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Kuratorin Franziska Krah (3. von rechts) erklärt die Exponate der kleinen Pop-up-Ausstellung.

Museum Judengasse

Ganz nah an Anne Frank: Pop-up-Ausstellung im Museum Judengasse 

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Zum 90. Geburtstag von Anne Frank zeigt das Frankfurter Museum Judengasse Gegenstände, die das jüdische Mädchen aus Frankfurt selbst in der Hand gehabt hat.

Als Erstes kommt eine ganze Schulklasse. Neugierig gruppieren die Jugendlichen sich um die Glasvitrine, in der ein Poesiealbum, Bauklötze und eine bestickte Stofftasche zu sehen sind. Ob jemand Niederländisch verstehe, fragt ein Mitarbeiter des Museums Judengasse, und eine Schülerin meldet sich. Mit dem Eintrag im Album ist sie wegen der altertümlichen Schrift dann doch überfordert, aber den gestickten Schriftzug entziffert sie sofort. „Goeden nacht“, das heißt natürlich: Gute Nacht.

Wahrscheinlich ist es eine der kleinsten und kürzesten Ausstellungen, die es in Frankfurt jemals gegeben hat. Gerade einmal zehn Stunden ist die Schau zu sehen, die das Jüdische Museum extra zum Anne-Frank-Tag kuratiert hat. Gezeigt werden Gegenstände, die das jüdische Mädchen oder Mitglieder ihrer Familie selbst in der Hand gehabt haben. Denn die Ausstellung soll einen Blick auf den Menschen Anne Frank ermöglichen, auf das jüdische Mädchen aus Frankfurt, das vor den Nazis nach Amsterdam floh – und weniger auf die weltweit bekannte Autorin des berühmten Tagebuchs, das als wichtiges Zeugnis der Vernichtung der europäischen Juden gilt.

Eine belesene Familie

Entsprechend intim sind die Gegenstände, mit denen die Besucher konfrontiert werden: Bauklötze in Form von Häusern, die Anne Franks Cousin Buddy Elias gehörten und mit denen Anne gerne spielte, wenn sie Buddy in Basel besuchte. Die von Anne Frank bestickte Tasche, in der sie in Amsterdam ihr Nachthemd aufbewahrte. Und das Poesiealbum einer Schulfreundin aus Amsterdam, in dem Anne Frank ein kleines niederländisches Gedicht hinterließ: „Wenn wir mal nicht mehr zur Schule gehen, sondern in der weiten Welt stehen, schau mal in dieses Album hinein und denk an mich, deine Schulfreundin.“ Beschriftet sind die Exponate nicht, dafür sind mehrere Mitarbeiter des Museums vor Ort, um den Besuchern alles zu erklären.

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Die Ausstellung sei auch als eine Vorschau zu verstehen, sagt Kuratorin Franziska Krah. Sie leitet das Familie-Frank-Zentrum, das seit 2012 den umfangreichen Nachlass der Franks verwaltet. Gemälde, Briefe, Fotos und Möbel wurden dem Jüdischen Museum vom Anne-Frank-Fonds in Basel als Dauerleihgabe überlassen. „Wir haben das Glück, dass wir diese riesige Sammlung haben“, sagt Krah. Einige der Exponate werden auch in der neuen Dauerausstellung des Jüdischen Museums ihren Platz finden, die im kommenden Frühjahr im sanierten Rothschild-Palais am Main eröffnet werden soll. Dort soll es einen eigenen Raum zur Geschichte der Familie Frank geben. Einige Vorfahren von Otto Frank, dem Vater von Anne Frank, lebten schon im 17. Jahrhundert in Frankfurt.

Sie empfinde es als Verpflichtung, die Geschichte der Familie Frank weiterzutragen, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) dann bei der offiziellen Eröffnung der kleinen Ausstellung. Die belesene Familie habe die Frankfurter Werte von Weltoffenheit und Toleranz vertreten, sagt Hartwig. Und Anne Frank habe sich in ihrem Tagebuch für diese Werte starkgemacht, „zu einer Zeit, als sich ihre Heimatstadt von ihnen abwandte“.

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Mirjam Wenzel, die Direktorin des Jüdischen Museums, betont ebenfalls das literarische Interesse der Familie Frank, in der viel gelesen wurde und man sich gegenseitig kleine Reime widmete. „Es ist dieser familiäre Umgang, der die heranwachsende Anne zutiefst prägte.“ Nur so sei zu erklären, dass ein 13-jähriges Mädchen weltweit so bekannt wurde, wie sie bekannt wurde: als Schriftstellerin.

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