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Das Verhältnis zwischen den Teilen: „Telling Stories“.
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Das Verhältnis zwischen den Teilen: „Telling Stories“.

Performances und Film

Online-Party mit Virginia Woolf

  • Meike Kolodziejczyk
    vonMeike Kolodziejczyk
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Der Mousonturm in Frankfurt zeigt im Januar vier Uraufführungen und eine Filmpremiere – alle digital.

Der Mousonturm gehört zu den Kulturstätten, die sehr geschwind und kreativ auf die Erfordernisse der Corona-Pandemie reagiert haben. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr wurde ein mit Zweierlogen ausgestatteter Rundbau in den Bühnensaal gezimmert, um wenigstens einem kleinen Publikum den analogen Genuss von Theater, Tanz und Performance zu ermöglichen. Damit ist seit November wieder Schluss. Wie gut, dass das Team des Turms seit Beginn der Malaise im März 2020 zudem stets daran gearbeitet hat, neue künstlerische Ideen und Projekte zu entwickeln, die sich in Onlineformaten realisieren lassen. Mit dem „Digitalen Mousonturm DMT“ wurde ein virtueller Raum geschaffen, um Performances, Konzerte und Gespräche zu präsentieren. Allein im Januar stehen vier Uraufführungen und eine Filmpremiere an.

Auftakt ist am Freitag mit der Choreographie „Telling Stories – A Version for Three“ von Fabrice Mazliah, die live aus dem Frankfurt LAB zur Uraufführung kommt. Drei Performer:innen, ein Raum, viele Objekte und sich überlagernde Erzählperspektiven stehen im Mittelpunkt des Stücks, in dem Detail und Ganzes kein klares Verhältnis zueinander zu haben scheinen, sondern vielmehr die Beziehungen zwischen den Teilen entscheidend sind, wie in einem Puzzle. „Telling Stories – A Version for Three“ ist eine Adaption des 2015 im Mousonturm uraufgeführten „Telling Stories“, ursprünglich konzipiert für sieben Darsteller:innen, das Fabrice Mazliah nun für drei Performer:innen (Katja Cheraneva, Susanne Grau, Tilman O’Donnell) und Kamera ausgearbeitet hat.

Angebot

Fabrice Mazliah: „Telling Stories – A Version for Three“, digitale Uraufführung der Mousonturm-Koproduktion mit der Tanzplattform Rhein-Main am Freitag, 8. Januar, 20 Uhr, im Livestream. Vom 9. bis 12. Januar, jeweils 20 Uhr, wird die Premiere wiederholt.

Hanna Steinmair: „RAGE. A Tennis Western“, digitale Uraufführung der Mousonturm-Koproduktion am Samstag, 17. Januar, 18 Uhr. Vom 18. bis 21. Januar, jeweils 20 Uhr, Replay des Premierenstreams.

Susanne Zaun und Marion Schneider: „Ich trinke mein Glas leer und träum, dass es schön wär‘. Ein Chor vermisst (sich) Dich“, digitale Uraufführung der dreistündigen Mousonturm-Koproduktion am Samstag, 23. Januar, 20 Uhr.

Swoosh Lieu: „A Room of Our Own – Vorstellung für Browser und variables Publikum“, Uraufführung am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr. Weitere Termine vom 23. bis 27. Januar, jeweils 20 Uhr.

Andpartnersincrime: „Das Theater – Nach dem Ende der Versammlung III“, Onlinefilmpremiere am Montag, 25. Januar, 20 Uhr. Der Film wird zudem gezeigt vom 26. bis 30. Januar, 20 Uhr.

Der Ticketverkauf ist jeweils ab etwa fünf Tagen vor der Premiere und bis eine Stunde vor Beginn des Streams möglich. Es gilt ein solidarisches Preissystem: Das Publikum kann wählen, ob es 5 , 10, 20 oder 30 Euro pro Karte zahlen möchte. myk www.mousonturm.de

Was das nächste Stück betrifft, beflügelt allein der Titel schon die Fantasie: „Rage. A Tennis Western“. Und er scheint nicht zu viel zu versprechen, das jedenfalls legt die Beschreibung der Performance von Hanna Steinmair nahe: „Zwei Tennisspielerinnen rasten aus auf dem Court. Gewinnen interessiert keine von beiden. Das Spielfeld liegt in Trümmern. Dünner Sand weht über das Feld.“ Die Performerinnen Joana Tischkau und Maria Sendlhofer wagen einen Balanceakt zwischen Rivalität und Solidarität, zwischen heldinnenhaftem Selbstmitleid und unkontrollierter Wut. Gleichzeitig geht es in dem fulminanten Spiel auf dem Tenniscourt auch um ganz aktuelle Fragen und Probleme.

„Ich trinke mein Glas leer …“ und spiele Flöte quer.

Für den Titel der Performance, die am 23. Januar im Livestream gezeigt wird, muss man etwas Luft holen: „Ich trinke mein Glas leer und träum’, dass es schön wär’. Ein Chor vermisst (sich) Dich“. Ausdauer ist auch für die Aufführung nötig, dauert diese doch etwa drei Stunden. Im (digitalen) Raum stehen sechs Performerinnen, zahllose Partyrequisiten und die Frage, wie viele Feste man eigentlich schon zusammen gefeiert hat. Was Susanne Zaun und Marion Schneider 2019 als szenisches Experiment mit dem Titel „Diesmal machen wir alle alles allein“ begannen, wurde durch die aktuellen Entwicklungen und die daraus resultierenden Vereinzelung und Distanzierung plötzlich brisant und real. Und es stellt sich eine weitere Frage: Können Bildschirmpartys das Bedürfnis nach Gemeinschaft wirklich einlösen?

„Eine Frau muss Geld und ein eigenes Zimmer haben, um schreiben zu können“, forderte Virginia Woolf 1929 in ihrem Essay „A Room of One’s Own“. Gut 90 Jahre später erscheine diese Allegorie auf finanzielle und räumliche Unabhängigkeit aktueller denn je, heißt es im Text zu dem Stück „A Room of Our Own – Vorstellung für Browser und variables Publikum“ des Performance- und Medienkunstkollektivs Swoosh Lieu. „Während wir in der Corona-Krise einen feministischen Backlash erleben, verschließen sich für Frauen immer wieder Türen, werden ihre Räume immer kleiner gemacht oder ganz weggenommen.“ In einer audiovisuellen Bearbeitung von Woolfs Thesen erkunden Swoosh Lieu, wie Räume beschaffen sein müssen, in denen sich Frauen emanzipieren können. Dies geschieht mit Hilfe der Kamera, die den leeren Theaterraum in Zeiten des Lockdowns erkundet.

2020 ist vorbei, doch es bleibt das Bild dieser Leere, nicht nur in Theatern, sondern auch in Konzertsälen, Kinos und selbst auf dem Römer. Was wäre, wenn Theater und Politik plötzlich an Orten stattfänden, wo zusammen gekocht, probiert, diskutiert und neue Gesellschaftsformen erprobt würden? Dem spürt der Film „Das Theater. Nach dem Ende der Versammlung III“ nach, der am 25. Januar Onlinepremiere feiert. Er ist Teil des Langzeitprojekts „Nach dem Ende der Versammlung“, in dem sich die Performancegruppe Andpartnersincrime mit neuen Formen der Versammlung auseinandersetzt.

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