Römerbriefe

Musik liegt in der Luft

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
    schließen

Wir werden jünger, dynamischer und frischer und werfen die Jukebox an. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert: So, hier hast Du schon mal Dein Croissant…

Leppert: Das ist ja wunderbar. He, Moment mal, das ist ja ohne Schokolade…

Göpfert: Daran wirst Du Dich gewöhnen müssen. Es muss jetzt gespart werden im Römer.

Leppert: So ein Mist.

Genauso ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Viele Magistratsmitglieder weilen ja derzeit ganz arglos im Urlaub und bekommen gar nicht mit, was sich da im Rathaus gerade zusammenbraut. Planungsdezernent Mike Josef hat der Familie versprochen, mal endlich nicht jeden Tag in seinem Büro anzurufen und die aktuellen Zahlen für den Wohnungsbau abzufragen. Und die Kulturdezernentin vertieft sich in ihrer zweiten Heimat Frankreich derzeit mit Leidenschaft in die Romane von Marguerite Duras. „Die Pferdchen von Tarquinia“ zum Beispiel aus dem Jahr 1953, das ist ja die Urlaubsgeschichte schlechthin, spielt in einem kleinen Dorf an der Küste des Mittelmeers, über dem die unbarmherzige Sonne brütet und Einheimische wie Sommerfrischler lähmt…

Aber wir schweifen ab. Die Wirklichkeit im Römer ist wesentlich karger. Am 20. August eröffnet der Kulturausschuss des Stadtparlaments wieder den politischen Sitzungsbetrieb und spätestens von da an geht es zur Sache. Kämmerer Uwe Becker hat ausgerechnet, dass wegen des Einbruchs bei den Steuereinnahmen durch Corona mindestens 300 Millionen Euro eingespart werden müssen im städtischen Haushalt. Und er hat die Kolleginnen und Kollegen schon aufgefordert, sich mal Gedanken zu machen.

Das wird ein hartes Stück Arbeit, das zeichnet sich schon ab. Der Planungsdezernent zum Beispiel ist der Meinung, dass er beim neuen Stadtteil im Frankfurter Norden schon genug eingespart hat. Aus der geplanten Josefsstadt beidseits der Autobahn A5 wird ja jetzt nur noch ein kleines Josefsdorf am Rande von Praunheim. Das spart schon mal unheimlich bei den Planungskosten.

Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider ist auch schon in Vorleistung getreten, indem er gleich den Leiter seines wichtigsten Amtes, der Behörde für Bauen und Immobilien, eingespart hat. Blöderweise muss die sehr gut bezahlte Stelle jetzt doch wieder ausgeschrieben werden und irgendwann wird sie dann auch wieder besetzt. Das wird der Kämmerer also nicht als Einsparung gelten lassen und Schneider muss sich was Neues ausdenken.

Ganz schwer hat es der Oberbürgermeister. Sein Dezernat ist ja so klein und so knapp kalkuliert, dass man da von vornherein eigentlich gar nichts sparen kann. Obwohl. Na ja… Wir haben erfahren, dass die Mitarbeiter vom Hauptamt gewagt haben, einen Sparvorschlag zu machen. Man könnte bei den vielen Videos und Fotos ein bisschen kürzer treten, mit denen Peter Feldmann ja pausenlos rund um die Uhr seine Arbeit für die Nachwelt festhalten lässt. Zum Beispiel letztens diese Dokumentation, als der OB die Baustelle vom Goetheturm besuchte. „Der Oberbürgermeister macht sich ein Bild vom Fortgang der Bauarbeiten“, hieß die Arbeit, okay, vom Titel her nicht so der Renner. Der Sparvorschlag ist ja auch noch ganz frisch und inoffiziell.

Aber erst einmal sind Ferien und es ist heiß und das Meer liegt vor der Haustür und wir schweifen ab und lassen noch einmal Marguerite Duras zu Wort kommen. „Die Felsenküste von Pointa Bianca war ein wenig höher als jene, die über der Bucht hing. Sie bestand aus weißem Marmor, war völlig kahl, ohne einen Grashalm. Ein ganzer Teil war ins Meer abgestürzt, aus dem blitzende Blöcke herausragten.“ Ach ja.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

Kommentare