Römerbriefe

Musik liegt in der Luft

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Wir werden jünger, dynamischer und frischer und werfen die Jukebox an. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert: Mein Lieber, Georg! Geschätzter Kollege!

Leppert: Oh je, wenn Du schon so anfängst …

Göpfert: Ich verspreche Dir, ich nehme Dir die zwei nächsten Pressekonferenzen des OB zur Offenlegung seiner finanziellen Verhältnisse ab, wenn Du dafür …

Leppert: Hör doch auf. Das sind doch leere Versprechungen.

Genauso ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Im Römer hat die Kampagne für die nächste Kommunalwahl am 14. März 2021 begonnen. Es ist die Zeit der großen Versprechen. Und überall im Rathaus studieren die politischen Spindoktoren schon die Wahlkämpfe der Vergangenheit und prüfen, was sie daraus lernen können. Hier, dieser Text liest sich wirklich interessant: „Die Menschen lassen sich eher durch ein freundliches Gesicht und schöne Reden gewinnen als durch konkrete Maßnahmen und Gefälligkeiten.“ Und hier, weiter: „Man darf deshalb im Wahlkampf nicht allzu zimperlich sein, sondern muss allen alles versprechen.“

Na, wer hat das geschrieben? Sie glauben, Martin Wimmer, der spätere Büroleiter des OB, für den OB-Wahlkampf von Peter Feldmann 2012? Nein, sogar ziemlich daneben. Die Ratschläge sind, zugegeben, schon etwas älter. Aber immer noch aktuell. Sie stammen aus dem Jahr 63 vor Christus. Damals kandidierte Marcus Tullius Cicero für das Amt des Konsuls in Rom. Und sein Wahlkampfleiter war sein Bruder, Quintus Tullius Cicero. Der schrieb ein Handbuch mit Tipps für den Wahlkampf, das sogenannte „Commentariolum petitionis“. Da kann man heute noch viel draus lernen.

Quintus Tullius schrieb seinem Bruder zum Beispiel Reden für ganz bestimmte Auftritte auf dem Forum Romanum. Das Problem war nur: Der hielt sich nicht an die Manuskripte, improvisierte frei und trieb den armen Quintus damit zur Verzweiflung (2060 Jahre später hat übrigens die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) diese Technik der Improvisation zur Vollkommenheit entwickelt, da kann ihr damaliger Büroleiter Alexander Skipis viel erzählen).

Aber wir schweifen ab. Zurück zum „Commentariolum petitionis“. Wichtig sei, riet Quintus Tullius vor knapp 2100 Jahren, seinen politischen Gegner in jedem Fall gezielt zu verleumden und dabei ordentlich unter die Gürtellinie zu gehen. Die CDU im Römer beherzigt das und testet zum Beispiel gerade aus, wie weit sie da beim Oberbürgermeister und seiner Rolle in der AWO-Affäre kommt. Leider hat der OB dem politischen Gegner manche Steilvorlage geliefert.

Andere Ratschläge von damals spielen heute erkennbar eine geringere Rolle. Der Wahlkämpfer, schrieb Tullius, solle immer elegant und ordentlich gekleidet sein und sein persönliches Erscheinungsbild nicht vernachlässigen. Zum Beispiel wurde vor jedem öffentlichen Auftritt penibel geprüft, ob die weiße Toga von Marcus auch keine Flecken aufwies.

Etliche Tipps sind dagegen in der Gegenwart Allgemeingut geworden. Möglichst unkonkret in den Aussagen bleiben und sich nicht festlegen. Da hat der Oberbürgermeister seinen Cicero vielleicht doch gelesen. Oder wissen Sie zum Beispiel, was genau nun die Haltung von Peter Feldmann zur Zukunft der Städtischen Bühnen ist? Eben.

Ach ja, nur der Vollständigkeit halber. Der Wahlkampf von Marcus Tullius Cicero im Jahre 63 vor Christus war übrigens erfolgreich. Er wurde Konsul, fiel allerdings zwei Jahrzehnte später der politischen Verfolgung durch seine Gegner zum Opfer. Da enden dann die Parallelen zur Gegenwart.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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