1. Startseite
  2. Frankfurt

Mode in Frankfurt: Strumpfhosen, die nicht gleich in der Mülltonne landen

Erstellt:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Dan und Pia Buck arbeiten und leben in Sachsenhausen. Foto: Marc Krause
Dan und Pia Buck arbeiten und leben in Sachsenhausen. © Marc Krause

Das Frankfurter Designer-Paar Pia und Dan Buck kämpft für eine längere Tragedauer des modischen Wegwerfprodukts. Mit ihrem Label „Bataillon Belette“ haben sie Strumpfhosen entwickelt, die fünfmal länger halten als andere.

Irgendwann in ihrem Leben taucht sie auf: die Idee, die Feinstrumpfhose zu revolutionieren. Und an einem Sonntag fassen Pia (33) und Dan Buck (36) den Entschluss, sie auch umzusetzen: Mit seinem Label „Bataillon Belette“ hat das Frankfurter Designer-Ehepaar Strumpfhosen entwickelt, die eben nicht nur cool aussehen, sondern die Frauen nicht nach einmal tragen in die Tonne werfen müssen.

„Dass eine Strumpfhose, die aus sechs Kilometer Garn besteht, manchmal schon vor dem ersten Tragen reißt, finden wir total respektlos“, sagt Dan Buck. „Nicht nur gegenüber der Kundin, sogar auch gegenüber dem Planeten.“ Das Paar sitzt an diesem Tag im Maincafé am Sachsenhäuser Ufer, unweit davon leben und arbeiten sie im dritten Stock ihrer Altbauwohnung.

Pia Buck betont, sie wollten dem Verschleiß etwas entgegensetzten. „Die Strumpfhose ist das Paradebeispiel für geplante Obsoleszenz. Das wollten wir ändern. Im Alltagstests halten unsere Strumpfhosen fünfmal länger als andere.“ Dan Buck erläutert: „Das hat mit dem Aufbau der Garne in Kombination mit der Stricktechnik zu tun.“ Eigentlich hatten die beiden ganz andere Karrierepläne. 2007 lernen sich im kleinen Studiengang „Transportation Interior Design“ in Reutlingen kennen, fortan arbeiten sie zusammen. „Wir sind eigentlich als Autodesigner auf den Innenraum spezialisiert. Nach dem Studium machten wir uns selbstständig, dadurch bekamen wir Kontakte in die Garnindustrie“, erzählt Pia Buck, die am Bodensee aufwuchs, während Dan Buck ursprünglich aus einem Dorf unweit von Pforzheim kommt.

Auch störte sie lange das verstaubte Image der Strumpfhosenbranche, das sich jetzt erst wandelt: „Das Frauenbild war in den 90ern stehengeblieben.“ Und auch diese komische Passform: „Bis heute gibt es noch Strumpfhosen, die wie ein langer Schlauch bis zur Achsel reichen, aber immer zu kurze Beine haben. Daran merkt man, dass wohl zu viele Männer am Werk waren, die keine Berührungspunkte haben. In dieser Branche ist über Jahrzehnte nichts passiert“, sagt Dan Buck. Daher hätten sie bei ihren Strumpfhosen auch an einer bequemen Passform gearbeitet, sodass nichts rutscht oder zwickt.

Zwei Jahre habe die Entwicklung gedauert – bis ihre Strumpfhose die branchenübliche Qualität übertroffen habe. „Auch die Garnhersteller waren anfangs überfragt“, sagt Dan Buck. „Denn es ist nicht einfach, ein so filigranes, dünnes Material wie Nylon super robust zu bekommen.“

2014 ist das Produkt so weit. Doch die Bucks starten erst zwei Jahre später durch, als sie 2016 bei der Vox-Show „Höhle der Löwen“ mitmachen. Der Verkauf ihrer Strumpfhose boomt, nachdem Unternehmer Ralf Dümmel in ihr Projekt investiert.

Für 60 000 Euro sichert er sich 30 Prozent der Firmenanteile. „Seine Investition und der Hype um die TV-Show haben uns zu einer Bekanntheit verholfen, die wir sonst niemals in der kurzen Zeit hätten finanzieren können“, sagt Pia Buck.

Sie betont aber auch: „Wir waren plötzlich überall und mussten das aktiv eindämmen, weil wir auch in Läden verkauft wurden, die überhaupt nicht zu unserer Marke gepasst haben.“ Ihr Mann ergänzt: „Unsere Strumpfhosen sind ein Premiumprodukt. Wir könnten nichts ohne Liebe machen.“ Diese Liebe spiegelt sich auch in dem kleinen Herz wider, das dezent weit oben ins linke Bein eingestrickt ist. 25 Euro kostet eine Strumpfhose.

