Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jetzt bloß keinen Wutanfall kriegen: der Chor der Zaungäste in Souffliermuscheln.
+
Jetzt bloß keinen Wutanfall kriegen: der Chor der Zaungäste in Souffliermuscheln.

Theater

Mousonturm Frankfurt: Eine Hasstirade gegen Hasstiraden

  • Meike Kolodziejczyk
    VonMeike Kolodziejczyk
    schließen

Das Kollektiv Zaungäste befasst sich im Mousonturm Frankfurt mit Shitstorms gegen Frauen und Mädchen im Internet. Die Uraufführung ist an diesem Donnerstag.

Der Titel des Stücks ist eine Behauptung, „welche die Problematik gut zusammenfasst“, sagen die beiden Theatermacherinnen Marion Schneider und Susanne Zaun: „Im Internet gibt es keine Mädchen“.

Wer viel im Netz unterwegs sei, probiere dort andere Persönlichkeiten aus, nutze zum Beispiel Avatare – aber selten weibliche, selbst Frauen täten das nicht. Oder vielmehr: gerade sie nicht. „Weibliche Stimmen, die sich öffentlich äußern, haben es nicht nur schwer durchzudringen, sie bekommen oft auch den geballten Hass ab.“ Mit Shit-storms, Hasskommentaren und sexistischen Rhetoriken setzen sich das Duo und sein Ensemble unter dem Namen „Zaungäste“ schon länger auseinander. Nun bringen sie im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm „eine Hasstirade gegen die alltäglichen Hasstiraden“ auf die Bühne. Uraufführung ist am heutigen Donnerstag.

Zaun und Schneider sehen „eine Ambivalenz“ im Internet, bedingt von „patriarchalen Strukturen“, die darauf angelegt seien, Frauen zwar „in sexistischer Weise körperlich sichtbar zu machen, aber nicht hörbar“. Ein Problem, das freilich auch „andere marginalisierte Gruppen“ betreffe. Und das es unbedingt „zu verhandeln“ gelte, „ohne gleich einen Wutanfall zu kriegen“. Auch wenn frau manchmal einfach nur zurückschreien möchte.

Das Stück

„Im Internet gibt es keine Mädchen. Eine Tirade“ hat am Donnerstag, 25. November, 20 Uhr, Uraufführung im Mousonturm in Frankfurt, Waldschmidtstraße 4. Eine Einführung in das Stück gibt es ab 19.30 Uhr.

Weitere Aufführungen stehen am 26. und 27. November, 20 Uhr, auf dem Programm, sowie am 3. und 4. Dezember um 20 Uhr und am 5. Dezember um 18 Uhr. Jeweils eine halbe Stunde vorher beginnt die Einführung.

Karten kosten nach solidarischem Preissystem 5 bis 30 Euro.

Für den Einlass gilt die 2G-Regel. Auch am Sitzplatz ist Maske zu tragen. myk

www.mousonturm.de

Seit 2011 entwickeln Susanne Zaun und Marion Schneider, die sich während des Studiums der Angewandten Theaterwissenschaften in Gießen kennengelernt haben, gemeinsam Stücke und Projekte für die Bühne. Dabei arbeiten sie gerne mit Mitteln des chorischen Theaters, die mitwirkenden Darstellerinnen und Darsteller bilden den „Chor der Zaungäste“. So auch in der aktuellen Performance „Im Internet gibt es keine Mädchen“.

Da es im Stück darum gehe, etwas hörbar zu machen, was eigentlich unhörbar sein solle, „haben wir das verknüpft mit dem Bild der Souffleuse“, erläutert Schneider. Das Bühnenbild besteht daher aus fünf Souffliermuscheln, aus denen heraus fünf Schauspielerinnen vortragen und Fragen stellen, zum Beispiel in welcher Tonlage gesprochen werden muss, um sich Gehör zu verschaffen, oder wem welche Räume offenstehen, on- wie offline.

Gearbeitet wird mit verschiedenen Textquellen, etwa von Autorinnen, Internetaktivistinnen und Feministinnen. Außerdem haben Schneider und Zaun eine Souffleuse interviewt sowie eine Journalistin, die eine Kommentarplattform im Internet betreut und moderiert. Sie hätten vermeiden wollen, Hasskommentare und Beleidigungen auf der Bühne zu reproduzieren.

„Es ist wichtig, im Dialog zu bleiben und gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir mit diesem Thema umgehen wollen“, sagt Susanne Zaun. Das Publikum erwarte ein „chorischer Monolog, der die Idee der Hassrede und des Wutanfalls umkreist“. Und dabei weder anklagend noch moralinsauer daherkommt. „Unser Theater“, sagt Marion Schneider, „soll schließlich auch unterhaltsam und witzig sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare