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Frankfurt

Mit Tod gedroht

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Amtsgericht verhandelt hitzige Debatte in der maroden Flüchtlingsunterkunft in Bonames

Am 22. Juni 2020 leistet sich Younes A. laut Anklage einen folgenschweren Debattenbeitrag. Eigentlich soll es bei dem Treffen von Behördenvertretern und Bewohnern der vom Diakonischen Werk betriebenen Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Bonames um „bauliche Mängel“ und anderlei Ungemach gehen, und davon gibt es genug: Die Stromversorgung ist völlig hinüber, das Dach leckt, die Wände schimmeln und die Krätze geht um. Schließlich ergreift A. das Wort: „Die Mitarbeiter der Diakonie sind alle Nazis“, ruft er, aber er wisse, „wo ich mir eine Waffe und Munition besorgen kann. Ich werde alle töten!“ Der Rest der Rede geht in lautem, aber einseitigem Jubel unter, denn die Mitarbeiter der Diakonie und die Behördenvertreter jubeln nicht mit. Was auch daran liegen mag, dass sie kein Arabisch verstehen. So schildert es die Anklage, die auf Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat lautet.

Der 37 Jahre alte A. ist aus Marokko geflüchtet und leugnet am Montag vor dem Amtsgericht jegliche Aussagen solcher Art. Zwar sei er an jenem Tag unwirsch gewesen, auch, weil sich seine vier Töchter mit der Krätze angesteckt hätten, aber er habe nie zu Gewalttaten aufgerufen, im Gegenteil: Er habe sich schützend vor Fenster gestellt, die junge Leute in ihrem Zorn hätten einschmeißen wollen. Genutzt habe ihm das alles nichts, im Gegenteil: Nach dem Rauswurf aus der Unterkunft habe man ihn und seine Familie „in ein Hotel eingewiesen, das voll mit Corona-Kranken war“, lässt er über seinen Dolmetscher verlauten. Die Anklage basiere lediglich auf den Behauptungen des Sicherheitsmannes Mohammed S., der ihn auf dem Kieker gehabt habe – und im Übrigen kurz nach dem Vorfall von der Diakonie entlassen worden sei, nachdem ein Video aufgetaucht sei, in dem S. die Bewohner zusammenstauche mit den Worten: „Ich bin hier der Chef! Ich mache mit euch, was ich will!“

Mohammed S., 43 Jahre alt, ist ein Kraftpaket, das seinen massigen Körper für den Auftritt im Zeugenstand in ein etwas enges, olivgrünes Shirt mit zwei Deutschland-Fähnchen an den Ärmeln gezwängt hat. „Ich war selbst mal Flüchtling“, sagt S., und zwar aus dem Libanon und für jeden Spaß zu haben. Aber die damaligen Bewohner hätten es allzu toll getrieben und ihn regelmäßig mit Schuhen beworfen sowie sexuelle Ambitionen bezüglich seiner Mutter und seiner minderjährigen Töchter geäußert. S. ist freilich auch ein Mann mit kurzer Lunte, der etwa auf die völlig legitime Frage der Verteidigerin A.s, ob es denn stimme, dass die Diakonie ihn gefeuert habe, bellt: „Das geht Sie überhaupt nichts an!“

Seine Vorwürfe gegenüber A. hält er aufrecht. Allerdings spricht S. ein Deutsch, das es oft der Fantasie des Zuhörers überlässt, die Satzfragmente zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufügen. So könne es nicht arbeiten, beschließt denn auch das Amtsgericht nach relativ kurzer Verhandlung und bestimmt einen Fortsetzungstermin, an dem die damalige Leiterin der Flüchtlingsunterkunft als Zeugin geladen werden soll.

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