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Der Römer.

Römerbriefe

Frankfurter Rathaus: Musik liegt in der Luft

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    Georg Leppert
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Wir werden jünger, dynamischer und frischer und werfen die Jukebox an. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Am 23. Mai versammelt sich im Römer wieder die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Mit ihren 93 Abgeordneten ist sie größer als manches deutsche Landesparlament. Und auch die Summen, die da bewegt werden, dienen andernorts zur Finanzierung einer ganzen Region.

Dass die gewählten Repräsentanten der fünftgrößten deutschen Stadt aber heute überhaupt an ihrem Traditionsort zusammenkommen, ist durchaus erstaunlich. Denn vor zwei Jahren hatte das Herzstück der Frankfurter Kommunalpolitik durchaus dramatische Schlagzeilen produziert.

Der Plenarsaal sei am Ende, hieß es da. Völlig marode und untauglich. Natürlich nicht barrierefrei. Und dann die uralte Tontechnik! Was helfen die wunderbaren, literarisch nicht selten anspruchsvollen Reden, wenn sie keiner verstehen kann! Wenn die Nachwelt, etwa in Form der Zuhörer auf der Tribüne, gar nicht mitbekommt, dass sie gerade jetzt einen historischen Moment erlebt.

Auch der Brandschutz des 400 Quadratmeter großen Raumes, so hieß es vor zwei Jahren, liege sehr im Argen. Zum Beispiel die alte Holzvertäfelung: Das gehe gar nicht mehr.

Zwei Jahre später. Aus dem Thema Plenarsaal scheint ziemlich die Luft raus. Lange nichts mehr davon gehört. Auf verschiedene Gutachten, die das städtische Amt für Immobilien in Auftrag geben wollte, werde noch immer gewartet. Da sei aber wohl etwas in Arbeit, ist zu vernehmen. Hört sich gar nicht so dramatisch an.

Irgendwie hat der Plenarsaal ja etwas Beruhigendes, wunderbar Vertrautes. Manche politischen Berichterstatter kommen seit 40 Jahren hierher, und sie tun es gerne. Die Zeit scheint nur langsam zu vergehen, nicht nur bei den jährlichen Debatten über den städtischen Haushalt.

Mitten im Trubel eines rasanten, nicht nur technischen Umbruchs ist das Stadtparlament eine Oase der Ruhe. Und ein Hort der Konstanz.

Von ferne nur dringt der Lärm von Demonstrationen hierher, die über den Römerberg oder die Braubachstraße ziehen. Europa ist in Gefahr, so heißt es. Es fehlen Betreuungsplätze in der Stadt, die Müllabfuhr kommt wieder nicht, kruzifix.

Aber der Plenarsaal ist immer noch da, und er ist unverändert. Was hat die Rednerin vorne am Pult nun gerade gesagt? Zugegeben, manchmal ist es schwer zu verstehen. Aber dafür gibt es ja das schriftliche Protokoll einen Monat später zum Nachlesen.

Man sieht also: Es muss nichts überstürzt werden. Vor zwei Jahren wurde über die Städtischen Bühnen als Ausweichquartier für die Stadtverordneten diskutiert. Jetzt brauchen die Bühnen bald selbst dringend ein Interim. Man darf sich einfach nicht verrückt machen lassen.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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