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Der Bereich für das beim RP Darmstadt beantragte Bodenbereitstellungslager ist farblich hervorgehoben. Im Süden ist der Stadtrand von Walldorf zu sehen. 

Bodenstaub

Mörfelden-Walldorf gegen Lagerung kontaminierter Erde

Bodenaushub von Terminal-3-Bau ist kontaminiert. Stadt fordert Umweltprüfung und Details zu geplantem Fraport-Zwischenlager.

Etwa einen Kilometer vom Ortsrand Mörfelden-Wall-dorfs im Kreis Groß-Gerau entfernt plant Flughafenbetreiber Fraport ein Zwischenlager für kontaminierten Bodenaushub vom Bau des Terminal 3. Das will die Kommune nicht einfach so hinnehmen. Sie befürchtet, dass chemische Substanzen freigesetzt werden und die Anwohner vom Abtransport der 600 000 Kubikmeter Erde und durch die dafür veranschlagten 40 000 Lastwagenfahrten beeinträchtigt werden könnten.

„Grundsätzlich widerspricht ein solches Lager dem Planfeststellungsbeschluss von 2007, der für das Areal ausdrücklich eine Nutzung als Luftfrachtfläche vorsieht“, teilte Bürgermeister Thomas Winkler (Grüne) am Dienstag mit. In einer Stellungnahme an das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt fordert die Kommune unter anderem eine Umweltverträglichkeitsprüfung unter Beteiligung der Öffentlichkeit. „Allein die Dimension der beiden Halden auf sechs Hektar Fläche mit 24 Metern Höhe ist so groß, dass die Öffentlichkeit darüber informiert werden sollte“, sagte Winkler.

Der Bereich für das beim RP Darmstadt beantragte Bodenbereitstellungslager ist farblich hervorgehoben. Im Süden ist der Stadtrand von Walldorf zu sehen. 

Außerdem solle Fraport weitere Details nennen, denn insgesamt seien noch zu viele Fragen offen. So gehe aus den Unterlagen des Flughafenbetreibers nicht deutlich hervor, was genau für wie lange gelagert werden solle. „Gesprochen wird von einem Zeitraum von mindestens fünf bis zehn Jahren“, sagte Winkler. Darüber hinaus werde in Aussicht gestellt, dass auch eine Aufbereitung des Bodens am Standort möglich sei. Auch wenn Gutachten theoretisch weder eine erhöhte Lärm- noch eine erhöhte Schadstoffbelastung darlegten, sei es aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Siedlungsgrenze aus Vorsorgegründen unerlässlich, die Berechnungen zu verifizieren. Die Stadt fordert deshalb auch eine messtechnische Überprüfung der Lärm- und Schadstoffbelastung für den Zeitraum des Deponiebetriebs.

Besonders ärgerlich findet der Bürgermeister, dass auf der Fläche, auf der nun Bauschutt gelagert werden soll, früher Bannwald stand, der 2007 im Eilverfahren gerodet wurde. Ursprünglich war geplant, dort Luftfrachtverkehrsflächen anzulegen. „Das zeigt, dass ziemlich überzogene Planungen gemacht wurden“, kritisierte Winkler. Es stelle sich auch die Frage, warum Fraport erst jetzt festgestellt habe, dass der Boden des einstigen US-Airbase-Geländes mit polyfluorierten Chemikalien belastetet sei.

Das RP teilte am Dienstag auf FR-Anfrage mit, die eigentliche Anhörung der betroffenen Kommunen werde erst stattfinden, nachdem es den Antrag samt vollständiger Unterlagen öffentlich bekanntgemacht habe. Danach hätten die Kommunen die Möglichkeit, Einwände gegen das Vorhaben zu erheben. Seite F1

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