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Der Römer in Frankfurt. (Symbolbild)

Römerbriefe

Frankfurt: Happy Birthday

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    Georg Leppert
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Wir sind zu einer Party eingeladen. Und wissen nicht, was wir mitbringen sollen. Ein Dilemma.

Leppert:Naja, eine Flasche Wein haben wir bestimmt noch im Keller.

Göpfert:Herzlichen Glückwunsch zum einfallslosesten Vorschlag des Monats März.

Leppert:Du kannst auch gerne aus einer Torte steigen.

Göpfert:Wenn Du dazu „Happy Birthday, Mister Stadtrat“ singst...

Entschuldigen Sie, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, wenn wir verzweifelt sind, werden wir immer albern. Wir sind auf eine Party bei einem wichtigen Menschen im Römer eingeladen. Wir schreiben an dieser Stelle nicht, um wen es geht, weil so etwas ja leicht peinlich wird. Wenn man eine Party feiert, will man ja am liebsten, dass die Menschen, die nicht eingeladen sind, von der Party gar nichts erfahren. Und in der Zeitung sollen sie davon schon gar nichts lesen. Im Übrigen sind wir auch nur zur Feier im Büro des Geburtstagskindes eingeladen. Nicht etwa zur wilden Sause im Südwesten der Stadt.

Wie auch immer, wir haben ein ganz anderes Problem: Wir haben kein Geschenk. Nun gut, früher, als die FR 26 Millionen Exemplare Auflage hatte und es in ganz Hessen nur einen einzigen Menschen gab, der uns nicht las (Volker Bouffier), früher wären wir einfach zum obersten Chef gegangen, hätten uns 100 Euro geben lassen und dann einen ganz feinen Tropfen gekauft.

Heute investieren wir unser Geld lieber in guten Journalismus, was wir begrüßen, aber davon haben wir noch kein Geschenk. Wir könnten natürlich einen Gutschein verschenken: Gutschein für einen positiven Kommentar („Dealerkinder raus – Gerechtigkeit für die Platensiedlung“). Aber nein, in Zeiten, in denen rechte Trolle „Lügenpresse“ rufen, macht man darüber keine Witze.

Vielleicht verschenken wir einfach Zeit. Wir sind ja ganz umgängliche Menschen, wir waschen uns regelmäßig, mit uns verbringt man doch bestimmt gerne Zeit. Sie ahnen, was kommt. Hier unsere Ideen, wem wir unsere Gesellschaft schenken könnten.

Mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) unternehmen wir eine Radtour. An jeder Ecke fragen wir ihn nach seiner Haltung zum Radentscheid: „Finde ich total gut – ist absolut unzulässig – hat die volle Unterstützung meiner Partei – lässt sich überhaupt nicht umsetzen.“

Dem vor der Wiederwahl stehenden Baudezernenten Jan Schneider (CDU) erzählt der Ältere der Römerbrief-Schreiber von den vier Schweinen in der Koalition. Claus-Jürgen G. aus F. war damals nämlich dabei, als vier Herrschaften aus der SPD dem Lutz Sikorski die Stimmen verweigerten. Aber wir wollen dem Jan Schneider ja keine Angst machen. Deshalb wandeln wir die Geschichte leicht ab. Am Ende werden die vier Schweine gefunden, sie müssen sich entscheiden, ob sie zur Strafe an Halloween durch die Platensiedlung laufen oder in der Fragestunde eine Frage von Horst Reschke (AfD) beantworten („Planen Sie schusssichere Westen an die Bevölkerung auszugeben?“). Geläutert stimmen sie danach doch noch für Schneider.

Und für Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) tun wir eine Woche lang so, als seien wir verdiente Sozialdemokraten. Das ist auch für uns ein super Geschäft, denn danach dürfen wir die neue Stabsstelle zur Abschaffung aller Gebühren für Kinderbetreuung leiten.

Bleibt die Frage, auf wessen Party wir eingeladen sind. Kleiner Tipp: Sein Name taucht in diesem Text nicht auf.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die FR aus dem Römer.

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