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Mögliche Ukraine-Flüchtlinge in Frankfurt: Auf alle Szenarien vorbereitet

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Von: Timur Tinç

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Die Stadt Frankfurt steht an der Seite der Ukraine und bereitet sich auf mögliche Kriegsflüchtlinge aus dem Land vor.
Die Stadt Frankfurt steht an der Seite der Ukraine und bereitet sich auf mögliche Kriegsflüchtlinge aus dem Land vor. © ROLF OESER

Frankfurt stellt sich auf Geflüchtete aus der Ukraine ein. Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) ist optimistisch, dass die Stadt gut vorbereitet ist.

Die Stadt Frankfurt hat ihren eigenen Krisenstab versammelt, um sich auf mögliche Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine vorzubereiten. „Das Wichtigste ist, dass wir vor der Lage bleiben“, sagt Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne). Die Dynamik sei noch nicht einzuschätzen. Sie sei zutiefst erschüttert, dass „wir wieder einen Krieg in Europa erleben müssen“. Die Bundesregierung geht zunächst davon aus, dass die Menschen zunächst in die umliegenden Nachbarländer fliehen. Allerdings erwartet Voitl, dass auch einige den Weg nach Frankfurt finden werden.

„Wir entwickeln seit Wochen verschiedene flexible Szenarien“, sagt die Stadträtin. So werden bestehende Unterkünfte für Geflüchtete seit einiger Zeit wieder enger belegt. Auch die Gespräche zur Anmietung weiterer Hotels wurden vor einigen Wochen bereits aufgenommen. Der nächste Schritt wäre eine Unterbringung in Hallen. Sollte eine humanitäre Katastrophe eintreten, müssten provisorische Unterkünfte mit Hilfe der Rettungsdienste eingerichtet werden.

„Wir haben das Unterbringungssystem so gestaltet, dass wir es für wohnungslose und geflüchtete Menschen schnell an aktuelle Bedarfe anpassen können“, sagt Voitl. Zu dem Krisenstab gehören neben dem Magistrat das Jugend- und Sozialamt, die Stabsstelle für Unterbringungsmanagement und Geflüchtete, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, das Ordnungsamt, das Gesundheitsamt, das Schulamt, Rettungsdienste und die Träger der freien Wohlfahrtspflege. „Die müssen bereitstehen und die Szenarien kennen“, sagt Voitl.

In Frankfurt leben derzeit 3365 wohnungslose Geflüchtete in Unterkünften. Hinzu kommen noch mal rund 600 Geflüchtete, die in zwischengenutztem Wohnraum eine Bleibe haben. Darunter sind auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine am Donnerstag ist noch kein Flüchtling in Frankfurt angekommen.

Diverse Community

In Frankfurt lebten laut dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (Amka) im Jahr 2020 genau 2320 Menschen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft. Die Goethe-Universität zählt 287 Studierende aus dem osteuropäischen Land, die Frankfurt University of Applied Science 67 Studierende.

Die Zahl der Ukrainerinnen und Ukrainer in Frankfurt hat sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. Dabei gab es 2020 bundesweit rund 37 000 Schutzsuchende aus der Ukraine. Die meisten davon waren 55 Jahre oder älter. Damit lag das Land auf Rang elf laut dem Statistischen Bundesamt. 92 Prozent der Ukrainer:innen bekamen Asyl.

„Die ukrainische Community in Frankfurt ist sehr divers“, sagt Armin von Ungern-Sternberg, Leiter des Amka. Viele der Spätaussiedler:innen aus den 90er Jahren tauchen in den Statistiken gar nicht auf, weil sie eingebürgert wurden. Die meisten seien aus beruflichen Gründen oder zum Studium nach Deutschland gekommen. Es gibt eine orthodoxe ukrainische Kirche, eine katholische ukrainische Kirche und eine griechisch-ukrainisch-katholische Kirche in Frankfurt. Letztere gibt es erst seit 2016, den Ukrainischen Verein Frankfurt am Main seit 2006.

Zu dem Verein hat die Stadt auch Kontakt aufgenommen. „Wir haben eine große ukrainische Community“, sagt Voitl. Sie geht davon aus, dass deren Mitglieder auch Verwandte oder Freunde aufnehmen werden, sollten diese aus der Ukraine fliehen. Elke Voitl setzt auch auf die Solidarität der Bevölkerung. „Wir haben in Frankfurt sehr gute Erfahrung mit bürgerschaftlichem Engagement zu dem Thema“, sagt die Stadträtin. Eine Frau habe sich bereits gemeldet und ihre Hilfe als Übersetzerin angeboten. Wichtige Zeichen in schweren Zeiten.

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