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„Monsieur Romanfabrik“ ist tot

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Von: Stefan Behr

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Michael Hohmann im Alter von 68 Jahren gestorben

Der langjährige Leiter der Romanfabrik, Michael Hohmann, ist tot. Wie seine Familie mitteilt, ist der 68-Jährige am Sonntag gestorben.

Hohmann hatte Philosophie und Romanistik in Mainz, Montpellier, Paris und Mannheim studiert. Er promovierte über Alexandre Dumas, war Literaturdozent an der Mainzer Universität und trat nach einer Schauspielerausbildung im Frankfurter Kellertheater auf. Seit 1992 war er Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der 1985 gegründeten Romanfabrik, Frankfurts dienstältestem Literaturhaus, das 1999 von der Uhlandstraße auf das Uniongelände in der Hanauer Landstraße zog.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die Hohmann noch Anfang dieses Monats für sein Schaffen mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet und en passant den Ehrentitel „Monsieur Romanfabrik“ verliehen hatte, betrauert den „großen Verlust für die Buch- und Literaturstadt Frankfurt“ und würdigt zugleich Hohmanns Verdienste. „Michael Hohmann war eine prägende Figur des literarischen Lebens in Frankfurt und hat dieses über Jahrzehnte entscheidend befruchtet. Unter seiner Leitung wurde die Romanfabrik zu einem professionellen Literaturtreff, der Lesungen eine große Bühne bot und auch Konzerte mit Chansons, Jazz und Klassik in das Konzept mit aufnahm. Er hat von Beginn an auf ein internationales Programm gesetzt und holte nicht nur große Namen der Weltliteratur nach Frankfurt, sondern versammelte unter anderen in seiner Reihe ‚Philosophisches Café‘ wichtige Intellektuelle der Gegenwart, die sich der Aufklärung verpflichtet fühlen.“

Hohmann wirkte aber auch über die Stadtgrenzen hinaus. 1993 etwa initiierte er eine Büchersammlung für den Wiederaufbau der National- und Universitätsbibliothek von Sarajevo. Seit 2007 gab Hohmann den Kulturbrief „Text – Ton – Thema“ heraus.

Unvergessen wird er in Frankfurt aber vor allem als Leiter der Romanfabrik bleiben. „Er hat dem Haus ein unverwechselbares Gesicht gegeben“, hieß es in der Verleihungsurkunde der Ehrenplakette. skb

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