Mord im Niddapark
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Mord im Niddapark.

Mord im Niddapark

Mord im Niddapark in Frankfurt: Freispruch für Jan M. gefordert

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Laut Verteidigung fehlt dem Gastronomen ein Motiv, auch der Zeitablauf entlaste ihn.

  • Verteidigung fordert Freispruch für Jan M.
  • Belastungszeugin wurde diskreditiert
  • Urteil in Sachen Niddapark-Mord am Montag

Im Prozess um den Mord im Niddapark hat die Verteidigung einen Freispruch für den Gastronomen Jan M. gefordert. Verteidiger Hans Euler stellte an den Beginn seines Plädoyers den gesunden Menschenverstand. Jeder durchschnittlich gebildete Bürger wisse, dass Vermögensansprüche eines Verstorbenen nicht verschwinden, sondern auf die Erben übergehen. „Man kann also bestehende Schulden nicht dadurch tilgen, dass man den Gläubiger tötet“, sagte Euler, der damit auf einen fehlendes Motiv seines Mandanten hinweisen wollte.

Jan M. soll Irina A. im Niddapark ermordet haben

Jan M. wird vorgeworfen, seine Geschäftspartnerin Irina A. am Abend des 8. Mai 2018 im Niddapark mit 21 Messerstichen bestialisch ermordet zu haben. Verteidiger Euler listete am Mittwoch 16 Punkte auf, die die Unschuld des heute 52-Jährigen beweisen sollen. Neben einem fehlenden Motiv habe M. auch gar keine Zeit gehabt, die Tat auszuführen. Die Verteidigung präsentierte in einem Zeitstrahl, wie M.s Abend des 8. Mai aus ihrer Sicht abgelaufen sein müsse. Als Todeszeitpunkt geht die Staatsanwaltschaft von nach 21.30 Uhr aus. Zu dieser Zeit ist die Ankunft des Autos von Irina A. auf dem Parkplatz der Gaststätte Niddapark im Navigationsgerät dokumentiert. Jan M. sei laut Zeugenaussagen noch bis 21.35 Uhr und dann wieder ab 22.20 Uhr in der eigenen Wohnung in der Brentanostraße im Westend gewesen. Für die grausame Tat im gut zehn Fahrminuten entfernten Niddapark sei also kaum Zeit gewesen.

Die Argumentation der Verteidigung stützt sich auf die Angaben von M.s Lebensgefährtin und der Handwerker, die in der Wohnung in jenen Tagen im Mai renovierten. Gegen die Lebensgefährtin ermittelt die Polizei allerdings wegen Falschaussage. Den Angaben der Handwerker hatte die Staatsanwaltschaft keine Bedeutung beigemessen, da sie sich in einer Befragung Tage nach der Tat bei der Angabe des Tages geirrt haben könnten und außerdem gar nicht darauf genau geachtet haben müssen, zu welcher Uhrzeit M. ging und kam. Den Umstand, die Angaben der Handwerker nicht berücksichtigt zu haben, wertete Euler in seinem Plädoyer als „Form der Manipulation“ seitens der Staatsanwaltschaft. Es war nicht der einzige Seitenhieb auf die Ankläger. Euler kritisierte auch, die polizeilichen Ermittlungen seien nicht ausreichend gewesen. Spuren, die M. hätten entlasten können, sei nicht nachgegangen worden.

Urteil zu Jan M. demnächst

Wie schon während des gut sechsmonatigen Prozesses verwendete die Verteidigung auch im Plädoyer viel Zeit darauf, die Belastungszeugin Stanislava T. zu diskreditieren. Die Staatsanwaltschaft hatte deren Aussage, M. habe sich am Tatabend mit Irina getroffen, im Kerngeschehen als glaubhaft bezeichnet. Dem widersprach die Verteidigung.

So war in der Aussage der Zeugin von einer vermeintlichen dritten Person die Rede, die bei dem ominösen Treffen im Niddapark dabei gewesen sein sollte. T. habe sich bei den Gründen für die Anwesenheit der dritten Person in ihren Aussagen bei der Polizei und in der Hauptverhandlung aber mehrfach widersprochen. Die Verteidigung bemängelte zudem die Zeitangaben, die T. zu dem Geschehen am Tatabend gemacht hatte. Die Haltung der Staatsanwaltschaft, die Zeitangaben der Zeugin seien stimmig, wertete Euler als „geradezu grotesk“.

Für die Verteidigung war die Tat auch „unter kriminellen Gesichtspunkten „nicht durchdacht“, da sie zu jener Zeit in einem öffentlichen Park jederzeit hätte beobachtet werden können. Inwieweit dieser Aspekt aber den Angeklagten entlasten soll, blieb offen.

Traditionell gehört in einem Strafprozess dem Angeklagten das letzte Wort. Davon machte M., der fast die gesamten sechs Monate über geschwiegen hatte, Gebrauch. „Ich möchte noch einmal betonen, dass ich mit dem Tod von Irina nichts zu tun habe und sie nicht ermordet habe“, sagte der 52-Jährige.

Das Urteil soll am Montag nächster Woche verkündet werden.

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