Frankfurt

Mordfall Zmigrod: Tatverdächtiger vernommen

Fast ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit die Frankfurter Jüdin Blanka Zmigrod auf dem Nachhauseweg im Westend erschossen worden war. Nun wird in Schweden ein Tatverdächtiger vernommen, der bereits wegen mehrerer rassistischer Mordanschläge verurteilt ist. Die Tat in Frankfurt jedoch bestreitet er.

Von Andreas Förster

Dreiundzwanzig Jahre nach dem mysteriösen Mord an einer 68-jährigen Jüdin im Westend ist jetzt ein Tatverdächtiger in Schweden vernommen worden. Wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte, befragten deutsche Ermittler Ende August den bereits wegen mehrerer rassistischer Mordanschläge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten John Ausonius im Gefängnis Österaker. Ausonius soll sich in dieser Vernehmung zwar zur Sache geäußert, die Tat selbst aber bestritten haben.

In der Nacht auf den 23. Februar 1992 war die Garderobenfrau Blanka Zmigrod auf ihrem Heimweg von der Arbeit mit einem Kopfschuss getötet worden. Der bis heute unbekannte Täter hatte dem Opfer die Handtasche gestohlen und war mit einem Fahrrad geflohen. Wie sich später herausstellte, hatte Zmigrod wenige Tage vor dem Mord eine Auseinandersetzung mit Ausonius, der sich damals in Frankfurt aufhielt. Der Schwede hatte ihr vorgeworfen, in der Garderobe des Restaurants Mövenpick ein elektronisches Notizbuch der Marke Casio aus seinem Mantel gestohlen zu haben. Bei der Auseinandersetzung habe Ausonius damit gedroht, noch einmal wiederzukommen und die Frau erneut zur Rede zu stellen.

Allerdings erschien er nicht mehr im Restaurant. Die Frankfurter Polizei ging daher schon kurz nach der Tat dem Verdacht nach, Ausonius habe die Garderobiere niedergeschossen und ihr die Handtasche entwendet, weil er darin den Casio-Rechner vermutete. In einer bereits 1993 von den deutschen Ermittlern veranlassten Vernehmung durch die schwedische Polizei räumte Ausonius zwar den Streit mit der Garderobenfrau ein, bestritt aber vehement, etwas mit ihrer Ermordung zu tun gehabt zu haben. Die Staatsanwaltschaft stellte daraufhin das Ermittlungsverfahren zum Tod von Blanka Zmigrod vorerst ein.

Parallelen zu den NSU-Verbrechen

Im Februar 2014 aber lebte das Verfahren wieder auf. Grund dafür ist, dass die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe im Zuge ihrer NSU-Ermittlungen einen sogenannten Prüfvorgang zu Ausonius anlegte. Der Schwede hatte zwischen August 1991 und Januar 1992 in Stockholm und Uppsala aus Fremdenhass auf elf Migranten geschossen und dabei einen getötet, die anderen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Weil Ausonius auf einige seiner Opfer mit einem Gewehr gefeuert hatte, das über eine Laser-Zieleinrichtung verfügte, nannte ihn die schwedische Presse „Lasermannen“, den Lasermann. Weil es Parallelen in den Tatabläufen zu den NSU-Verbrechen gab, ging die Bundesanwaltschaft dem Verdacht nach, dass es eine Verbindung zwischen dem schwedischen Lasermann und dem NSU geben könnte. Dafür gibt es allerdings bislang keine Indizien.

Ausonius bestätigt auch in der jüngsten Befragung nach wie vor, dass er eine Auseinandersetzung mit dem späteren Opfer gehabt habe. Er habe auch damit gedroht, noch einmal wiederzukommen, dies aber unterlassen. Schließlich habe er sich damals bereits auf der Flucht vor der schwedischen Polizei befunden.

Damit dürften die Ermittlungsmöglichkeiten in dem ungelösten Mordfall weitgehend ausgeschöpft sein.

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