Mord im Niddapark

Das Manifest des Jan M.

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Der Angeklagte im Prozess um Mord im Niddapark nimmt in 15 Punkten zu den Vorwürfen Stellung.

Im Gerichtssaal ist Jan M. der große Schweiger. Seit fast vier Monaten muss sich der Frankfurter Gastronom vor dem Landgericht wegen des Mordes an seiner Geschäftspartnerin Irina A. verantworten. Gesagt hat er in dieser Zeit nur eine Handvoll Worte. Reden lässt er meist seinen Rechtsanwalt Hans Euler. So auch an diesem Freitag.

Über seinen Rechtsanwalt ließ der 50-Jährige eine „ergänzende Einlassung“ in 15 Punkten verlesen. Darin nimmt die Verteidigung Stellung zu Aussagen in der Hauptverhandlung, die sich belastend für den Angeklagten auswirken. Den Mordvorwurf bestreitet er dabei durchaus offensiv. So enthalte schon die Anklage die falsche Unterstellung, M. habe zum Tatzeitpunkt noch Schulden bei dem späteren Opfer gehabt. Darauf aufgebaut werde die Hypothese, er habe A. vorgespiegelt, eine dritte Person würde als Geldgeber fungieren und mache den ungewöhnlichen Treffpunkt im Niddapark notwendig. Die Unterstellung entspringe „der verrückten Fantasie der Staatsanwaltschaft“, so Rechtsanwalt Euler. Die einzige Person, die von einem Treffen an jenem 8. Mai gewusst haben wolle, sei jene Stanislava T., die sich aber in der Hauptverhandlung und polizeilichen Vernehmungen in Widersprüche und Lügen verstrickt habe.

In der Erklärung rückt M. aber nicht nur die Hauptbelastungszeugin in ein schlechtes Licht, sondern auch das Opfer. So könne er sich vorstellen, „dass Irina tatsächlich irgendeine Geschichte erfunden hat“, der ihre Freundin T. „auf den Leim gegangen ist“. Irina habe „häufig die Unwahrheit gesagt“. Im April 2018 habe Irina von ihm auch eine Schusswaffe haben wollen, weil sie in Schwierigkeiten stecke. Er habe das abgelehnt.

Die Unterstellung des Motivs Habgier, führte Euler für seinen Mandanten weiter aus, „verstehe ich bis heute nicht“. Sie umzubringen, weil er ihr angeblich noch Geld schulde, hätte ihn doch nur verdächtig gemacht.

Lediglich im letzten Punkt der zehnseitigen Einlassung stellt der Angeklagte sein eigenes Handeln in dem Mordfall infrage. In seiner Einlassung zu Beginn des Prozesses hatte M. erklären lassen, er habe sich in der Tatnacht Sorgen um Irina gemacht, diese dann im Niddapark gesucht und tot aufgefunden, dies aber für sich behalten. Dafür „trage ich allein die Verantwortung und muss mir gefallen lassen, dass ich gefragt werde, wie ich es geschafft habe, jede Kommunikationssituation so zu überstehen, dass ich nicht aufgefallen bin“. Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, M. sei am Morgen nach der Tat ganz normal gewesen. Der Prozess wird am 13. Januar fortgesetzt.

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