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Daniel Müller-Schott (r.) spielt Cello, sein Publikum lässt die Gedanken schweifen.

Kultur

Musik inspiriert Jugendliche zu Graffito

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Das Familienkonzert „Cello meets Graffiti“ findet am kommenden Sonntag im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt statt.

Der Cellist und Solist der Frankfurter Museums-Gesellschaft Daniel Müller-Schott inspirierte mit seiner Musik vier Jugendliche zu dem Motiv eines Graffito, das der Frankfurter Street-Art-Künstler Justus Becker gesprayt hat. Bei dem Familienkonzert „Cello meets Graffiti“ am kommenden Sonntag wird in Filmsequenzen zu sehen sein, wie das Graffito entstanden ist. Dazu spielt Müller-Schott auf dem Cello. Im Anschluss können sich die Zuschauer mit den Beteiligten unterhalten und Fragen zur Idee des Projekts stellen.

Die Idee hatte Müller-Schott, der selbst in seiner Jugend sprayte. Er spielte den Jugendlichen im Naxos-Atelier des Jugendclubs Bornheim Stücke von Bach, etwas Modernes von Crumb sowie ein japanisches Stück voller Vogelstimmen vor. In dem Atelier, einer alten Lagerhalle, stehen lange Maltische. Dort treffen sich an jedem Mittwoch Jugendliche zum Malen und Sprayen. Außerdem gibt es Graffitiworkshops.

In der Kunstwerkstatt klassische Musik zu hören, ist ungewöhnlich. Die vier Jugendlichen und Justus Becker machten es sich in Sesseln bequem und spitzten die Ohren für das kleine Privatkonzert.

„Mir war wichtig, dass man große Kontraste erlebt“, sagt Müller-Schott. Daher spielte er klassische und moderne Stücke. Nachdem er gespielt hat, sammelten die Jugendlichen ihre Gedanken, die ihnen bei der Musik gekommen waren.

„Jeder empfindet dabei etwas anderes“, sagt Nadine Stahlberg, eine der Jugendlichen. „Ich habe die Musik viel intensiver wahrgenommen als bei einem Konzert“, sagt sie. Während die Jugendlichen die von der Musik inspirierten Gedanken aussprachen, zeichnete Justus Becker die Skizze für das Graffito. „Er ist sehr kreativ und konnte mit unseren Gedanken sofort eine Skizze erstellen“, sagt Stahlberg.

Emotionen darstellen

„Das waren Begriffe wie harmonisch oder fließend“, sagt der Street-Art-Künstler. Er sprayte das Graffito mit Müller-Schott an einem Tag auf eine zwei mal drei Meter große Leinwand.

Das Graffito ist zweigeteilt. Eine Hälfte zeigt die ausbalancierten Emotionen, die die Jugendlichen beim Hören der klassischen Musik empfunden haben. Die andere Hälfte ist geprägt von nicht verarbeiteten Ereignissen und Konflikten, die die modernere Musik in ihnen hervorrief.

„Das Graffito ist wie eine Erscheinung im Traum. Es soll eine Emotion dargestellt werden“, sagt der Cellist. Er mag es zu erfahren, was die Zuhörer fühlten, als er spielte. Daher spielte er nur in der kleinen Runde, um die Ideen für das Graffito zu sammeln. „Man lernt sich kennen und spielt nicht für ein fremdes Auditorium“, sagt der weltweit gefragte Solist.

Die Jugendlichen kennen das Graffito selbst noch nicht. Auch sie werden den Film und damit das fertige Kunstwerk beim Familienkonzert zum ersten Mal sehen. Doch das Graffito wird bei der Veranstaltung lediglich in den Filmsequenzen zu sehen sein. Es vorher zu sehen, zerstöre die Dramaturgie des Films, sagt Becker.

Auf das Thema Graffiti sei man gekommen, um mehr Jugendliche für das Familienkonzert anzusprechen, berichtet Anita Strecker von der Frankfurter Museums-Gesellschaft. Die Museums-Gesellschaft lobt einen Wettbewerb für Schulklassen aus, ebenfalls aus Müller-Schotts Musik Bilder oder Videos zu kreieren.

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