Anna Gangler (li.) und Charlotte Köhler in ihrem Laden in der Rohrbachstraße in Frankfurt.
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Anna Gangler (li.) und Charlotte Köhler in ihrem Laden in der Rohrbachstraße in Frankfurt.

Modestadt Frankfurt

Modestadt Frankfurt: Vom Nähtisch direkt an die Stange

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Beim Mode-Label Charlotte am Main aus Frankfurt wird alles selbst genäht. Die Kundinnen wissen das zu schätzen und sind bereit ein wenig mehr auszugeben.

Im kleinen Hinterzimmer in dem Laden an der Rohrbachstraße entstehen sie: die Kreationen des Labels Charlotte am Main. Stoffbahnen stapeln sich neben Schnittmustern, die Nähmaschine wartet auf Arbeit. Was dort entworfen und genäht wird, wandert direkt ins Schaufenster und an die Kleiderstangen. Pullover, Kleider, T-Shirts und Blusen in gedeckten Farben, minimalistische Muster und zwischendrin mal eine knallige Farbe.

Chéria Essieke von der Agentur Cream Model Management in Charlotte am Main.

Seit Ende Mai 2019 verkaufen Charlotte Köhler und Anna Gangler in dem Laden am Günthersburgpark im Nordend – und sind sehr glücklich über den Standort. Lange hatten sie nach einem guten Platz gesucht. Vorher arbeitete Köhler in ihrem eigenen Atelier in der Gwinnerstraße in Seckbach. Doch dort gab es weder ein Schaufenster noch Laufkundschaft. Zudem bot sie ihre Kollektion direkt bei den Kundinnen zu Hause an – ähnlich wie bei einer Tupperparty. Vor knapp zwei Jahren ist Gangler eingestiegen. Die 41-jährige Juristin kümmert sich um die betriebswirtschaftliche Seite.

Chéria Essieke von der Agentur Cream Model Management in Charlotte am Main.

Köhler näht alle ihre Stücke selbst. Filme inspirieren sie zu ihren Kollektionen, und Material und Strukturen faszinieren sie. Da die Nachfrage mittlerweile so hoch ist, sind sie auf der Suche nach einer Schneiderei in der Region. Schlicht, klassisch und gradlinig würden die beiden Inhaberinnen den Stil von Charlotte am Main beschreiben. Seit Jahren ist etwa das Hosenmodell Claude das meistverkaufte Stück. Auch auf Nachhaltigkeit versuchen sie zu achten so gut es geht, in dem sie etwa Überproduktionen von Stoff kaufen. Und ihre Kleidung soll schon gar nicht Fast Fashion sein, sondern zeitlos und lange halten. Darum gibt es auch nur zwei Kollektionen im Jahr. Wenn eine Größe nicht auf Lager ist oder ausverkauft, produziert Köhler nach. „Nähen kann ich einige Modelle mittlerweile im Schlaf.“ Mit Zuschnitt braucht die 39-Jährige für eine Hose rund drei Stunden.

2005 gründete Köhler Charlotte am Main. Eigentlich war das Schneidern gar nicht ihr Plan, sagt Köhler, die an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach visuelle Kommunikation studiert hatte. „Aber irgendwie bin ich da so reingerutscht.“ Und brachte sich das Handwerk selbst bei. Ihren ersten Laden hatte sie von 2009 bis 2011 an der Wallstraße im Sachsenhäuser Brückenviertel. Und hat sich dort eine Stammkundschaft aufgebaut.

Modeserie

Vom 6. bis 8. Juli 2021 soll die erste Frankfurt Fashion Week stattfinden. Ab 2022 ist geplant, sie sogar zweimal im Jahr auszurichten. Auch die Berlin Fashion Week wird weiterhin saisonal organisiert. Aber kann Frankfurt überhaupt Mode? In unserer neuen Serie stellen wir lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen wöchentlich vor. Sportmarken-Gründer über Handtaschen-Designerinnen bis zum Schuhmacher sind ebenso dabei wie auch Fashion-Influencerinnen. (jkö/rose)

Die Kundinnen sind gemischt, früher sei es klassisch die „Frau ab 35 aus der Werbeagentur“ gewesen, beschreibt Köhler, heute hat sich das geändert. Es kommen Frauen aus dem Viertel, Mütter, die zufällig auf dem Weg in den Park vorbeikommen, aber auch Rentnerinnen. Heute seien sie zwischen 30 und mehr als 90 Jahre alt, die älteste Kundin ist 100.

Die gesamte Kollektion entsteht in Handarbeit. T-Shirts gibt es für rund 80 Euro, Pullis für 150, Kleider kosten 200 Euro und ein Mantel schon mal 580 Euro. „Die Kundinnen sind gerne bereit, das zu bezahlen, weil sie wissen, wie wir arbeiten“, sagt Köhler. Einige seien erstmal baff, wenn sie hören, dass die Schneiderin hinten im Laden sitze, ergänzt Gangler.

Und Corona? „Zu Beginn des Lockdowns mussten wir uns erst mal neu sortieren, sind aber bisher einigermaßen glimpflich über die Phase hinweggekommen“, sagt Gangler. „Viele tolle Kundinnen haben uns mit Gutscheinen unterstützt.“ Aber ein Gefühl der Ungewissheit bleibe. Geöffnet ist der Laden im Moment dreimal die Woche, doch die beiden arbeiten natürlich nicht nur dann. Als Eltern müssen sie sich ihre Zeit besonders gut einteilen.

Den Standort Frankfurt für die Mode finden die Inhaberinnen gut. „Frankfurter Mode ist nicht langweilig, im Gegenteil, hier passiert einiges“, sagt Köhler.

Der Laden von Charlotte am Main, Rohrbachstraße 4, ist momentan Mo, Mi und Fr in der Zeit von 11 bis 16 Uhr geöffnet, info@charlotteammain.de oder Telefon: 069 / 76 06 06 84.

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