FR Altenhilfe

„Momentan haben wir einen Aufnahmestopp“

  • Kathrin Rosendorff
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Der Vorstandsvorsitende der FR Altenhilfe Hans-Dieter Kleine spricht über die Zunahme an Altersarmut. Gleichzeitig fürchtet er, dass im Corona-Jahr die Spendenbereitschaft nachlassen könnte.

Welche Auswirkungen hat das Corona-Jahr auf die Altenhilfe: Gibt es mehr Armut, Herr Klein?

Dass die Altersarmut seit Jahren zunimmt und leider auch nach meiner Einschätzung weiter zunehmen wird, ist von der Corona-Pandemie unabhängig. Viele Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor und werden im Rentenalter Grundsicherung beantragen müssen. In diesem Jahr haben wir rund 200 Anträge bearbeitet und bewilligt. Momentan haben wir einen Aufnahmestopp. 200 Menschen stehen gerade auf der Warteliste.

Wie war es zuvor geregelt?

Bislang haben wir, wenn jemand uns vorlegen konnte, dass sie oder er 65 Jahre alt ist und nur Grundsicherung bekommt, die Menschen sofort aufgenommen. Den Nachweis, dass sie Grundsicherung erhalten, müssen sie uns dann jedes Jahr neu schicken, damit das Geld auch wirklich nur an Bedürftige geht. Gerade empfangen 1100 Einzelpersonen und 91 Ehepaare Hilfe von uns. Die Einzelpersonen bekommen an Ostern und an Weihnachten jeweils 350 Euro, Ehepaare jeweils 500 Euro. Vor Ostern wird leider keine Neuanmeldung bei der FR-Altenhilfe möglich sein.

Haben Sie Angst, dass die Leute weniger spenden in diesem Krisenjahr?

Ja. In den letzten Jahren haben wir sehr viele Spenden bekommen, die lagen zwischen 1 und 1,1 Millionen Euro im Jahr. Die meisten Spenden gehen bei uns zwischen Ende Oktober und Weihnachten ein. Also immer dann, wenn über die sehr berührenden Einzelschicksale in der Frankfurter Rundschau berichtet wird. Die Menschen leiden nicht nur, weil sie arm sind, sondern die Einsamkeit ist auch ein großes Thema. In diesem Jahr weiß ich wirklich nicht, wie groß die Spendenbereitschaft sein wird. Es sind sehr viele Menschen in Kurzarbeit. Deswegen nehmen wir momentan eben keine neuen Leute mehr auf. Wir unterstützen nicht nur Einzelschicksale, sondern auch noch viele Projekte.

Welche sind das in diesem Jahr?

Einige. Den Bewohnerinnen und Bewohnern der AWO-Pflegeheime haben wir beispielsweise im Sommer Tablets spendiert, damit sie in Corona-Zeiten mit ihren Angehörigen übers Tablet sprechen können. Wir haben ihnen auch Fernseher und CD-Player geschenkt, damit sie Musik hören oder auch die Angehörigen ihnen mal etwas aufnehmen können. All das soll ihnen vor allem gegen die Einsamkeit helfen. Auch unterstützen wir die Malteser-Einkaufsengel, die für ältere Leute in Corona-Zeiten Lebensmittel direkt an die Wohnungstür bringen. Aber auch „Die Theatermacher“, wo ältere Menschen zusammen Theater spielen.

Der Schiffsausflug auf dem Main und die Weihnachtsfeier im Nordwestzentrum fallen in diesem Jahr coronabedingt aus. Sind die Leute sehr traurig?

Klar finden das einige schade. Aber das sind große Veranstaltungen. Ein Schiffsausflug mit 230 Personen und die Weihnachtsfeier mit 220 Menschen oder auch das beliebte Konzert der FR-Allstars mit 450 Menschen in der Katharinenkirche sind einfach in Pandemiezeiten nicht möglich. Das Geld, das wir durch den Ausfall der Veranstaltungen eingespart haben, können wir zumindest für andere Sachen verwenden.

90 Prozent der Spenden kamen bislang von Privatleuten, ist das immer noch so?

Ja, und diese Tatsache hat mich schon immer demütig gemacht. Auch bei Erbschaften wurden wir schon bedacht. Dafür sind wir sehr dankbar. Manchmal bekommen wir auch Geld, wenn jemand vor Gericht eine Strafe zahlen muss und dies für einen gemeinnützigen Zweck verwendet werden soll. Dann werden wir auch mal vom Richter bedacht. Aber der Hauptanteil kommt von den freiwilligen Spenden.

Was ist Ihr Appell an die Leserinnen und Leser?

An der Altersarmut hat sich auch in Corona-Zeiten nichts geändert. Wir freuen uns über jeden Euro, der gespendet wird.

Interview: Kathrin Rosendorff

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