ModeSerie

Im Juli 2021 fand die erste Frankfurt Fashion Week statt – pandemiebedingt vorwiegend als digitale Veranstaltung.

Die Frankfurt Fashion Week , die vom 20. bis 26. Juni stattfindet, soll ein Neustart sein. Diesmal soll die Fashion Week in der Stadt für alle, die dabei sein wollen, erlebbar sein.

Ein großer Teil der Fashion Week ist die Frankfurt Fashion Lounge (19. bis 24. Juni). Ab sofort können Modeinteressierte bereits Tickets für diverse Catwalks, die unter anderem im Karmeliterkloster oder auf der Dachterrasse des Sofitel Hotels an der Alten Oper geplant sind, kaufen: https://frankfurtfashionlounge.de/

Zudem lädt die Messe zum Neonyt Lab, das sich vom 24. bis 26. Juni in der Union Halle auf die Hanauer Landstraße präsentieren wird, ein. Hier können alle Mode-Fans nachhaltige Mode einkaufen.

In unserer Serie stellen wir regelmäßig lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen vor. Sportmarkengründer, Handtaschendesignerinnen und Schuhmacher sind ebenso dabei wie Fashion-Influencer-innen. jkö/rose/hsr

Der Investor sei nicht mehr für den Vertrieb zuständig, aber ihm gehören noch Teile der Firma: „Lager, Kundenservice und Logistik machen wir über ihn“, sagt Pia Buck. Produziert wird inzwischen in Italien, die Bucks ziehen kurz nach der TV-Show von Stuttgart nach Frankfurt. Mittlerweile vertreiben sie alles ausschließlich online. „Wir bereiten gerade unsere nächste Finanzierungsrunde vor, um weiter online zu wachsen“, sagt Pia Buck.

Statt in Polybeuteln sind ihre Strumpfhosen in hübschen Pappkartons verpackt. Ihre Strumpfhosen gibt es in 40 DEN (semi-transparent) und 80 DEN (blickdicht). Das semitransparente Modell gibt es in vier Farben: Neben dem beliebten Klassiker schwarz in Marineblau und zwei Hauttönen. Diese seien mit der Expertise des Kosmetikherstellers Zoeva entwickelt worden.

„Wir haben Frauen mit ganz unterschiedlichen Hauttönen eingeladen“, erzählt Pia Buck. „Dann haben wir Make-up angemischt und die Make-up-Farben in Strumpfhosenfarben übertragen. Das hat am Anfang gar nicht gut funktioniert, die sahen nämlich am Bein ganz anders aus. Wir haben deshalb viele Schleifen gedreht, bis wir zwei Töne hatten, die richtig vielen Frauen gut gestanden haben.“ Das Ergebnis: „Jetzt gibt es Light Skin und Tanned Skin.“

Ihre marineblauen Strumpfhose haben sie zusammen mit der größten deutschen Airline entwickelt, weil sie unter den Flugbegleiterinnen viele Fans hätten und viele nach einer farblich perfekt passenden und robusten Strumpfhose zur Uniform suchten. Die blickdichten Modelle gibt es nicht nur in schwarz, sondern seit kurzem in acht Farben: von Grassy Green über Electric Red hin zu Lucid Purple. „Die Dopaminkollektion haben wir während Corona entworfen, weil wir dachten, die Leute hätten Bock auf Farbe und etwas Positives“, betont Pia Buck.

Gibt es eigentlich keine Möglichkeit, eine Strumpfhose zu produzieren, die kein Nylon und Elasthan bräuchte? Dan Buck sagt: „Es gibt jede Menge Greenwashing in der Modewelt. Aber Strumpfhosen sind nicht grün.“

Sie beobachteten die Garnforschung genau. „Natürlich wäre es schön, wenn man entweder Elasthan besser recyceln oder Naturfasern verwenden könnte“, sagt Pia Buck. „Aber das ist alles momentan zumindest noch nicht machbar.“ Es sei lediglich möglich, die Tragedauer zu verlängern.

Pia Buck sagt, ihr Markenname Bataillon Belette sei bewusst gewählt. „Übersetzt heißt das Püppchentruppe. Die Püppchentruppe, die sich gegen Einwegprodukte wehrt.“

Die Strumpfhosen von Bataillon Belette gibt es ausschließlich online zu kaufen unter: https://www.bataillonbelette.com

Auch interessant

Kommentare