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Momem in Frankfurt eröffnet: Rave auf der Hauptwache

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Von: Florian Leclerc

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Wie einst beim „Sound of Frankfurt“: Riesen-Rave in der City.
Wie einst beim „Sound of Frankfurt“: Riesen-Rave in der City. © Rolf Oeser

Das weltweit erste Museum of Modern Electronic Music (Momem) hat in Frankfurt mit einer großen Party auf der Hauptwache eröffnet.

Frankfurt – Wie viele Menschen da um 19 Uhr auf der Hauptwache stehen, wissen die Polizisten auch nicht so genau. Ein paar Tausend seien es bestimmt, es kämen sicher noch weitere hinzu, wenn Sven Väth auflegt, wohl aber nicht 12.000, wie es im Radio hieß. Etwa 5000 werden es im Laufe des Abends sein.

Die Hauptwache in Frankfurt ist am Mittwochabend so voll wie lange nicht mehr. Doch Menschen stehen nicht nur, sie wippen, schlenkern, hüpfen, nicken, nippen an ihren Getränken, lächeln, lachen. Kurz nach dem vorläufigen Ende der Corona-Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum bricht aufgestaute Energie aus den Teilnehmenden heraus.

Momem-Direktor Alex Azary mit Teilen der Plattensammlung von DJ Sven Väth.
Momem-Direktor Alex Azary mit Teilen der Plattensammlung von DJ Sven Väth. © dpa

Der Anlass ist die Eröffnung des Museum of Modern Electronic Music in Frankfurt, des Momem, weltweit erstes Museum seiner Art. In Frankfurt hat sich seit den 1980er Jahren eine Clubkultur entwickelt, die in die ganze Welt exportiert wurde. Im Omen, Dorian Gray, XS, U60311 und Cocoon wurde getanzt, diese Clubs prägten die Clubszene der 1980, 1990er und 2000er Jahre. DJs wie Andreas Tomalla alias Talla 2xlc und Sven Väth standen für den „Sound of Frankfurt“. „Sound of Frankfurt“ hieß auch ein Musikfestival auf der Zeil, das es zwischen 1994 und 2004 gab, häufiger als den Tunnelrave, den legendären Rave im Theatertunnel.

Sven Väth im Momem in Frankfurt: Erste Ausstellung ist ihm gewidmet

Sven Väth ist die erste Ausstellung im Momem gewidmet, kuratiert von Torben Giese vom Stadtpalais Stuttgart, gestaltet vom Frankfurter Künstler Tobias Rehberger.

Das Museum

Das Momem (Museum of Modern Electronic Music) in der Zwischenebene der Frankfurter Hauptwache ist von Freitag, 8. April an, für das Publikum geöffnet. Am 7. April feiert dort eine geschlossene Gesellschaft.

Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag, 15 bis 22 Uhr, auch an Feiertagen. Der Eintritt kostet 12 Euro beziehungsweise 8 Euro ermäßigt. Die Eröffnungsausstellung zu Sven Väth trägt den Titel „It’s simple to tell what saved us from hell.“ fle

Die Ausstellung zeigt Teile der riesigen Plattensammlung von Sven Väth, der in 40 Jahren etwa 25.000 Schallplatten sammelte. Zu sehen sind Fotografien von Andreas Gursky aus Sven Väths privater Sammlung – Andreas Gursky und Tobias Rehberger sind langjährige Wegbegleiter von Väth.

Momem in Frankfurt: Ab in die musikalische Welt – mit Kopfhörern vor Ort

Mit zahlreichen Kopfhörern, die von der Decke hängen, können Besucherinnen und Besucher in Väths musikalische Welten eintauchen. In einem von Tobias Rehberger gestalteten Fotoraum werden Teile aus Väths fotografischem Archiv ausgestellt - von Schnappschüssen über Familienbilder zu Partyfotos. In einer Vitrine sind Väths Plattenspieler und ein Mischpult aufgebaut. Ein elektronischer Roboterhund bewegt sich per Fernsteuerung durch den Raum.

Während an der Hauptwache die Menschen zur Musik tanzen, versammeln sich die geladenen Gäste zur Eröffnungsfeier in der Frankfurter Paulskirche. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Schirmherr des Momem, ist auch da, trägt die goldene Kette um den Hals, verzichtet aber auf eine Rede zum Anlass, die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hält. Sie würdigt den elektronischen Musikstil als „Teil der kulturellen und städtischen Identität Frankfurts“.

Sieben Jahre Vorbereitung für das Momem in Frankfurt: Wegen Ukraine-Krieg hätten die Veranstaltenden beinahe keine Lust gehabt

Alex Azary, Direktor des Momem, blickt auf sieben Jahre Vorbereitung zurück, durchsetzt von Finanzfragen, einem Regierungswechsel in Frankfurt und der Pandemie, welche die Eröffnung wieder und wieder verzögerten. Angesichts des Kriegs in der Ukraine hätten die Verantwortlichen beinahe keine Lust gehabt, die Feier auf der Hauptwache zu veranstalten. Es sei aber genau der Lebensstil der Clubkultur - „freedom of thought, freedom of expression“ (Freiheit der Gedanken, Freiheit des Ausdrucks) -, der „rückwärtsgewandte Autokraten am meisten bedroht“.

Dann unzen auch schon die Bässe durch die altehrwürdige Paulskirche, zwei Tänzer und eine Tänzerin von Paula Rosolens Performance „16 Bit“ treten auf, und tanzen über Bühne und Redepult - ein kleiner Ausschnitt aus der Performance, die im Mai im Mousonturm zu sehen sein wird. Dann zieht die Paulskirchenversammlung zum Rave an der Hauptwache, wo bis in den späten Abend hinein Tausende feiern. (Florian Leclerc)

Dass die Eröffnung des Momen in Frankfurt mit einer Ausstellung von Sven Väth beginnt, ist bereits seit langem bekannt.

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