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Wolfgang David vom Archäologischen Museum.

Kultur

Frankfurter Museen erhalten Geld für Ankäufe

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Die Römer-Koalition stellt „mindestens 525.000 Euro“ für sechs Häuser zur Verfügung.

Es hat lange gedauert. Zehn Jahre nach dem Wegfall sollen die städtischen Museen in Frankfurt wieder einen Ankaufsetat bekommen. Mindestens 525 000 Euro jährlich für sechs Häuser will die Stadt von 2020 an bereitstellen. Das beschloss die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen zu später Stunde in der jüngsten Sitzung des Römer-Kulturausschusses. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) begrüßt den „Rückenwind“ für die Museen.

Es war nur einer der Beschlüsse, die sich in der Kulturlandschaft auswirken werden. Die Koalition lässt die Ausrichtung eines neuen Theaterfestivals im Künstlerhaus Mousonturm (Waldschmidtstraße 4) prüfen. Das führte im Ausschuss prompt zu Protesten von Vertretern der freien Theaterszene, die nicht gefragt worden waren und sich übergangen fühlten.

Wolfgang David, seit Anfang letzten Jahres Direktor des Archäologischen Museums, bekommt eine „Soforthilfe“ in Höhe von 250 000 Euro, um das Erscheinungsbild des Hauses zu verbessern. So sollen der Kassenbereich, der Museumsshop, die Cafeteria und die Vortragstechnik modernisiert werden.

Das Kulturdezernat soll eine „Kulturentwicklungsplanung“ für die Großstadt Frankfurt vorantreiben und dabei Ziele für die Kulturinstitutionen definieren.

Der größte Einschnitt ist die Rückkehr eines Etats, aus dem die städtischen Museen eigene Ankäufe finanzieren können. Die damalige Römer-Koalition von SPD und Grünen hatte die Ankaufsetats mit dem städtischen Haushaltsentwurf 1994 gestrichen. Am 22. Oktober 1993 war die sogenannte „Liste der Grausamkeiten“ vorgelegt worden, mit der insgesamt 47 Millionen Mark von dem 480 Millionen Mark umfassenden Kulturetat gestrichen werden sollten.

Es gab heftige Proteste. Aber die Ankaufsetats verschwanden. Die Museen bekamen nur noch Geld aus einem privaten Nachlass, der dann aber aufgebraucht war. Jetzt kommt die heutige Römer-Koalition zu der Einsicht: „Die finanziellen Zwänge der Stadt haben in den vergangenen Jahren zu einer eingeschränkten finanziellen Ausstattung der Museen geführt.“ Der Magistrat wird deshalb jetzt gebeten, zu ermitteln, „welche finanziellen Mittel für eine nachhaltige Stärkung der Museumslandschaft Frankfurt in den nächsten zehn Jahren aufgewendet werden müssen“. Auch soll die Stadtregierung eine „nachhaltige Unterstützung des Landes Hessen sicherstellen“. Die Museumspädagogik müsse gestärkt werden, es gelte, die Digitalisierung der Häuser auszubauen.

Heute müssen sich alle städtischen Museen in erheblichem Umfang auf private Sponsoren und Mäzene stützen, um überhaupt Ankäufe tätigen zu können. Nur so ist es möglich, dass die Sammlungen weiter wachsen. Es gab Hilferufe aus den Häusern. So hatte der Direktor des Museums Angewandte Kunst, Matthias Wagner K, 2018 im Interview mit der FR auf die Unterfinanzierung der Museen hingewiesen.

Die „Soforthilfe“ für das Archäologische Museum (Karmelitergasse 1) ist eine Wiedergutmachung dafür, dass die „dringend benötigte“ große Sanierung des Hauses und die Erneuerung der Dauerausstellung wegen städtischer Einsparungen verschoben worden waren. Der neue Direktor Wolfgang David hatte sich damit notgedrungen einverstanden erklärt. Das große Sanierungs-Projekt werde „voraussichtlich erst in einigen Jahren“ möglich sein, so hat es die Koalition jetzt beschlossen. Um David dennoch zu helfen, bekommt er die Viertelmillion Euro. Damit soll auch die neue „Kaiserpfalz Franconofurd“, der ehemalige Archäologische Garten unter dem Stadthaus am Dom, besser erschlossen werden.

Das Theaterfestival im Mousonturm soll nach dem Beschluss der Stadtverordneten vom Team des Künstlerhauses „federführend veranstaltet und kuratiert“ werden. Die Vertreter der freien Theaterszene, die in den Ausschuss gekommen waren, verlangten, beteiligt zu werden.

Mehr Geld für Frankfurter Museen - ein Überblick

Die Unterstützung der Stadt für das Offene Haus der Kulturen in Bockenheim wird von 40 000 Euro auf 100 000 Euro im Jahr erhöht.

Für die Ausstellungshalle Schulstraße 1 A in Sachsenhausen gibt es von der Kommune 10 000 Euro mehr, nämlich 45 000 Euro im Jahr.

Das Ensemble Modern

bekommt 11 000 Euro mehr im Jahr, das sind 354 000 Euro.

Die Junge Deutsche Philharmonie darf sich über 65 000 Euro freuen, vorher waren es 62 900. Die Deutsche Ensemble Akademie erhält 960 000 Euro statt bisher 928 000 Euro. jg

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