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Ana Becker kann ihr Auto im Hof ihres Hauses in Seckbach an die Steckdose hängen.

E-Autos

Am Morgen  ist die Batterie wieder voll

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Ana Becker lädt ihr Auto nachts in der Garage auf und zur Not auch mal beim nächsten Discounter.

Mit einem Plug-in-Hybrid hat es angefangen. Inzwischen ist Ana Becker komplett auf Elektroantrieb umgestiegen. Und hat es nicht bereut. Die Frankfurterin ist begeistert: „Ich tue was für die Umwelt, der Wagen ist wendig, schnell, bringt sofort Leistung.“ Und das mit der Reichweite, sagt die 43 Jahre alte Dolmetscherin, sei nun wirklich kein Problem. Nachts lädt sie den Wagen an einer ganz normalen Steckdose in ihrer Garage in Seckbach auf. Würde sie ein Spezialkabel für rund 320 Euro kaufen, ginge es schneller. Aber das braucht sie bisher nicht.

Die Reichweite ihres BMW i3 beträgt rund 220 Kilometer, ohne Heizung und mit gedrosseltem Tempo 300 Kilometer. Das reicht in der Regel für die Dienstfahrten im Rhein-Main-Gebiet. Sollte es unterwegs dennoch eng werden, steuert sie meist einen Supermarkt an. „In Wiesbaden beim Aldi kann man kostenlos laden.“ Eine weitere gute Adresse sei Kaufland in Frankfurt. Nach einer halben Stunde ist die Batterie wieder voll: „Ich gehe in der Zeit einkaufen oder Kaffee trinken.“

Auch wenn auf den Straßen immer mehr Tesla & Co. zu sehen sind: Ana Becker ist nach wie vor eine Exotin. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren zum 1. Januar 2019 in Hessen 6618 Elektroautos gemeldet und 29 346 Hybridautos, darunter 5610 Plug-ins. Die Zahlen sind gestiegen, 2011 gab es lediglich 208 Elektrofahrzeuge in Hessen, - doch die meisten Käuferinnen und Käufer setzen weiter auf Benzin oder Diesel.

Mit diversen Förderprogrammen versucht die Politik in Berlin und Wiesbaden gegenzusteuern. Das Hessische Wirtschaftsministerium hat eine „Geschäftsstelle Elektromobilität“ bei der Hessen-Agentur geschaffen. Sie bietet Mitarbeitern der Kommunen Schulungen in Grundkenntnissen der Elektromobilität an, ist Informationsstelle für Busbetreiber. „Die Hessische Landesregierung will beim Einsatz von E-Fahrzeugen im Landesfuhrpark Vorbild sein“, sagt Ministeriumssprecherin Franziska Richter. Interessierte Dienststellen erhalten einen Zuschuss, der ihnen die Nutzung von E-Fahrzeugen ermöglicht. „Aktuell sind etwa 100 über dieses Programm geförderte E-Fahrzeuge im Bestand der hessischen Landesverwaltung für Dienstfahrten verfügbar.“ Den Saft erhielten sie aus Ladesäulen, die mit der halbe Million aus den Klimaschutzmitteln finanziert würden, sagt Richter. „Im Jahr 2018 gingen Anträge über insgesamt 200 Ladepunkte ein, von denen rund die Hälfte bereits errichtet werden konnte.“

Ladeinfrastruktur steht aber auch außerhalb von Landesliegenschaften zu Verfügung. Der Energieversorger Entega etwa hat mit Landesmitteln in Südhessen 109 Ladesäulen mit jeweils zwei Punkten aufgebaut. Es gibt Zuschüsse zum Aufbau von Ladeinfrastruktur auf Firmenparkplätzen und viele andere Programme, die die Lücken im Versorgungsnetz schließen sollen.

Eine Übersicht über die 1051 öffentlichen Ladesäulen bietet die Internetseite www.strom-bewegt.de. Ein kurzer Blick genügt, um zu sehen, dass der Schwerpunkt in der südlichen Hälfte des Landes liegt. Was auch damit zusammenhängen kann, dass auf dem Land mehr Menschen eine eigene Garage mit Steckdose besitzen.

„Für einen Großteil der privaten Nutzer werden Ladevorgänge künftig dort erfolgen, wo die Fahrzeuge am längsten stehen, nämlich am Eigenheim, Wohneigentum oder der Mietwohnung, sofern dies möglich ist“, heißt es in einer im September herausgegebenen Broschüre des Hessischen Wirtschaftsministeriums.

Von daher wäre der Aufbau einer Ladeinfrastruktur nach dem Beispiel der Tankstellen verfehlt. Er sollte „nicht nach dem Gießkannenprinzip“ erfolgen, sondern sich am Bedarf künftiger Nutzer orientieren. Nachts benötigt der Autofahrer keine Schnellladung. Wohl aber an der Autobahnraststätte.

Und da hakt es noch. Als Ana Becker ihren BMW aus dem Werk in München abholte, langte die Reichweite nicht bis Frankfurt. Sie fand zwar eine Ladestation. „Dafür brauchte ich aber eine spezielle Karte.“

Zum Glück habe es in der Nähe einen Aldi gegeben, sagt sie. Die Infrastruktur ist für sie allerdings weniger ein Problem als die Uneinheitlichkeit der Systeme: „Ich wünsche mir eine frei zugängliche Ladestation ohne Anmeldung, bei der man mit einer normalen Kreditkarte bezahlen kann.“

Die 43-Jährige genießt es, wenn sie ohne Halt an Tankstellen vorbeifahren kann. Räumt aber auch ein, dass das Elektroauto nicht immer die erste Wahl ist: „Für größere Strecken und den Urlaub haben wir ein anderes Auto.“

Und ihr Mann fährt nur noch mit dem Pedelec zur Arbeit nach Frankfurt. „Er hasst Staus.“

Mehr Informationen im Internet unter: www.strom-bewegt.de

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