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Projektleiter Halldor Gudmundsson (rechts) mit Vertretern von Kulturinstituten.

Buchmesse

Munch mit Strindberg im Schwarzen Falken

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Vielversprechend ist das Kulturprogramm des Ehrengasts Norwegen.

Es ließe sich lange und gelehrt parlieren über die vielfältigen Verflechtungen von norwegischer und deutscher Kultur. Doch Halldor Gudmundsson erzählt lieber davon, dass der Maler Edvard Munch und der Dramatiker August Strindberg in Berlin gerne zusammen in der Kneipe „Schwarzer Falke“ einen trinken gingen.

Es ist genau diese unprätentiöse und uneitle Herangehensweise, die den Auftritt des Ehrengastes Norwegen bei der Frankfurter Buchmesse 2019 von Anfang an prägt. Der isländische Verleger und Schriftsteller Gudmundsson, ein herausragender Kenner nordischer Kultur, war auch schon Projektleiter beim Ehrengast Island 2011.

Und nun tritt er als Organisator für Norwegen auf, für den Besuch von mehr als 70 Autorinnen und Autoren, für eine umfassende Präsentation norwegischer Kultur in Frankfurt und darüber hinaus in ganz Deutschland.

Im Herbst, wenn vom 16. bis 20. Oktober wieder Hunderttausende zur Buchmesse strömen, lautet das norwegische Motto „Der Traum in uns“. Entlehnt ist es aus dem Gedicht von Olaf H. Hauge:

„Das ist der Traum, den

wir tragen,

dass etwas Wunderbares geschieht, geschehen muss –

dass die Zeit sich öffnet,

dass das Herz sich öffnet,

dass Türen sich öffnen,

dass der Berg sich öffnet ...“

Das politische Hintergrundrauschen dieses norwegischen Kultur-Panoramas ist das Erstarken des Rechtspopulismus in ganz Europa. Und Petter Olberg, der Botschafter der Republik Norwegen in Deutschland, stellt nicht umsonst heraus: „Wir stehen gemeinsam für die Freiheit des Wortes ein – gerade wenn viele Narrative unter Druck geraten.“

Aus Norwegen haben sich zur Frankfurter Buchmesse vom 16. bis 20. Oktober angesagt.

Etliche sind beim deutschen Lesepublikum bereits bekannt und renommiert – wie etwa Ketil Bjornstadt, Lars Saabye Christensen, Jon Fosse, Karin Fossum, Jostein Gaarder, Erik Fosnes Hansen, Jo Nesbo, Gunnar Staalesen und Herbjorg Wassmo.

Und das norwegische Kulturprogramm in Frankfurt setzt denn auch durchaus politische Akzente. Etwa mit der ersten großen Ausstellung der Textilkünstlerin Hannah Ryggen außerhalb ihrer Heimat: in der Kunsthalle Schirn vom 26. September 2019 bis zum 12. Januar 2020. Ryggen hatte mit den Motiven ihrer Teppiche das Grauen des Krieges und den Aufstieg des Faschismus in Europa angeprangert.

Esther Schlicht, Kuratorin der Schirn, spricht denn auch von der „unglaublichen Zeitgemäßheit“ der Arbeiten Rygges. „Viele ihrer Fragen sind heute wieder hochaktuell.“ Sehr mit der gesellschaftlichen Gegenwart setzt sich auch die norwegisch-nigerianische Künstlerin Frida Orupabo auseinander. Sie formt aus öffentlichen Medienbildern und privaten Fotografien ein Puzzle der Darstellungen von Gewalt, Sexualität und eigener Biografie. Zu sehen ist ihre erste Einzelausstellung in Deutschland vom 21. September bis 17. November im Portikus.

Matthias Pees, der Leiter des Künstlerhauses Mousonturm, ist gekommen, um das „Norsk Festival“ anzukündigen, das vom 15. bis 19. Oktober Konzerte, Lesungen, Performances versammelt – von der Rockband „Motorpsycho“ bis zum Jazz.

Schauspiel Frankfurt zeigt fünf Stücke zum einen des norwegischen Klassikers Henrik Ibsen wie auch der Gegenwartsautoren Jon Fosse und Fredrik Brattberg. Gastspiele aus Norwegen sind die Trilogie „Schlaflos – Olavs Träume – Abendmattigkeit“ von Jon Fosse am 23. und 24. Oktober im Schauspielhaus, aber auch „Nordische Heerfahrt“ von Ibsen am 16. und 17. Oktober in den Kammerspielen.

Das Museum Angewandte Kunst (MAK) wandelt sich vom 11. Oktober 2019 bis 26. Januar 2020 zum „House of Norway“. MAK-Direktor Matthias Wagner K spannt einen Bogen von noch nie gezeigten grafischen Arbeiten Edvard Munchs bis zu zeitgenössischem Design und Handwerk.

Das sind nur wenige Beispiele aus einem sehr vielfältigen Programm. Norwegen setzt die populäre Kronprinzessin Mette-Marit als kulturelle Botschafterin ein. Sie tourt mit einem „Literaturzug“ von Berlin über Köln nach Frankfurt; an Bord: Schülerinnen und Schüler und auf der letzten Etappe auch Autorinnen und Autoren des Ehrengast-Landes.

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