Justizia ist wachsam.
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Mordfall Zmigrod

Mord an Jüdin: Schwede wird ausgeliefert

Vor 24 Jahren tötete ein Unbekannter im Frankfurter Westend die Jüdin Blanka Zmigrod. Der mutmaßliche Täter, ein Rechtsextremist aus Schweden, wird jetzt ausgeliefert.

Von Andreas Förster

Der als Lasermann bekannte schwedische Gewalttäter John Ausonius wird nach Deutschland ausgeliefert. Das beschloss am Donnerstag ein Stockholmer Gericht und gab damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt statt. Der 1953 geborene Ausonius steht im Verdacht, vor 24 Jahren einen Mord in Frankfurt begangen zu haben.

In der Nacht auf den 23. Februar 1992 war die 68-jährige Garderobenfrau Blanka Zmigrod auf ihrem Heimweg von der Arbeit im Frankfurter Westend mit einem Kopfschuss getötet worden. Der bis heute unbekannte Täter stahl außerdem ihre Handtasche. Wie sich später herausstellte, hatte Zmigrod wenige Tage vor dem Mord eine Auseinandersetzung mit Ausonius, der sich damals in der Mainmetropole aufhielt. Der Schwede hatte ihr vorgeworfen, in der Garderobe des Restaurants Mövenpick ein elektronisches Notizbuch der Marke Casio aus seinem Mantel gestohlen zu haben. Auf diesem Casio-Rechner waren unter anderem Daten von Ausonius’ Auslandskonten gespeichert.

Ausonius befand sich damals auf der Flucht, weil ihm die schwedische Polizei wegen mehrerer rassistischer Mordanschläge und Banküberfälle auf der Spur war. Zwischen August 1991 und Januar 1992 hatte er in Stockholm und Uppsala aus Fremdenhass auf elf Migranten geschossen. Dabei wurde ein Iraner getötet und mehrere andere Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Weil Ausonius bei einigen seiner Anschläge ein Gewehr mit einer Laserzieleinrichtung verwendet hatte, nannte ihn die schwedische Presse „Lasermannen“, den Lasermann. 1993 fassten ihn die Behörden schließlich. Seit damals sitzt Ausonius in einem schwedischen Gefängnis eine lebenslange Haft ab.

Im Zusammenhang mit den NSU-Ermittlungen hatte die Bundesanwaltschaft – allerdings ergebnislos – eine mögliche Verbindung zwischen dem Lasermann und der deutschen Terrorzelle geprüft. Im Zuge dessen nahm auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft noch einmal Ermittlungen im unaufgeklärten Mordfall Zmigrod auf. Diese Ermittlungen sollen den Tatverdacht gegen Ausonius so weit erhärtet haben, dass man vor wenigen Monaten seine Auslieferung beantragte, um ihn in Deutschland anklagen zu können. In der gestrigen Verhandlung über diesen Antrag vor dem Gericht in Södertörn in Stockholm war der in Haft sitzende Ausonius per Video zugeschaltet worden. Erneut bestritt er, die Tat in Frankfurt begangen zu haben.

Dennoch stimmte er überraschend einer Auslieferung nach Deutschland zu, allerdings unter der Bedingung, dass er bei einer möglichen Verurteilung seine Strafe in Schweden absitzen dürfe. Der schwedische Staatsanwalt ist zuversichtlich, dass dies mit den deutschen Behörden vereinbart werden kann.

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