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Klare Form, ob klein, ob groß: modernes Papiermodell eines Ernst-May-Hauses.
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Klare Form, ob klein, ob groß: modernes Papiermodell eines Ernst-May-Hauses.

Bauprojekte

Mit Schwung zur Großstadt

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Stadtbaurat Ernst May und Frankfurts Weg in die Moderne.

Ein Spaziergang durch die Frankfurter Hansaallee kann Erstaunliches zeigen, wenn man genau hinschaut: Da steht an der Nummer 146 inmitten von gesichtslosen Bauwerken ein klassisch-elegantes Gebäude, das sein hohes Alter von mehr als 90 Jahren nur durch die ausgewachsenen Platanen im Garten enthüllt. Das ehemalige „Henry und Emma Budge-Heim für alleinstehende alte Menschen“ des Architekturstars Mart Stam, perfekt erhalten und heute wieder ein Altersheim, ist eines von zahllosen Beispielen für herausragende Architektur der 1920er-Jahre, eine Zeit, in der das Neue Frankfurt entstand.

Viel beachtete Bauprojekte wie das IG-Farben-Haus Hans Poelzigs (begonnen 1928), das Stadionbad Gustav Schaumanns (begonnen 1924), die Großmarkthalle Martin Elsässers (begonnen 1926) oder Hans Herkommers Frauenfriedenskirche (begonnen 1927) werden in allen großen Architekturführern erwähnt – viel stadtbildprägender allerdings sind die Siedlungsprojekte, die in den nur fünf Jahren unter dem legendären Stadtbaurat Ernst May an den damaligen Rändern der Großstadt geplant wurden.

Zwei dieser Siedlungen rechts und links der Nidda sollen nun nach Wunsch der Stadt und des Landes Unesco-Weltkulturerbe werden, der Höhenblick von 1926/27 in Ginnheim (103 Wohnungen) und die Römerstadt von 1927/28 in Heddernheim (1182 Wohnungen). An ihnen soll beispielhaft gezeigt werden, was das Neue Frankfurt in nur wenigen Jahren erreichte und welche Strahlkraft dies hatte.

Markante Einzelgebäude finden sich dort zwar nicht, das mag Reisende ohne spezielles architektonisches Interesse enttäuschen, doch sollen die beiden insgesamt gut erhaltenen Ensembles ja auch eher zeigen, warum sie gebaut wurden: um Licht, Platz und Wohnkomfort zu bieten. Das funktioniert bis heute; die gut durchdachten May-Siedlungen sind trotz der heute klein wirkenden Häuser beliebte, grüne Wohnquartiere. May und Elsässer wohnten übrigens selbst in der Siedlung Höhenblick, die deutlich luxuriöseren Einzelhäuser sind auch erhalten.

Die Qualitäten erschließen sich beim genauen Hinsehen – und dass das möglich ist, ist maßgeblich der 2003 gegründeten privaten Ernst-May-Gesellschaft und deren herausragendem Engagement zu verdanken. Der gemeinnützige Verein konnte 2005 ein Reihenhaus in der Römerstadt mieten, sorgfältig restaurieren und als Museum öffnen.

Hier lassen sich die Qualitäten der fast hundert Jahre alten Architektur des Neuen Frankfurts ganz konkret erleben, der raffinierte Schnitt der Räume, die maßgeschneiderten Einbaumöbel, die berühmte Frankfurter Küche der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky und der vom Landschaftsarchitekten Leberecht Migge gestaltete Garten. Sollte die Siedlungen tatsächlich zum Welterbe erklärt werden, hätte der Verein daran maßgeblichen Anteil - und sein Museumshaus würde wohl im Mittelpunkt stehen. aph

2021 frisch sanierte Häuser in der Siedlung Römerstadt, die komplett der ABG gehört.
Ein Besuch im gut restaurierten Ernst-May-Haus lohnt sich.
Längst wachsen hohe Bäume in der Siedlung Römerstadt, hier in der Straße Am Forum.

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