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Ein Model steigt aus dem Fahrradtaxi und präsentiert Mode.
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Ein Model steigt aus dem Fahrradtaxi und präsentiert Mode.

Frankfurt

Mode-Kolonne im Rikscha

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Nachhaltiger Fashion-Flashmob zieht am Samstag durch die Frankfurter Innenstadt

Bevor es für die Models auf den Kiesweg als improvisierten Laufsteg geht, gibt es letzte Anweisungen. Eine Maskenbildnerin pudert einige Gesichter noch einmal nach. Dann setzt unter den Platanen am Schaumainkai, auf Höhe des Eisernen Steges, Musik von einer kleinen, mobilen Box ein. Kameras werden auf nebeneinander geparkte Velotaxis gerichtet, zwischen denen die acht Modelle hindurch über den sandigen Boden stolzieren.

Als Flashmob rollt diese Modekolonne mit dem halben Dutzend Radrikschas und einigen weiteren Fahrrädern am Samstagabend, kurz vor Beginn der ersten Fashion Week in Frankfurt, durch die Innenstadt. Bei vier Stopps wird nachhaltig hergestellte Mode lokaler Labels gezeigt. Von der Alten Oper führt die Route zum Mainufer und über den Walther-von-Cronberg-Platz zur Honsellbrücke. Organisiert hat den Flashmob der Verein „Hessen Design“. Cornelia Dollacker, die den Verein leitet und ihn als „das Designzentrum des Landes Hessen“ bezeichnet, sagt: „Die Tour war das Mindeste, was gehen musste.“

Damit verweist Dollacker auf die coronabedingt fast ausschließlich ins Internet verlagerte Modemesse. „Wir hatten andere Sachen, Konferenzen und Magazine, vorgehabt“, sagt Dollacker. Stattdessen hat sie sich mit den Macher:innen von acht Frankfurter Marken zusammengetan, die zumindest am Samstag physisch ihre Mode präsentieren können. „Schade“, sagt die Bockenheimerin Alexandra Svendsen, die ihre Handtaschen sowie Portemonnaies zeigt, „dass die Fashion Week hinter verschlossenen Türen und nicht auf den Frankfurter Straßen stattfindet.“

Das haben sich auch Matthias Gruner und Leonid Sladkevich gedacht und die Aktion mit initiiert. Im Sachsenhäuser Brückenviertel produzieren und verkaufen die beiden unter dem Namen „Leonid Matthias“ ihre Kleidung. „Draußen auf der Straße ist so eine kleine Modenschau kein Risiko“, sagt Sladkevich, der zu seiner Mund-Nase-Bedeckung eine Baseballkappe mit der Aufschrift „Fuck Corona“ trägt. Zum Nachhaltigkeitsanspruch ihrer Modemarke sagt er, ihre Kleidung sei „zwar modisch, aber nicht trendgebunden, geht nicht kaputt und kann heute und in zehn Jahren getragen werden“.

Kompagnon Gruner sagt: „Unter Covid-Bedingungen ist das eine tolle Möglichkeit, uns und unsere Mode sichtbar zu machen.“ Obwohl es nach der ersten Euphorie eine „Riesenenttäuschung“ gewesen sei, dass durch das überwiegende Online-Format der Fashion Week „keine modeverrückten Leute“ in die Stadt kommen würden. Für die kleine, mobile Modenschau am Samstag hat das Duo ein Model in Stoffe „aus einer österreichischen Manufaktur“ gehüllt. „Wir achten auf kurze Wege unserer Zulieferer“, sagt Gruner. Eine Strick-, Näh- und Druckmaschine hätten sie in ihrer Werkstatt, so dass sie vor Ort produzieren könnten. „Alles inhouse“, fügt er hinzu.

Auch für Charlotte Köhler und Anna Gangler mit ihrem Label „Charlotte am Main“ aus dem Nordend sind kurze Wege wichtig. „Wir stellen alles in Frankfurt her“, sagt Köhler und zeigt auf das helle Sommerkleid, das eines der Modelle trägt. Ihre Stoffe erhielten sie „aus überproduziertem Rest-Stock von einem Großhändler“, berichtet Gangler. Dabei handelt es sich um fertige Kleidungsstücke, die sonst wohl in der Tonne landen würden. „Wir setzen auf Langlebigkeit und reparieren auch Teile für Kunden“, sagt Köhler. Sie fügt hinzu: „Das ist die einzige Chance für die Branche.“ Geschäftspartnerin Gangler ergänzt: „Es ist ein Muss und auch dringend nötig.“

Nachdem jedes Model einzeln für die Kameras posiert hat, laufen alle fünf Frauen und drei Männer noch einmal zusammen im Gänsemarsch auf und ab. Kurzer Applaus der Mitgereisten brandet auf. Wenig später sitzen schon wieder alle auf ihren Rädern und Rikschas. Die Kolonne rollt weiter zum nächsten Stopp und Laufsteg, dem Pflasterstrand am Walther-von-Cronberg-Platz.

Nicht nur die Skyline im Hintergrund macht sich bei Shootings gut.

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