Justizia ist wachsam.
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Frankfurt

Schweden soll rechtsextremen Mörder ausliefern

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft will den rechtsextremen Terroristen „Lasermann“ vor Gericht stellen. Damit steht der Mord an einer Frankfurter Jüdin nach 24 Jahren anscheinend vor der Aufklärung.

Von Andreas Förster , Danijel Majic

Der Fall der vor mehr als 24 Jahren ermordeten Frankfurter Garderobenfrau Blanka Zmigrod scheint nun kurz vor der Aufklärung zu stehen. Laut einem Bericht der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ hat die deutsche Justiz in Stockholm einen Auslieferungsantrag für den bereits wegen mehrerer rassistischer Mordanschläge zu lebenslanger Haft verurteilten John Ausonius gestellt, um ihn in Frankfurt am Main vor Gericht zu stellen. Der Antrag sei mit einem dringenden Tatverdacht begründet worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf dessen Anwalt.

Welche neuen Anhaltspunkte den nunmehr dringenden Tatverdacht gegen den als „Lasermann“ bekannten rechtsextremen Terroristen vorliegen, ist unklar. Das Bundesjustizministerium erklärte auf Anfrage der Frankfurter Rundschau, sich nicht zu konkreten Einzelfällen äußern zu dürfen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte hingegen, dass die Auslieferung eines 63 Jahre alten Beschuldigten beantragt wurde.

Die 68-Jährige Blanka Zmigrod war in der Nacht auf den 23. Februar 1992 auf ihrem Heimweg von der Arbeit mit einem Kopfschuss getötet worden. Der bis heute unbekannte Täter stahl dem Opfer die Handtasche und floh mit einem Fahrrad. Wie sich später herausstellte, hatte Zmigrod wenige Tage vor dem Mord eine Auseinandersetzung mit Ausonius, der sich damals in der Mainmetropole aufhielt. Der Schwede hatte ihr vorgeworfen, in der Garderobe des Restaurants Mövenpick ein elektronisches Notizbuch der Marke Casio aus seinem Mantel gestohlen zu haben. Auf diesem Casio-Rechner waren unter anderem Daten von Ausonius’ Auslandskonten gespeichert. Seinerzeit befand sich Ausonius auf der Flucht vor den schwedischen Behörden.

Der 1953 geborene Ausonius sitzt derzeit im Gefängnis. Er hatte zwischen August 1991 und Januar 1992 in Stockholm und Uppsala aus Fremdenhass auf elf Migranten geschossen. Dabei tötete er einen Iraner und verletzte mehrere andere Personen zum Teil lebensgefährlich. Weil Ausonius auf einige seiner Opfer aus sicherer Deckung heraus mit einem Gewehr gefeuert hatte, das über eine Laserzieleinrichtung verfügte, nannte ihn die schwedische Presse „Lasermannen“, den Lasermann.

Gleiche Munition wie bei anderen Mordanschlägen

Im Zusammenhang mit den NSU-Ermittlungen legte die Bundesanwaltschaft 2012 einen Prüfvorgang zu Ausonius an, weil es scheinbare Parallelen in den Tatabläufen zu den Verbrechen der deutschen Terrorzelle gab. Der Verdacht, dass es eine Verbindung zwischen dem schwedischen Lasermann und dem NSU geben könnte, bestätigte sich aber nicht. Auch Kontakte von Ausonius zu Neonazis aus Schweden oder Deutschland konnten nicht festgestellt werden.

Im Zuge dieser Ermittlungen aber lebte 2014 bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft das Verfahren um den ungeklärten Mordfall Zmigrod wieder auf. Die Frankfurter Polizei war bereits kurz nach der Tat dem Verdacht nachgegangen, Ausonius habe die Garderobiere niedergeschossen und ihr die Handtasche entwendet, weil er darin den Casio-Rechner vermutete. Während des Streits mit Zmigrod soll er gedroht haben „noch einmal wiederzukommen“. Als Motiv wurde auch Antisemitismus in Erwägung gezogen. Blanka Zmigrod war Jüdin.

Dem Anwalt von Ausonius zufolge sollen es die deutschen Staatsanwälte als belastend werten, dass die beim Zmigrod-Mord verwendete Munition von der gleichen Art gewesen sein soll wie die, die der Verdächtige bei seinen Mordanschlägen gegen Migranten verwandt hatte.

Sowohl in einer bereits 1993 von den deutschen Ermittlern veranlassten Vernehmung sowie bei einer erneuten Befragung im August vergangenen Jahres räumte Ausonius zwar den Streit mit der Garderobenfrau ein, bestritt aber vehement, etwas mit ihrer Ermordung zu tun gehabt zu haben.

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