Römerbriefe

Musik liegt in der Luft

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Wir werden jünger, dynamischer und frischer und werfen die Jukebox an. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert:  Was willst Du denn mit dem Eimer und der roten Plastikente?

Göpfert:  Das ist ein Mitbringsel von meinem letzten Besuch in den Städtischen Bühnen.

Leppert:  Jetzt verstehe ich, was Du meinst.

Göpfert:  Für das Theater am Willy-Brandt-Platz wird der Wetterbericht immer wichtiger.

Genauso ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Gegenwärtig halten ja nur eine Handvoll hochqualifizierter Techniker den Betrieb im verlassenen Theatergebäude am Willy-Brandt-Platz aufrecht, kümmern sich darum, dass das Stromnetz hält, die Aufzüge und die Lüftung noch funktionieren. Und die, die da Verantwortung tragen, blicken tatsächlich besorgt auf das Wetter dieser Tage. Bis jetzt, sagt einer, der es wissen muss, seien ja zum Glück die sogenannten Starkregenereignisse an Frankfurt vorbeigegangen.

Dass muss freilich nicht so bleiben. Und wenn es dann mal richtig schüttet, werden Eimer im Frankfurter Theater zum begehrten Requisit werden. Die Dächer sind nämlich schon seit vielen Jahren undicht. Schon der frühere Schauspielintendant Oliver Reese, der ja 2017 nach Berlin wechselte, fing angeblich die Nässe mit Behältnissen auf, die im Flur vor seinem Büro standen. Und aus dieser Ära soll auch noch die rote Plastikente übrig geblieben sein, die das Reese-Team dann schwimmen ließ.

Doch so lustig ist das alles nicht. In den Bühnen selbst lacht niemand mehr. Bald wird der marode Zustand des Hauses am Willy-Brandt-Platz nach außen hin sichtbar werden. An der Westfassade sind Platten derart lose, dass die Gefahr besteht, dass sie abstürzen. Um das zu verhindern, wird man entweder Netze aufspannen oder aber ein Gerüst aufstellen müssen. Die größte Probebühne des Hauses kann seit Monaten nicht bespielt werden, weil die Lüftung nicht mehr funktioniert. Für viele der Anlagen aus dem Jahr 1963 gibt es keine Ersatzteile mehr. So mussten schon mehrere Lüftungen stillgelegt werden. Die zahllosen Wasserleitungen in dem riesigen Haus sind entweder zugesetzt oder von Keimen befallen.

Diese Liste kann beliebig fortgeschrieben werden. Die Techniker wetten schon, wann einfach mal der Strom im kompletten Haus ausfallen wird. Nur eines gibt es noch: Geld, um die Reparaturen fortzusetzen, um das Provisorium irgendwie aufrechtzuerhalten. Schließlich soll im September, ein genaues Datum gibt es noch nicht, tatsächlich eine neue Saison für Oper und Schauspiel eröffnet werden, ungeachtet der fortdauernden Corona-Pandemie.

Wer mit Menschen spricht, die sich in der riesigen Theaterdoppelanlage auskennen, hört in Variationen immer wieder den Satz: „Das ist kein Spaß mehr.“ Oder auch: „Wir haben keine Zeit mehr.“

Nur im Römer ist diese Botschaft noch nicht so recht angekommen. Am heutigen Donnerstag tritt im Rathaus, diesmal aus Corona-Gründen im geräumigen Keller, wieder der Kulturausschuss des Stadtparlaments zusammen. Da werden dann die „Partner“ der Römer-Koalition wieder genussvoll ihre unterschiedlichen Positionen über einen möglichen Neubau austauschen, der irgendwann irgendwo stehen könnte. Vielleicht 2029, wer weiß das schon so genau.

Die Techniker, die das riesige Gebäude in Gang halten, beugen sich indessen wieder besorgt über den Wetterbericht. Hoffentlich fällt kein Starkregen.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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