das Festival-Ticket (15 Euro) ermöglicht freien oder vergünstigten Eintritt, solange die Saalkapazität reicht. www.musikmesse.de

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