+
Archäologe Egon Schallmayer spricht sich gegen die Zusammenlegung des Archäologischen Museums mit anderen Museen aus.

Kultur unter Sparzwang

Museum radikal geschwächt

Mit der geplanten Zusammenlegung des Archäologischen Museums verschwindet das einzige Fachmuseum in Hessen, das sich der Archäologie in ihrer gesamten chronologischen Bandbreite widmet. Ein Gastbeitrag von Archäologe Egon Schallmayer.

Von Egon Schallmayer

Wie der Frankfurter Tagespresse zu entnehmen ist, werden von der Frankfurter Regierungskoalition Schwarz-Grün Überlegungen angestellt, im Rahmen des Sparzwangs im Kulturbereich das Archäologische Museum mit anderen „historischen Museen“ zusammenzulegen.

Der aktuelle Plan ist, dass die Leitung des Archäologischen Museums nach dem altersbedingten Ausscheiden des derzeitigen, höchst erfolgreichen Museumsdirektors Professor Egon Wamers im Spätsommer 2017 nicht wieder besetzt, sondern von der Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte (Stadtarchiv), das ebenfalls im Karmeliterkloster-Areal untergebracht ist, in Personalunion wahrgenommen werden soll. Ferner sollen „die Verwaltungen“ des Archäologischen Museums, des Historischen Museums und des Instituts für Stadtgeschichte „verzahnt“ werden.

Wenngleich sich umfangreiche und noch nicht beantwortete Fragen über die sachliche Wirkung einer solchen – nicht gerade von kulturpolitischem Feingefühl geleiteten – Entscheidung wie auch über ihren tatsächlichen Einspareffekt auftun, scheinen die Beschlüsse stadtintern offensichtlich bereits gefasst worden zu sein und dürften, falls nicht noch etwas anderes geschieht, bald vom Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung verbindlich beschlossen werden.

Allein schon die geplante Verschmelzung zweier so unterschiedlicher Häuser – hier ein Haus mit reichen Beständen der Prähistorie, der Klassischen Archäologie und Archäologie des Alten Orients und Nordafrikas, der Provinzialrömischen Archäologie und der Archäologie des Frühmittelalters und der Neuzeit mit Schwerpunkt Mitteleuropa, und ganz besonders der Archäologie des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt am Main, dort das im Kern als Stadtarchiv und Historisches Museum der Freien Reichsstadt und der internationalen Stadt Frankfurt aufgestellte Institut für Stadtgeschichte – lässt aufgrund sachlicher Unterschiede daran zweifeln, dass Synergien im Sinne des Einspardiktates zu erzielen sind. Die dabei weiter ins Auge gefassten Personaleinsparungen geben zu Befürchtungen für die Funktionsfähigkeit des Archäologischen Museums Anlass.

Landesarchäologie empfindlich getroffen

Ein Haus würde aus der öffentlichen Wahrnehmung genommen und in seinem kulturpolitischen und gesamtgesellschaftlichen Wirkungsgrad radikal geschwächt. Dabei muss man sich klar machen, dass das Archäologische Museum Frankfurt das einzige archäologische Fachmuseum in Hessen ist, das sich der Archäologie in ihrer gesamten chronologischen Bandbreite widmet. Selbst das Archäologische Landesmuseum Hessen besitzt bisher mit dem Römerkastell Saalburg und der Keltenwelt am Glauberg lediglich der Kelten- und Römerzeit gewidmete Einrichtungen.

Kenner befürchten, dass ein nicht mehr als selbstständige Einrichtung existierendes Archäologisches Museum von fachfremden Interessen und Zwängen bestimmt werden wird, und auch Sonderausstellungen mit überregionalen und europäischen Themen kaum noch zu veranstalten sein werden. Dabei ist gerade das Archäologische Museum Frankfurt durch regelmäßige, viel beachtete Sonderausstellungen zur vor- und frühgeschichtlichen und klassischen Archäologie in Erscheinung getreten.

Durch die im Raum stehende Organisationsänderung, verbunden mit zu erwartenden Personal- und wohl nachfolgenden Sachmittelkürzungen, würde auch die Hessische Landesarchäologie empfindlich getroffen. Das Archäologische Museum Frankfurt arbeitet mit dem Denkmalamt von Frankfurt, Abteilung Bodendenkmalpflege, sowie mit der gesamten „hessenARCHÄOLOGIE“ ( Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege, Archäologisches Landesmuseum; derzeit Saalburg und Glauberg, Zentrale Dienste/Archäologieservice) intensiv und kooperativ zusammen.

Keine Machtspielchen

Per Vertrag besteht schon seit Einrichtung des Hessischen Denkmalschutzgesetzes die Regelung, dass städtische Bodendenkmalpflege und Archäologisches Museum die Aufgaben des Hessischen Denkmalschutzgesetzes für das Stadtgebiet wahrnehmen, indem alle Bodenfunde auf Frankfurter Gemarkung vom Museum aufgenommen und – denkmalpflegerisch sowie fachgerecht behandelt – bewahrt werden. Den Verantwortlichen der „Kulturstadt“ Frankfurt ist dringend zu raten, Pläne, die zur Verkümmerung eines bedeutenden Teils der kulturellen Aufstellung der Stadt führen dürften, zu überdenken.

Im Hinblick auf die fachliche Ausrichtung der Arbeit könnte sich eher ein Synergieeffekt ergeben, wenn man Archäologische Denkmalpflege und Archäologisches Museum auf der einen und Historisches Museum sowie Stadtgeschichtliches Institut auf der anderen Seite zusammenlegt. Die Bau- und Kunstdenkmalpflege könnte dabei an das Stadtbauamt als eigenständige Abteilung angegliedert werden. Ob man darüber hinaus eine gemeinsame Verwaltungsstruktur schafft, wäre zu prüfen. Es sollte sichergestellt werden, dass hier keine Selbstständigkeiten im Sinne von mit den Facheinrichtungen nicht abgestimmten haushalterisch-verwaltungsmäßigen Alleingängen eintreten, die leicht zu Machtspielchen geraten können.

Vielmehr sollte die Verwaltung dazu da sein, den Fachbereichen zu helfen und alles im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben Mögliche zu tun, dass diese ihren bedeutenden kulturellen Auftrag in der Goethestadt erfüllen können.

Der Autor ist Professor der Archäologie und war bis 2013 Landesarchäologe in Hessen sowie Direktor des Saalburgmuseums.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare