Römerbriefe

Musik liegt in der Luft

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    Georg Leppert
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Wir werden jünger, dynamischer und frischer und werfen die Jukebox an. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Peter Feldmann entrückt nach seiner Wiederwahl mit 70 Prozent der Stimmen immer mehr den Niederungen des politischen Alltags im Römer. Der Mann, der vor 30 Jahren mal als kleinteiliger linker Sozialpolitiker begonnen hatte, wird Schritt für Schritt zum Sinnbild, na ja, für das ganze Frankfurt.

Kein Wunder also, dass er als einziger Kommunalpolitiker aufs Bild sollte, als unlängst der Spatenstich für die großartige und lang erhoffte deutsche Fußballakademie des Deutschen Fußballbundes (DFB) anstand. Und sich rund 100 Medienvertreter darum balgten, diese Botschaft in die Welt hinauszutragen.

Kein Wunder, dass der OB beim Internationalen Frauentag die Hauptrede für die Stadt halten wollte – das ist angeblich nur am Widerstand verbiesterter Feministinnen gescheitert. Frauen also, die Feldmann einfach nicht verstehen wollten.

Kein Wunder, dass der Oberbürgermeister die große Podiumsdiskussion der Stadt zur Europawahl moderieren wollte – ganz streng überparteilich, versteht sich. Denn, wenn er will, ist Feldmann kein Sozialdemokrat mehr, sondern nur noch Frankfurter. Schade, dass diese Debatte durch kleinliche Einwände der AfD nicht zustandekam.

Die nächste Herausforderung stünde an, wenn die Helden von Eintracht Frankfurt als Europapokalsieger zurückkämen in die Heimat und auf dem Römerberg gefeiert würden. Da grübeln die Fachleute vom städtischen Hauptamt schon jetzt, wie sie es schaffen, dass mit der Elf nur der OB den Römer-Balkon betritt und in die vieltausendköpfige Menge grüßt.

Für einen jungen CDU-Politiker begann auf dem Rathaus-Balkon 2002 eine große Karriere. Markus Frank, damals einfacher Stadtverordneter, schmuggelte sich irgendwie unter die deutschen Fußball-Vizeweltmeister und stand dann plötzlich neben Michael Ballack und Oliver Kahn vor den begeisterten Zuschauern auf dem Römerberg. Und winkte im Fernsehen einem Millionen-publikum zu. 2006 wurde Frank dann CDU-Fraktionschef im Römer, 2009 Wirtschafts- und Sportdezernent.

Heute ist Frank nur noch ein Beispiel für den traurigen Verfall der CDU-Politiker im Römer. Wo wird denn noch sein Bild gezeigt? Eben. Und wo ist denn Jan Schneider zu sehen, angeblich Frankfurts mächtigster CDU-Mann, Dezernent für Bauen? Immobilien, Reformprojekte, Bürgerservice und vieles mehr? Hilft alles nichts. Keine Bilder, weg vom Fenster. Der OB versteht das.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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