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Bonobo Bili im Wuppertaler Zoo. Sein Leiden bewegt die Menschen.

Frankfurter Zoo

Mitleid mit Bonobo Bili

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Hunderttausende wollen dem Frankfurter Affen helfen, der im Zoo Wuppertal gequält wurde.

Das Schicksal des jungen Menschenaffen Bili, der zehn Jahre lang im Frankfurter Zoo aufwuchs und nun in Wuppertal eine schlimme Zeit durchmachen muss, bewegt Menschen im In- und Ausland. Tierschützer fordern, den Bonobo schnellstens aus der Gruppe zu nehmen und in eine Auffangstation zu bringen. Der Zoo in NRW verfolgt aber eine andere Strategie.

Mehr als eine Viertelmillion Tierfreunde haben inzwischen eine Petition unterschrieben, die eine Tierschützerin aus Bochum auf der Plattform Change.org veröffentlicht hatte. Weitere knapp 130 000 Menschen unterzeichneten bis Montagnachmittag eine englischsprachige Initiative, die dasselbe Ziel verfolgt: Bili aus seiner verzweifelten Lage zu befreien.

Am Wochenende hatten wieder Demonstranten vor dem Wuppertaler Zoo gefordert, Bili vor seinen Artgenossen zu schützen. Die Affengruppe akzeptiert den Neuling nicht. Bei ihren Angriffen bissen die Zwergschimpansen ihn blutig. Bili verlor Teile eines Ohrs und eines Fingers.

Private Filmaufnahmen, die unter anderen der Westdeutsche Rundfunk veröffentlichte, zeigen die Affen bei gewalttätigen Attacken auf den ehemaligen Frankfurter. Mindestens fünf Tiere springen Bili immer wieder an und schlagen ihn aggressiv. Das Opfer kauert sich wehrlos auf den Boden. Der Wuppertaler Zoodirektor Arne Lawrenz wird in dem Beitrag mit den Worten zitiert: „Er bleibt bei der Familie, in die er sich integrieren möchte, und erträgt das, um sich in die Familie reinzuarbeiten.“

Eine Bisswunde am Ohr.

Der Zustand dauert seit Wochen an. Im November war Bili nach Wuppertal umgezogen. Einst als Baby nach Frankfurt gekommen, weil ihn die Mutter nicht annahm, wurde er mit der Flasche aufgezogen und in die Gruppe integriert; eine sensible Aufgabe bei Primaten, die der Frankfurter Zoo unter Leitung des erfahrenen Revierchefs Carsten Knott mit Erfolg betreibt. In Wuppertal gelang das bisher nicht. Anlass für Tierschützer, ein Ende des Leids zu verlangen. Der Deutsche Tierschutzbund hatte auf FR-Anfrage im Januar erklärt: „Wenn Bili die Verletzungen tatsächlich von den anderen Tieren zugefügt wurden und seit drei Monaten keine Besserung im Verhältnis zu sehen ist, dann muss der Zoo unseres Erachtens eingreifen. (…) Wenn es sich nun tatsächlich herauskristallisiert, dass Bili nicht mit der Gruppe kompatibel ist, muss eine Alternative im Sinne des Tieres gefunden werden.“

Diese Alternative glaubt der Wuppertaler Zoo gefunden zu haben: „Seit gestern ist Bili nicht mehr mit der ganzen Gruppe zusammen, sondern mit einzelnen Tieren in wechselnden Konstellationen“, sagte Sprecher Andreas Haeser-Kalthoff der FR. Seither habe sich die Lage entspannt, selbst wenn Bili die Anlage mit den zuvor aggressivsten Tieren teile. Der Zoo habe sich bei einer Auffangstation in Wales und beim Institut der Primatenforscherin Jane Goodall informiert. „Alle sagen: Das Schlimmste für einen Bonobo ist es, allein zu sein. Das ist auch unser Ansatz. Für uns steht ganz oben, dass er keine Attacken mehr ertragen muss.“ Die Tierschützer werden das weiter verfolgen.

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