Frankfurt-West

Mobilität und Naturschutz

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Frankfurt kann sich eine Uni ohne echtenU-Bahn-Anschluss nicht leisten. Eingriffe in die Natur aber erst recht nicht. Das ist ein Dilemma. Ein FR-Kommentar.

Frankfurt kann sich eine so lausige ÖPNV-Anbindung der Goethe-Universität wie aktuell nicht leisten. Der Campus ist ohnehin riesig, wer da noch ewig weit laufen muss, um überhaupt hinzukommen, schafft es nie pünktlich zur Vorlesung. Auch für Forscher, Tagungsbesucher und Eventpublikum wären kurze Wege zum Fernbahnhof wichtig. Andererseits hat es bislang funktioniert. Die Uni ist in all den Jahren seit dem Umzug der ersten Fachbereiche 2001 keineswegs eingegangen, nur weil die Besucher vom Hauptbahnhof aus eine halbe Stunde zum Campus Westend unterwegs sind.

Eine wachsende Stadt kann sich ebenfalls nicht leisten, auch nur einen einzigen Baum zu verlieren: in Zeiten der Klimakatastrophe, in Zeiten, in denen Stadtplaner bereits das Mailänder Klima als Blaupause für Frankfurt anwenden. Schon gar nicht dürfen wertvolle Biotope, wie der Grüneburgpark oder der Palmengarten gefährdet werden.

Die Bürgerinitiativen befürchten, die Stadt könnte die Campus-Station als Prestigeprojekt durchboxen. Dabei hatte die Kommune die Variante ursprünglich gar nicht auf dem Schirm, die Uni hat sich selbst ins Gespräch gebracht. Der Interessen der 30 000 täglichen Gäste wegen. Oder doch des Prestiges? Immerhin steht die Wiederwahl der Unipräsidentin an, Birgitta Wolff würde mit einem schicken Campus-Bahnhof sicher Pluspunkte sammeln.

Andererseits ist moderner U-Bahn-Bau womöglich gar nicht so naturfeindlich wie befürchtet. Das soll das vom Umweltamt in Auftrag gegebene Gutachten herausfinden – mit hoffentlich seriösen und belastbaren Ergebnissen. Schließlich fahren U-Bahnen auch ganz woanders lang, etwa unter dem Main hindurch.

Es liegt an den Stadtverordneten, die goldene Mitte zu finden. Abzuwägen, zwischen optimierter Mobilität und Naturschutz. Zu beneiden sind sie um diese Aufgabe nicht.

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