Müll sammeln in der „Grünen Lunge“.  
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Müll sammeln in der „Grünen Lunge“.  

Nordend

Müllberge in der „Grünen Lunge“ im Nordend

  • vonPaula Denker
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Helferinnen und Helfer räumen die Gärten auf. Die Gruppe Gemüseheldinnen möchte das Land als Permakultur bewirtschaften.

Sich der lärmenden Stadt entziehen. Keine Autos, keine Hektik, kein kalter Beton. Dafür Ruhe und wildwachsende Sträucher. Abtauchen in eine Art Parallelwelt, ohne Frankfurt verlassen zu müssen.

In der „Grünen Lunge“ nahe des Günthersburgparks entsteht ein Permakultur-Garten. Wo vor einem Jahr noch verwahrloste Schrebergärten das Landschaftsbild prägten, zieren es bereits heute viele kleine Beete.

Die Gruppe Gemüseheldinnen um die beiden Gründerinnen Juliane Ranck und Laura Setzer haben es binnen eines Jahres geschafft eine Gartenlandschaft aus dem Boden zu heben. Es gibt nur ein Problem: Noch immer sind viele ehemalige Schrebergärten des 16 Hektar großen Gebiets voller Müll. Von Perücken, über Wasserkocher liegt hier alles rum.

„Es gibt wirklich nichts was es nicht gibt“, sagt Setzer. Um das Gebiet von dem ganzen Unrat zu befreien, haben die Gemüseheldinnen für Donnerstag zu einer gemeinsamen Müllaktion aufgerufen. Neben vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt auch die Frankfurter Fußweg-Reinigung (FFR) die Aktion, eine Tochtergesellschaft der FES (Entsorgungs- und Service GmbH).

Pünktlich um viertel vor acht rollen die Transporter der Müllentsorgung vors Gelände. Trotz frischen drei Grad Außentemperatur und morgentlicher Dunkelheit sind alle hochmotiviert, die „Grüne Lunge“ vom Müll zu befreien. „Wir müssen auf jeden Fall mehrmals fahren, sagt FFR-Teamleiter Zafer Gülec. Er rechnet mit bis zu 30 Kubikmetern Abfall. Die ersten Entmüllungsaktionen haben die beiden Gemüseheldinnen noch alleine gestemmt. Deswegen freut es sie umso mehr, dass die zehn Männer der FFR tatkräftig mitanpacken.

Müll sammeln in der „Grünen Lunge“.  

Pädagogin Anna Zollner kommt sogar schon vor der Arbeit. Sie ist oft morgens hier - für sie ist das ein guter Start in den Tag. Als sie im Juli auf das Projekt Gemüseheldinnen stößt, war es Liebe auf den ersten Blick. Wie „ein kleines grünes Paradies, beschreibt sie die „Grüne Lunge“. Ihr gefällt, dass im Permakultur-Garten noch großer Wert auf die Biodiversität gelegt wird.

„Man versucht, natürliche Ökosysteme nachzuahmen und arbeitet mit dem was da ist“, sagt Juliane über ihr Projekt. Deswegen wird vieles von dem, was die Helferinnen und Helfer heute aus den verwahrlosten Gärten räumen, auch nicht weggeworfen, sondern repariert oder umfunktioniert. „Wir profitieren davon, dass die Gemüseheldinnen viele verschiedene Fähigkeiten haben“, sagt Juliane Ranck.

Bislang arbeitet das Paar noch ehrenamtlich an dem Projekt. Das beanspruche ihre gesamte Freizeit. „Es wäre toll, wenn die Gartenarbeit irgendwann mein einziger Vollzeitjob wäre“, sagt Setzer. In nächster Zeit könnten noch mehr Aufgaben auf die Gruppe zukommen. Geplant ist, überall in der Stadt sogenannte essbare Inseln entstehen zu lassen. Der Ernährungsrat Frankfurt hat dafür extra einen Arbeitskreis eingerichtet.

Priorität hat aber erstmal die „Grüne Lunge“. Heute konnten nur acht Gärten aufgeräumt werden. Eile ist geboten. Wenn im Frühling das erste Gemüse wachsen sollen, müssen jetzt die Beete angelegt werden.

Für Sonntag, 26. Januar, 13 Uhr, organisieren die Gemüseheldinnen eine Mitmachaktion: gemeinsam ein Hügelbeet anlegen. Treffpunkt ist der Parkplatz am Günthersburgpark neben dem Abenteuerspielplatz, Wetteraustraße 41.

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