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Weiße Rosen in Mölln vor dem „Bahide-Arslan-Haus“.

Rassismus

Möllner Rede im Exil in Frankfurt: Die Geschichten der Opfer

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Das Programm zur „Möllner Rede im Exil“, die diesmal in Frankfurt stattfindet, hat begonnen.

Frankfurt ist in diesem Jahr Gastgeber der „Möllner Rede im Exil“. Die Rede erinnert an den rassistischen Brandbombenanschlag auf das Haus der Familie Arslan am 23. November 1992 in Mölln. Dabei kamen die 14-jährige Ayse Yilmaz, die 10-jährige Yeliz Arslan und die 51-jährige Bahide Arslan ums Leben. Weitere Familienmitglieder wurden schwer verletzt.

In den ersten vier Jahren nach dem Anschlag war die „Möllner Rede“ Teil der Erinnerungskultur der Stadt Mölln. Seitdem die Familie die Rednerinnen und Redner nicht mehr selbst aussuchen darf, findet die Rede im Exil statt. Am 17. November sprechen nun die Schauspielerin Idil Baydar, die selbst rassistische Morddrohungen erhalten hat, und Mitglieder der Familie Arslan im Historischen Museum Frankfurt.

Aufräumen mit Vorurteilen

Organisiert wird die Veranstaltung vom Vorbereitungskreis „Möllner Rede im Exil“, dem Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992 und der Familie selbst. Begleitet wird die „Möllner Rede im Exil“ von einem Rahmenprogramm.

Den Auftakt für das Rahmenprogramm machte am Mittwochabend eine Lesung in der Bildungsstätte Anne Frank. Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah stellten den Sammelband „Eure Heimat ist unser Albtraum“ vor. 14 Autorinnen und Autoren arbeiten sich darin an der Mehrheitsgesellschaft ab. Unter dem Schlagwort „Arbeit“ räumte Fatma Aydemir mit dem Vorurteil auf, Ausländer seien faul. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor dem Verlust der Aufenthaltsgenehmigung lasse Ausländer besonders hart arbeiten, sagte sie. Ihr Traum sei es, „den Deutschen die Arbeit wegzunehmen“, sagte Aydemir, was das Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal mit Humor aufnahm. Positiv ausgedrückt: Menschen mit nichtweißer Haut, also „people of colour“ (poc), sollten „endlich das bekommen, was ihnen zusteht“, so Aydemir, die als Redakteurin bei der „taz“ arbeitet. Über den Einwand der Journalistin Canan Topçu, diese Haltung verschärfe den Wir-Ihr-Konflikt, ging Aydemir allerdings hinweg. „Danke für das Statement“, sagte sie lediglich.

Spaltung der Gesellschaft 

Hengameh Yaghoobifarah, die sich weder als Frau noch als Mann definiert, sprach von schrägen Blicken, die sie von „Annikas“ oder „Almans“ ernte sowie der Benachteiligung bei der Wohnungssuche aufgrund ihres Namens. Die Spaltung der Gesellschaft werde nicht durch wütende Beiträge von Migrant*innen verursacht, sondern durch „rassistische Morde“.

Frankfurt: Möllner Rede im Exil unter Polizeischutz

Damit unterstützte sie die „Möllner Rede im Exil“, die auf rassistischen und rechte Strukturen in der Gesellschaft aufmerksam macht. Aktuelle Beispiele sind die Morddrohungen des „NSU 2.0“ gegen die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, in die das 1. Polizeirevier in Frankfurt verstrickt ist, der Anschlag auf einen dunkelhäutigen Mann in Wächtersbach sowie der Mord am Regierungspräsidenten Walter Lübcke in Kassel. Bei aktuellen Beiträgen über „30 Jahre Mauerfall“ fehle oft der Hinweis auf die rechte Gewalt nach der Wende wie in Mölln, Rostock-Lichtenhagen oder Solingen, gab Aydemir zu bedenken. Erst wenn Betroffene ihre Geschichten erzählten und Menschen zuhörten, lasse sich die Gesellschaft verändern, so die Veranstalter.

Das Programm

Am 24. Oktober diskutiertJanine Wissler, Fraktionschefin der Linken im Hessischen Landtag, mit der Initiative 6. April und NSU Watch Hessen bei Medico International, Lindleystraße 15, Frankfurt, 19 Uhr. Titel der Veranstaltung: „Kontinuität rechten Terrors in Hessen sichtbar machen - Aufklärung erkämpfen“.
Am 30. Oktober,19 Uhr, zeigt der Hafen 2 den Film „Nach dem Brand“ über den Anschlag in Mölln im Jahr 1992, Nordring 129, Offenbach.
Am 6. Novemberpräsentiert Regisseur Mirza Odabasi seinen Film „93/13 - 20 Jahre nach Solingen“ im Hafen 2, Nordring 129, 19 Uhr.
Am 30. November,15-18 Uhr, findet eine Diskussion über „Wie weiter? Perspektiven für Rhein-Main“ statt, im Hausprojekt Nika, Niddastraße 57, Frankfurt.
Am 17. Novemberhalten Idil Baydar und Angehörige der Familie Arslan die Möllner Rede im Exil, Historisches Museum Frankfurt, Saalhof 1, 14 Uhr. (fle)

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