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Ermittler sichern am Morgen nach der Tat Spuren im Niddapark.

Mord im Nidda-Park

Mordfall Irina A.: Lebenslang für Gastronom Jan M.

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Das Landgericht Frankfurt sieht keinen Zweifel daran, dass der 52-Jährige seine Geschäftspartnerin Irina A. 2018 im Niddapark ermordet hat.

Die Urteilsbegründung ist wie eine Abrechnung. Am Ende des mehr als sieben Monate währenden spektakulären Indizienprozesses um den Mord im Niddapark ließ der Vorsitzende Richter keinen Zweifel daran, dass die Kammer den 52-jährigen Jan M. für einen Mörder hält. Der Angeklagte habe „in erheblichem Maße selbst zu seiner Überführung beigetragen“, so Volker Kaiser-Klan und wenig später: „Der Angeklagte ist das wichtigste Beweismittel gegen sich selbst.“

Irina A. wurde am Abend des 8. Mai 2018 auf einer Hundewiese im Niddapark mit 21 Messerstichen grausam getötet. Ihr Geschäftspartner Jan M. geriet bald in Verdacht, bestritt die Tat aber. Zunächst, so Kaiser-Klan, bei der Polizei „mit redseligen und sprudelnden Erzählungen“.

Als er wegen seiner umfangreichen Blutspuren am Tatort in Untersuchungshaft geriet, schwieg er dort 15 Monate lang bis zum Prozessbeginn und ließ nur noch seine Verteidigung sprechen. Er selbst schwieg 30 Verhandlungstage lang. Die immer wieder angepassten Einlassungen des Angeklagten seien aber „analog zur Aktenlage gestrickt“ gewesen, so Kaiser-Klan. Was da im Laufe der gut sieben Monate geäußert wurde, bezeichnete der Vorsitzende Richter in der mehr als zweistündigen Urteilsverkündung am Montag nacheinander als „durchschaubar“, „abenteuerlich“, „völlig unverständlich“ oder „im Bereich des Abwegigen“.

Betrügertyp mit Fassade

Insbesondere die Aussagen des Angeklagten zum Tatabend führte Kaiser-Klan dezidiert ad absurdum. M. hatte erklären lassen, er sei in der Nacht zu Hause aufgewacht und habe sich Sorgen um Irina A. gemacht, weil die sich nicht gemeldet hätte. Anstatt sie anzurufen, will er sich auf sein Motorrad gesetzt und sie in verschiedenen Lokalitäten in der Stadt gesucht haben, zuletzt eben im dunklen Niddapark, wo er sie im 60 Zentimeter hohen Gras habe liegen sehen und an ihr gerüttelt habe, um zu sehen, ob sie schlafe.

Bei der Polizei angezeigt habe er seinen Fund nicht, da er Angst gehabt habe, mit dem Mord in Verbindung gebracht zu werden. „Das ist einer der wenigen Sätze, die ich dem Angeklagten glauben kann“, so Kaiser-Klan. Der Angeklagte selbst schüttelte während der Ausführungen immer wieder den Kopf und spielte mit seiner Brille.

Die Kammer ließ es aber nicht dabei, M. als Mörder zu verurteilen. Kaiser-Klan ging in der Urteilsbegründung weiter. „Der Angeklagte ist so etwas wie ein Betrügertyp.“ Während der Beweisaufnahme habe sich „ein Muster der Abzocke“ ergeben. Jugendfreunden und Geschäftspartner habe er Geschichten vorgegaukelt, um an Geld zu gelangen. Er habe damit „sein Leben in Fülle weiter genießen“ und seine „Fassade als großzügiger Liebhaber“ aufrecht erhalten wollen.

Kaiser-Klan ging auch auf den sogenannten Sex-Mob ein. Denn M.s „Fähigkeit, Geschichten zu erfinden und aufrecht zu erhalten“, sei ein weiteres Indiz für die Unglaubwürdigkeit des Angeklagten. Der Gastronom hatte die Lüge verbreitet, in seiner Bar First In auf der Freßgass´ hätten Horden von Ausländern weibliche Gäste sexuell belästigt. Die Tatsache, dass M. mit dieser Geschichte sogar noch im Fernsehen aufgetreten sei, zeuge von Geltungssucht. Auch die Tatsache, dass M. eine Krebserkrankung vortäuschte, um von Geschäftsfreunden 200 000 Euro zu bekommen oder dass der Angeklagte sich in dubiosen Chats als ausländerfeindlicher AfD-Sympathisant geoutet hatte, ließ Kaiser-Klan in seiner Abrechnung mit dem Geschäftsmann nicht unerwähnt.

Die Tat im Niddapark sei letztlich erklärbar „als Verzweiflungsakt“ in der Angst um Imageverlust. Kaiser-Klan wandte sich indirekt auch an diejenigen, die den in der Szene beliebten Jan M. bis zuletzt für unschuldig hielten. „Nicht jede schreckliche Tat ist von außen erklärbar.“ Für eine Schwurgerichtskammer sei es aber nicht neu, dass ein Saubermann irgendwann zum Mörder werde. Weil M. aber bislang ohne Vorstrafen war, sah die Kammer in der Tat keine besondere Schwere der Schuld.

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