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Mit Speed-DatingAzubis anlocken

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Schülerinnen und Schülern stehen viele Ausbildungstüren in Unternehmen offen.

Corona hat dramatische Auswirkungen auf die Bewerbersituation um eine berufliche Ausbildung. Dies berichtet Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) in einer Antwort auf eine Anfrage ihres Parteikollegen Nathaniel Ritter (ebenfalls FDP). Demnach waren Maßnahmen und Projekte, um Auszubildende zu gewinnen, seit Beginn der Coronapandemie kaum noch umsetzbar. „Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und temporäre Schulschließungen führten dazu, dass die überwiegende Anzahl der Maßnahmen in den Schuljahren 2020/21 nicht stattfinden konnte und junge Menschen, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Phase der beruflichen Orientierung befanden, nicht erreicht wurden“, so die Dezernentin.

So fielen Berufsorientierungsunterricht, Berufspraktika, Berufsbildungsmessen oder Infoveranstaltungen zur dualen Ausbildung als Alternative zum Studium für Eltern und Schüler.innen nahezu weg. Die Folge waren drastische Einbrüche auf dem Ausbildungsmarkt der vergangenen beiden Jahre.

Azubi-Wohnheim geplant

In diesem Jahr versuchen die Unternehmen, mehr Azubis zu gewinnen. Unter anderem heute, Dienstag, mit einem Speed-Dating bei der Industrie- und Handelskammer. 55 Unternehmen sind beim Dating vertreten. Zehn Minuten haben Schüler:innen Zeit, sich bei dem entsprechenden Unternehmen zu informieren. Vom Augenoptiker bis zum Zerspanungsmechaniker, Hotelkaufmann oder IT-Spezialisten: Jungen Leuten, die im Sommer eine Ausbildung beginnen möchten, stehen viele Türen offen.

Zum Beispiel ist das Marriot-Hotel unter den Unternehmen, die sich beteiligen. Christopher Tag wird mit den Interessierten sprechen. „Wir haben fünf Stellen offen“, sagt er. Veranstaltungskaufmann, Veranstaltungstechniker, Fachinformatiker und Hotelfachkraft sind die Berufe. „Auch wenn wir als Hotelbranche noch sehr belastet sind durch Corona, bleiben wir optimistisch und stellen deshalb Azubis ein.“ Es sei für Hotels nicht ganz leicht, Interessenten zu finden.

Oliver Dehn, Sprecher der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, berichtet, dass es im Handwerk meist 3000 Ausbildungsverträge pro Jahr gibt. „Wir stehen noch ganz am Anfang des Bewerbungsprozesses“, sagt Dehn. „Im Schnitt der vergangenen Jahre hatten wir im April noch rund 2000 offene Stellen.“ Das Bundesinstituts für Berufsbildung weise aktuell 370 Neuverträge für den Kammerbezirk aus. „Das Plus von 4,8 Prozent ist ermutigend“, sagte Dehn.

Die Handwerkskammer hat schon letzten Sommer eine Offensive gestartet. Unter dem Motto „Xperience Handwerk – erleben, bauen und selber machen“ errichtete sie im MyZeil eine Location in der Frankfurter Innenstadt, um Schüler:innen anzusprechen. Die Stadt sieht sich Stephanie Wüst zufolge in der Pflicht, die Kammern zu unterstützen bei der Suche nach Auszubildenden. So sieht der Masterplan Industrie der Stadt Frankfurt etwa ein „Azubi-Wohnheim“ vor, mit dem Stadt und Unternehmen auf die hohen Mieten in Frankfurt reagieren. „Ziel ist, Wohnraum für Auszubildende leichter zugänglich zu machen“, sagt sie. Hierzu werde aktuell eine Machbarkeitsstudie unter Federführung der Wirtschaftsförderung erstellt.

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