Römerbriefe

Musik liegt in der Luft

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Wir werden jünger, dynamischer und frischer und werfen die Jukebox an. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Das finde ich ganz schön gemein von Dir!

Göpfert: Worüber regst Du Dich denn so auf?

Leppert: Du schickst mir hier ein Foto von einem Schokocroissant auf mein Smartphone, ich will aber das Teil!

Göpfert: Da wirst Du noch ein wenig warten müssen, bis wir uns wieder im Römer treffen.

Genauso ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Im Römer ist der politische Diskurs, wie man so schön sagt, auf ein Minimum geschrumpft. Die Runde der Spitzenpolitiker der Römer-Koalition zum Beispiel tagt nur noch per Telefonkonferenz. Das kann natürlich auch Vorteile haben. Baudezernent Jan Schneider (CDU) zum Beispiel soll ganz schön erleichtert darüber sein, dass er Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) nicht mehr regelmäßig treffen muss.

Andererseits: Auch per Telefon kann man sich ganz schön in die Haare kriegen. So war die SPD in dieser Woche überhaupt nicht amüsiert darüber, dass Bürgermeister Uwe Becker (CDU) im Interview mit der FR gleich das geplante städtische Kinder- und Jugendtheater auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben hatte, von wegen Corona. Die CDU wiederum regte sich darüber auf, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) per Rundmail im Alleingang die Corona-Maskenpflicht in Frankfurt verkündet hatte.

Mit anderen Worten: In der Koalition ist eigentlich alles wie immer. Nicht mal eine weltweite Pandemie kann das ändern, das ist schon bemerkenswert. Was wir jetzt erleben, ist ein kleiner Vorgeschmack auf die heftigen politischen Verteilungskämpfe, die im Herbst im Römer ausbrechen werden. Wenn nämlich klar ist, wie viele Hunderte von Millionen Euro wegen Corona im Stadtsäckel fehlen und dass drastisch gespart werden muss.

Das könnte dann die Stunde der Stadtverordneten werden. Moment mal: Da war doch was! Eigentlich wird Frankfurt nämlich von 93 Stadtverordneten regiert. Nur derzeit … Na ja: Kürzlich haben sich mal einige von den 93 für einige Minuten getroffen, um einen städtischen Doppelhaushalt im Umfang von mehreren Milliarden Euro innerhalb weniger Minuten durchzuwinken. Ohne jede Diskussion. Sozusagen eine Sternstunde der Demokratie. Also eigentlich, da sollten ja die Stadtverordneten den Magistrat kontrollieren, wir erinnern uns. Nur derzeit …

Derzeit ist einfach alles ziemlich unwirklich. Dabei gäbe es ja immer noch jede Menge Fragen aufzuklären. Zum Beispiel: Was ist eigentlich aus der Affäre um die Arbeiterwohlfahrt geworden und aus der Rolle, die die Familie Feldmann dabei spielt? Es ist jetzt schon klar, dass Corona der Römer-Koalition hilft, einige ungeliebte Streitfragen auf einen ungewissen Zeitpunkt zu verschieben. Zum Beispiel die Zukunft der Städtischen Bühnen. Alles nicht mehr so dringend, soll die alte Bruchbude am Willy-Brandt-Platz doch weiter bröckeln! Irgendwie geht der Vorhang bei Oper und Schauspiel schon wieder hoch, wenn er denn eines Tages wieder hochgeht …

Oder der Streit in der Wohnungspolitik. Bräuchten wir nicht dringend mehr bezahlbare Wohnungen? Aber auf einen Mietendeckel oder auch nur 50 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen in Neubaugebieten kann sich die Koalition nicht verständigen. Alles nicht mehr so wichtig …

Oder was ist mit der autofreien Innenstadt? Aus der Sicht von Zynikern zeigt die Corona-Pandemie: geht doch!

So weit ein kleiner Zwischenbericht aus dem Römer. Wir versprechen: Wir bleiben dran, auch aus dem Homeoffice.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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