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Kleine Geschäfte, Bars, Restaurants und Hotels kämpfen jetzt ums Überleben.

Gastronomie

Mittelstand in Rhein-Main in der Corona-Krise: Gutscheine jetzt, Ware später

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Kunden können ihren Lieblingsläden und Kneipen in der Corona-Krise in Rhein-Main zu Geld verhelfen.

In vielen Städten in Rhein-Main stehen jetzt in der Corona-Krise Existenzen auf dem Spiel. Kleine Firmen, Geschäfte, Restaurants, Bars und Hotels haben oft nicht genügend Rücklagen, um wochenlang ohne einen Cent an Einnahmen überleben zu können. Vielerorts haben sich nun private Initiativen gegründet, die den inhabergeführten Unternehmen mit Gutscheinen helfen wollen.

Dreieich:Kevin Knecht aus dem Dreieicher Stadtteil Sprendlingen hatte die Idee, Dreieichscheine in Umlauf zu bringen. „Als ich vor einer Woche durch Dreieich fuhr, waren fast alle Geschäfte geschlossen. Da habe ich gemerkt, dass Dreieich nicht mehr lebenswert wäre, wenn die Läden geschlossen bleiben würden“, sagt der zweifache Familienvater. Mit anderen gründete er die private Initiative „Wir für Hier“, die Unternehmen und Kunden zusammenbringen will. Innerhalb kürzester Zeit kreierten sie die Homepage www.wirfuerhier.org. Geschäfte, die auf Hilfe angewiesen sind, lassen sich auf dieser Plattform registrieren. Von der Homepage führen Links zu den teilnehmenden Unternehmen, bei denen die Scheine dann direkt gekauft werden können. Dreieichscheine werden von Knechts Initiative in einer Stückelung von fünf Euro bis hin zu 200 Euro gedruckt. Wer die Scheine kauft, verhilft seinem Lieblingsgeschäft so zu kurzfristiger Liquidität. Einlösen kann er die Scheine, wenn die Corona-Krise überstanden ist. 18 Unternehmen sind bisher auf wirfuerhier.org registriert.

Wiesbaden:Mit einem Klick Geld überweisen und damit der Lieblingskneipe durch die Corona-Krise helfen: Die Selbsthilfeseite wiesbaden.help ermöglicht es Stammkunden, unter der Überschrift „Heimatliebe – rettet euren Lieblingsort“ online in den geschlossenen Lokalen Gutscheine zu erwerben, die nach der Krise eingelöst werden können. „Wir möchten die Auswirkungen der Pandemie auf mehrere Monate verteilen. Den Verlust haben wir ohnehin“, erklärt Christian Liffers, Inhaber der Badhausbar in der Altstadt und Mitinitiator. Hundert Bars, Restaurants und Kulturstätten haben sich bereits auf die Homepage stellen lassen. „Für Bars sind schon niedrige vierstellige Beträge zusammengekommen“, berichtet Liffers. Für Restaurants und Kulturstätten laufe die Aktion zögerlicher an. Obwohl sich die Initiative bewusst gegen Spenden entschieden hat, möchten einige Kunden ihre Lieblingskneipe durch geschenktes Geld retten.

Hochheim:In Hochheim am Main hat sich ebenfalls eine private Initiative formiert, die gezielt inhabergeführten Unternehmen in der Corona-Krise helfen will. Initiator ist Jungwinzer Peter Flick. „Stammgäste können Gutscheine kaufen, die ihren Lieblingsorten – Gastronomen. Hoteliers und Straußwirtschaften – jetzt kurzfristig Liquidität verschaffen und die dann später eingelöst werden können“, erklärt er die Idee. Das Medium hierfür bietet die Internetplattform lieblingsort.help, die innerhalb einer Woche aufgesetzt wurde. Federführend ist der Journalist und Chefredakteur des Online-Magazins „Weinstadt-Journal“, Alexander Hartmann. „Wir arbeiten komplett ehrenamtlich“, sagt Evelyn Schmidt-Breckheimer, Inhaberin von Pension und Hofcafé „Tor zum Rheingau“ in Flörsheim-Wicker, die das Projektteam ergänzt. „Der Gutscheinbetrag kommt dem betreffenden Betrieb zu 100 Prozent zugute.“

Frankfurt:„Werde zum Retter deines Lieblingscafes oder -restaurants“, wirbt die Plattform „paynoweatlater“ Die Hamburger Initiatoren wollten nicht länger zusehen, dass kleine Gastronomen und Geschäfte an der Krise zugrunde gehen. Auf der Website lassen sich Gutscheine für Restaurants, Bars, Cafés und Boutiquen kaufen, um diese finanziell zu unterstützen. Eingelöst werden können die Gutscheine dann „in der Zeit nach Corona“. Bislang sind bereits mehr als 20 Frankfurter dabei, hauptsächlich Cafes und Restaurants, aber auch das Gewürzhaus Schnorr oder die Boutique Ookoko.

Natürlich bieten viel mehr Lokale und Läden in der Stadt Gutscheine. Am besten nachfragen. Das Restaurant „Eat’n’Art“ am Marbachweg braucht auch Unterstützung. Einfach eine Mail mit Adresse und Summe an info@ eatnart.com schicken, dann erhält man Bankverbindung und Gutschein nach Zahlungseingang.

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