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Leonid Sladkevich (li.) und Matthias Gruner sind zusammen Leonid und Matthias.
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Leonid Sladkevich (li.) und Matthias Gruner sind zusammen Leonid und Matthias.

Frankfurter Designer

Modische Hommage an Frankfurt

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Das Sachsenhäuser Label Leonid Matthias hat eine Kollektion pünktlich zur Fashion Week in Frankfurt rausgebracht

Ein roter Lippenstift, der höher als der Commerzbank-Tower ist, ragt aus der grauen Frankfurter Skyline hervor. „Wenn Frauen die Welt regierten, wäre das einfach besser“, sagt Designer Leonid Sladkevich. Der Lippenstift als Wolkenkratzer ist ein Aufdruck auf dem T-Shirt der neuen Kollektion des Frankfurter Modelabels Leonid Matthias. Pünktlich zur Frankfurt Fashion Week ist diese im Sachsenhäuser Laden und im Onlineshop zu kaufen. Das T-Shirt aus 100 Prozent Baumwolle, Oeko-Tex-Standard, und kostet 48 Euro.

„Wir machen keine Fast Fashion. Unsere Mode ist nachhaltig, und weil wir die besten Stoffe verwenden, hält unsere Kleidung viele Jahre“, betont Sladkevich, der an diesem Tag ein poppig gestreiftes Sakko zur Baseballkappe trägt, beides aus den eigenen Kollektionen natürlich.

Die neue Kollektion heißt „Based in Frankfurt“ und besteht aus elf Männer- und elf Frauen-outfits, die eine Mischung aus Couture und Streetwear sind. Der Name sei nicht nur eine Hommage an Frankfurt. „Es ist auch eine Reise in unsere Firmengeschichte“, erklärt Matthias Gruner, der zweite Teil von Leonid Matthias. Er trägt ein Hemd, das das gleiche florale Muster hat wie seine Stoffmaske.

Der gebürtige Dresdner wollte eigentlich Segelmacher werden, aber als er merkte, dass es in der Branche sehr schwer ist, Fuß zu fassen, entschied er sich für eine Ausbildung zum Damenmaßschneider. An seinem Hals hängt eine Maskenkette aus der eigenen Kollektion. Im ersten Lockdown waren die poppigen Stoffmasken wie die mit dem Lippenstift-Kussmund oder „Fuck Corona“ sehr beliebt.

2008 haben Gruner und Sladkevich ihr Label gegründet. Anfangs war ihr Geschäft in der Wallstraße. Dort ist immer noch ihr Atelier und Büro. Aber seit elf Jahren verkaufen sie ihre Mode im Laden an der Ecke Schul-/Walter-Kolb-Straße. „Diese elf Jahre wollten wir mit unserer Kollektion feiern“, sagt Sladkevich, deswegen seien es elf Teile.

Hinter ihm und Gruner ist in den schwarzen Regalen eine Auswahl an Stoffen ordentlich eingeordnet. „Wir haben jetzt auch eine größere Knopf- und Stoffauswahl im Laden“, sagt Gruner. Der Rest des Ladens ist gerade noch etwas unsortiert. Denn sie bauen um. Fast sechs Monate waren sie pandemiebedingt geschlossen. „Es ist Zeit, unseren Laden wie unser Label auf ein neues Level zu heben“, betont Gruner.

Die neue Kollektion ist fast durchgängig schwarz. „Aber unsere Kundinnen und Kunden können in den Laden kommen und sich einen beliebigen Stoff und eine andere Farbe ohne Aufpreis auswählen“, sagt Sladkevich. Sie seien sehr gerührt gewesen, dass schon Kund:innen vorbeischauten und erleichtert feststellten: „Wie schön, dass es euch noch gibt.“ Das gäbe ihnen den Mut, trotz Pandemie weiterzumachen. Sie nähen alles selbst, eine Schneiderin haben sie zudem fest angestellt. Und sie machen nicht nur Kleidung, sondern eben auch Handtaschen, Kopfbedeckungen und Accessoires: Ein Bestseller sind ihre Fischketten; diese sind aus den Plastikfischen, aus denen sonst Sojasoße auf Sushi geträufelt wird. Bei Leonid Matthias gibt es sie, wiederverwertet mit Schmuckperlen am Bändchen baumelnd.

Das Sweatshirt ist aus der neuen Kollektion „Based in Frankfurt“

Überhaupt sind sie bekannt geworden für ihren außergewöhnlichen Stil: „Wir haben jetzt neu eine Weste aus einem Hologrammstoff gemacht“, sagt Leonid, der auch ein paar Sachen von Hand gestickt hat. Die neue Kollektion sei auch ein Spiel mit Designs aus der Vergangenheit. So wie der gestickte Roboter auf dem Sweatshirt. „Den gab es schon mal, aber jetzt hat er andere Farben und neue Beine. Diesmal sind es Legostein-Beine für die Männer und Lippenstift-Beine für die Frauen“, erzählt Sladkevich. Er betont: „Wir machen alles außer Basics.“

Und weil sie sich mit Frankfurt so stark verwurzelt fühlen, wollten sie auch das Internationale der Stadt in der neuen Kollektion einbauen: So gibt es Origami-Röcke und Kleider in japanischer Falttechnik gelegt, aber auch Spielereien mit russischen Folkloredetails wie Rüschen. „Nur eben moderner“, so Sladkevich. Geboren und aufgewachsen ist er in Russland, seine Eltern hätten früh sein Talent fürs Nähen und das Kreative erkannt. „Als ich vier Jahre alt war, bekam ich einen Teddy geschenkt, der trug eine Weste. Als die kaputtging, habe ich aus Resten, die ich fand, eine neue genäht. Ich habe mir das Nähen selbst beigebracht.“

Mit 18 Jahren kommt er nach Deutschland, er spricht damals kaum Deutsch. Bevor er an die Schule für Mode und Kleidung geht, lernt er erst mal an der Volkshochschule in Frankfurt das Nähen an der Nähmaschine. „Ich hatte das große Glück, dass ich eine großartige Lehrerin hatte. Sie arbeitete als junge Frau als Assistentin bei Dior“, sagt er. Sie habe ihm auch gesagt, er müsse sich eine Nähmaschine kaufen, die ihn nie im Stich lässt. „Ich hatte kaum Geld und kaufte dann eine zehn Jahre alte Nähmaschine, die damals noch 400 DM kostete. Ich habe mir das Geld von Verwandten zusammengekratzt.“

Nach seiner Maßschneiderausbildung studiert er Design an der staatlichen Modeschule in Stuttgart. Eigentlich hat er keine Pläne, nach Frankfurt zurückzukehren. Aber als er seine Eltern in Frankfurt besucht, lernt er durch einen Zufall Gruner kennen. Nach einer Woche Probenähen merken sie: Zusammen können sie was bewegen. „Leonid ist unglaublich kreativ. Er hat eine direkte Anbindung ans Universum“, sagt Gruner und lacht. Sie würden sich perfekt ergänzen, denn Gruners Stärken seien: „Ressourcen einzuteilen, Zahlen und Handwerk.“

Leonid Matthias, Walter-Kolb-Straße 7, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 18 Uhr. Außerdem gibt es einen Onlineshop: https://leonidmatthias.com

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