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Tödlicher Unfall im Ostend Frankfurt: Raser wegen zweifachen Mordes angeklagt

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Von: Oliver Teutsch

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Zwei zerstörte PKW stehen nach dem Unfall im November 2020 im Frankfurter Ostend am Straßenrand und werden von der Polizei untersucht. Gegen den mutmaßlichen Unfallverursacher beginnt nun der Prozess. (Archiv)
Zwei zerstörte PKW stehen nach dem Unfall im November 2020 im Frankfurter Ostend am Straßenrand und werden von der Polizei untersucht. Gegen den mutmaßlichen Unfallverursacher beginnt nun der Prozess. (Archiv) © Silas Stein/dpa

In Frankfurt beginnt in Kürze ein Mordprozess gegen einen 39-Jährigen, der mit seinem Auto zwei Menschen getötet haben soll.

Frankfurt – Rund anderthalb Jahre nach einem tödlichen Unfall im Frankfurter Ostend muss sich ein Raser wegen Mordes verantworten. Das Landgericht Frankfurt ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft zu, wonach der 39-Jährige am 21. November 2020 den Tod eines 27-jährigen Fahrradkuriers und eines 61 Jahre alten Fußgängers an der stark frequentierten Unfallstelle „zumindest billigend in Kauf genommen“ habe. Prozessauftakt gegen den Mann, der bereits seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, soll laut Landgericht am 5. April sein.

Nach dem tödlichen Unfall war gegen den Fahrer zunächst wegen fahrlässiger Tötung ermittelt worden. Im Verlauf der Ermittlungen hatten sich jedoch Anhaltspunkte ergeben, dass der 38-Jährige den Unfall „nicht sorgfaltswidrig, sondern vorsätzlich verursacht hat“, ist die Staatsanwaltschaft Frankfurt überzeugt. So soll der 38-Jährige an seinem 625-PS-starken BMW X6 vor Fahrtantritt an jenem 21. November ein für die Stabilisierung des Fahrzeugs verantwortliches System (dynamische Stabilitätskontrolle) manuell ausgeschaltet haben.

Mordprozess in Frankfurt: Raser soll vor tödlichem Aufprall gedriftet sein

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft dem Beschuldigten weiter vor, er habe vor dem Unfall in der Oskar-von-Miller-Straße an zwei Ampeln stark beschleunigt und bei der Einfahrt in eine Kurve in der Oskar-von-Miller-Straße das Gaspedal nahezu vollständig durchgedrückt und eine Drift eingeleitet, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen und anderen durch sein riskantes Fahrverhalten zu imponieren. Da er das Stabilisierungssystem des Fahrzeugs ausgeschaltet hatte, brach das Heck des Wagens bei dem Fahrmanöver aus, wodurch das tonnenschwere Auto auf einen parallel zur Fahrbahn verlaufenden Fahrradstreifen schleuderte.

§ 211, Mord

(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.

(2) Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.

Die Staatsanwaltschaft geht nach einem Sachverständigengutachten davon aus, dass das Fahrzeug mit einem Tempo von 82 Kilometern pro Stunde den Kurierfahrer und die beiden Fußgänger erfasste. Neben den beiden tödlich Verletzten erfasste das Fahrzeug auch die 31-jährige Tochter des 61-Jährigen, die Knochenbrüche am ganzen Körper erlitt. Laut einem Gutachten war der damals 38-Jährige während der Fahrt weder alkoholisiert noch stand er unter Drogen. Der Mann ist im Straßenverkehr allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Gegen ihn sollen wegen auffälligen Verhaltens, Beleidigung und Trunkenheit schon mehrere Geldstrafen verhängt worden sein.

Todlicher Unfall im Frankfurter Ostend: Raser muss sich für zweifachen Mord verantworten

Verurteilungen gegen Raser wegen Mordes sind ungewöhnlich und vor Gericht schwer zu beweisen. Dem Fahrer muss zumindest ein bedingter Vorsatz beim Töten eines Menschen nachgewiesen werden. Nach einem Autorennen auf dem Berliner Kurfürstendamm im Februar 2016 hatte das Landgericht Berlin zwei Männer wegen Mordes verurteilt, weil sie mehrere Ampeln bei Rot überfahren hatten und ein 69-jähriger Autofahrer bei einem Zusammenstoß umgekommen war. Zumindest gegen den Hauptangeklagten, dessen Fahrzeug mit dem des 69-Jährigen kollidiert war, bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil im Juni 2020. Die jetzt auch von der Staatsanwaltschaft Frankfurt angenommene Tötung mit gemeingefährlichen Mitteln sei beim Landgericht Berlin zwar rechtsfehlerhaft gewesen, allerdings hatten die Berliner Richter bei der Tat auf dem Ku’damm auch auf Heimtücke und niedrige Beweggründe erkannt, was der BGH nicht beanstandete.

Dem Raser im Ostend wirft die Staatsanwaltschaft zweifachen Mord, gefährliche Körperverletzung und verbotene Kraftfahrzeugrennen zur Last. Die 21. Strafkammer hielt diese Anklage für plausibel und ließ sie ohne Einschränkung zu. In den zunächst anberaumten zehn Prozesstagen werden sich eine Reihe von Tatzeug:innen an den Vorfall erinnern müssen. Auch ein technischer Sachverständiger ist geladen, um die Raserei des 39-Jährigen zu bewerten. (Oliver Teutsch)

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