Römerbriefe

Musik liegt in der Luft

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Wir werden jünger, dynamischer und frischer und werfen die Jukebox an. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert:Soll ich dir eine Nussecke mitbringen? Aber ohne Nüsse.

Leppert:Was ist eine Nussecke ohne Nüsse?

Göpfert:Immer noch eine Ecke.

Leppert:Aber da fehlt dann doch das Wichtigste.

Sie merken es vermutlich, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik: Wir tun uns gerade etwas schwer. Deshalb schreiben wir erst jetzt über ein Thema, das schon vor den Herbstferien im Römer diskutiert wurde. Aber wissen Sie: Nicht alles lässt sich so leicht satirisch darstellen, wie Sie es zu Recht in den „Römerbriefen“ erwarten.

Also erst einmal die Fakten: Die Stadtverordneten haben beschlossen, dass Frankfurt ein sicherer Hafen für Geflüchtete werden soll. Das ist gut, dafür wäre einigen Leuten zu danken: Sebastian Popp von den Grünen, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Nico Wehnemann (Die Partei), der ordentlich Druck gemacht hat…

Das Problem ist nur: Daraus folgt rein gar nichts. Die Städte, die sich „sicherer Hafen“ nennen, verpflichten sich, über den Verteilungsschlüssel hinaus weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Solche, die aus dem Mittelmeer gerettet wurden. Aber genau das tut Frankfurt nicht. Auf Druck der CDU, die nicht noch mehr Wähler an die AfD verlieren will, haben unsere Politiker beschlossen, dass sich Frankfurt zwar „sicherer Hafen“ nennt (liest sich ja auch echt gut). Aber nicht einen Menschen zusätzlich aufnimmt. Ganz ehrlich, Leute: Das. Ist. Absurd.

Aber vielleicht motzen wir ja auch wieder zu viel. Vielleicht ist das ja ein Modell, um Koalitionsstreit zu vermeiden. Man beschließt etwas, was überhaupt keine Folgen hat.

Ein paar Beispiele gefällig?

Die Koalition einigt sich, in ganz Frankfurt Tempo 30 bei Nacht einzuführen. Allerdings steht unter jedem Schild zur Geschwindigkeitsbegrenzung der Hinweis: „Keine Kontrollen!!!“

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) kommt der CDU entgegen. Die Schulen dürfen sich private Anbieter für WLAN aussuchen. Allerdings nur solche, deren Störungsanfälligkeit besonders hoch ist. Wann immer die Leitung tot ist, übernimmt das städtische WLAN-Netz.

Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) schafft rund um die Beratungsstelle von Pro Familia eine extra große Schutzzone, in der christliche Fundamentalisten nicht demonstrieren dürfen. Gleichzeitig werden in dem Bereich Wegweiser zur Beratungsstelle aufgestellt, auf denen Bilder von Föten zu sehen sind. Und einen Sponsor für die Schutzzone hat Frank auch gefunden: Pampers.

Sie sind nicht überzeugt? Wir auch nicht. Aber wir probieren jetzt erst einmal, wie Nussecken ohne Nüsse schmecken.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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