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Museumsuferfest in Frankfurt: Jenseits der Dippemess

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Von: Stefan Behr

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Viele haben am ersten Abend das Museumsuferfest besucht – es gibt aber noch Luft nach oben. Peter Jülich
Viele haben am ersten Abend das Museumsuferfest besucht – es gibt aber noch Luft nach oben. © Peter Jülich

Das Museumsuferfest ist nach zweijähriger Zwangspause wieder da und versöhnt die Welten von Kunst, Kultur und Kirmes

Das geht ja gut los. Zu Beginn des Museumsuferfestes herrscht mal wieder so ein angetäuschtes-Gewitter-Wetter, die jüngste Laune einer aus der Art gefallenen Natur. Stundenlang ist es fünf vor Blitz, aber dann fällt doch wieder kein einziger Tropfen.

Wären die Frankfurter Revanchisten, dann könnten sie ja auch das Museumsuferfest antäuschen. Alles aufbauen und feierfertig machen, und dann am Freitagabend sagen: „Ätschi Kolätschi! Wir bleiben mit unserem Hintern auf dem Sofa und parshipen und netflixen und tiktoken.“

So sind die Frankfurter: Immer Eintracht

Dann würde das Wetter schön blöd aus der Wäsche gucken, weil sich keiner um seine Kapriolen scheren würde. Aber so sind die Frankfurter nicht. Die Eintracht liegt ihnen am Herzen, selbst die mit dem Klima. Sie kommen zum Fest - wenn auch zumindest am frühen Freitagabend in überschaubarer Anzahl, als das früher der Fall war. Und das ist auch gut so.

So viele Volksfeste mit Flair hat die Mainstadt ja nicht, die Dippemess etwa würde andernorts höchstens zur Touristenvergrämung eingesetzt werden. Das Mainuferfest nicht mal dafür. Was das Museumsuferfest (Profis nennen es „Muf“) von der Dippemess unterscheidet: Das Muf-Vanilleeis beispielsweise ist schwarz gefärbt, nennt sich „Black Charcoal Vanilla“ und kostet sechs Euro. Das ist schön anzuschauen, etwas überzwerch, völlig sinnlos und maßlos überteuert. Anders gesagt: Das ist Kunst, wie sie sein sollte. Und Kunst und Kultur sind ja auch die Kernkompetenzen der Museen, die dem Ufer und damit auch dem Fest ihre Namen geben.

Museumsuferfest: Nicht nur Nippes

Natürlich gibt es hier auch den üblichen Kirmesnippes. Aber eben nicht nur. Wo sonst versucht eine Odenwälder Seifensiederei vergebens, gegen die benachbarte Worschtbraterei anzuduften? Wo sonst verkauft ein Stand güldenes Geschmeide aus „präkolumbianischer Kultur“, während ein paar Meter weiter „der Harry aus Kronberg“ seinen selbstgedrechselten Eintracht-Frankfurt-Schmuck anpreist wie ein Boxbudenanimateur seine Schläger? Wo sonst verkaufen Brenn-Hipster ihren „Gin des Lebens“ für teuer Geld, obwohl gleich nebenan ein Stand mit polnischem Wodka viel günstiger zum selben Ergebnis führt? Jedenfalls nicht auf der Dippemess. Und auch nicht im Wäldche. Sowas gibt’s nur hier beim Muf.

In den vergangenen zwei Jahren war das Muf der Seuche zum Opfer gefallen. So ganz hat es sich nocht nicht erholt. Viele vermissen in diesem Jahr ein paar alternative Musikbühnen, die in der Vergangenheit immer Garanten für hitparadenuntaugliche und also beste Unterhaltung waren. Allerdings müssen Gäste auch nicht befürchten, mit „Layla“ beschallt zu werden, das wäre ja auch ziemlich unmufig.

Aber es gibt genug andere Möglichkeiten, auf seine Kosten zu kommen. Der Besuch des afrikanischen Massagezeltes, gefolgt von der Verkostung eines halben Liters Designer-Gin und dem anschließenden Kauf eines knallbunten „Kaiser-Friedrich-Hemdes“ etwa simuliert perfekt einen LSD-Trip, ist aber zwanzigmal teurer und doppelt so nachhaltig. Für Geringverdiener gibt’s zum Abschluss ein kostenloses Feuerwerk. Ach ja... die ganzen Museen sind natürlich auch noch da. (Stefan Behr)

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