In der Bildungsstätte erfährt man interaktiv alles über das Leben Anne Franks.
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In der Bildungsstätte erfährt man interaktiv alles über das Leben Anne Franks.

Die FR spendet

Mit Rat und Tat gegen den Hass

Die Bildungsstätte Anne Frank ist ein Lernlabor für alle und bekämpft mehr als Antisemitismus.

Im Januar wird die Bildungsstätte Anne Frank die Trägerschaft des Projekts „Schlau“ übernehmen. Das ist die Abkürzung für „Schwul-lesbischer Aufklärungsunterricht“. Dann werden junge Lesben und Schwule in Schulen gehen und dort über sexuelle Orientierung sprechen. Aber was hat das bitte mit Anne Frank zu tun?

Genau das ist die Frage, die sich die Bildungsstätte bei all ihren Projekten stellt. „Für uns steht immer eines im Mittelpunkt“, sagt der Direktor der Einrichtung, Meron Mendel. „Würde es in Anne Franks Weltbild passen? Das gibt Kompass und Richtung vor.“ Ein Weltbild, in dem Humanismus und Toleranz wichtig waren und eine gleichberechtigte Gesellschaft ohne Hass.

Wie viel in dieses Weltbild passt, zeigt das große Programm der Bildungsstätte aus Workshops, Seminaren, Ausstellungen, Vorträgen und Beratung. Bei der Gründung 1994 ging es dem Verein „Jugendbegegnungsstätte Anne Frank“ noch hauptsächlich um den Kampf gegen Antisemitismus und um das Andenken des 1945 von den Nazis getöteten jüdischen Mädchens aus Frankfurt. Das Spektrum fächerte sich später auf, besonders seit Meron Mendel vor zehn Jahren die Leitung übernahm.

Wie Sie helfen können

Der Verein Bildungsstätte Anne Frank , 1994 als Jugendbegegnungsstätte gegründet, bietet von seinen zwei Standorten in Frankfurt und Kassel aus ein breites pädagogisches Programm für ganz Hessen. Er ist in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig, vermittelt Beratung und veröffentlicht Publikationen. Schwerpunkte sind Angebote gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung. Zum Team gehören mehr als 50 Festangestellte sowie etwa 35 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. ill

Spendenkonto : Bildungsstätte Anne Frank e. V., Frankfurter Sparkasse, IBAN: DE17 5005 0201 0000 9047 48, BIC HELADEF1822

Internet : www.bs-anne-frank.de

„Es ist mir wichtig, dass wir uns nicht nur auf einen Aspekt festlegen“, sagt er. „Sonst hören wir von Jugendlichen zu Recht immer die Frage: Und was ist mit meinen Rassismuserfahrungen?“ Es gehe darum, niemanden auszugrenzen. Darum gab und gibt es in der Bildungsstätte etwa Ausstellungen über Menschenrechtsverletzungen im Iran (schon 2012) oder über Superheldinnen und -helden im Comic, die in der Lage wären, heute die Welt zu retten – mit genug Ironie betrachtet.

Ist es heute besonders nötig, für politische und gesellschaftliche Aufklärung zu arbeiten? „Was mit Bildung zu tun hat, ist jederzeit wichtig, das funktioniert nicht nach politischer Konjunktur“, sagt Mendel. „Aber es gibt Situationen, in denen politische Bildung eine besondere Bedeutung hat: Was können wir zum Beispiel Verschwörungsideologien und rechten Ideologien entgegensetzen?“

Wer sich gegen Diskriminierung wehren muss oder Opfer rassistischer Gewalt wurde, findet Beratungsangebote in der Bildungsstätte. Sie erhielt 2016 den Walter-Dirks-Preis für Menschenrechte für ihre „vorzügliche historisch-politische Bildungsarbeit“ und 2013 das „Wirkt“-Siegel des Analyseinstituts Phineo, sie wird evaluiert vom Deutschen Jugendinstitut und von der Bundeszentrale für politische Bildung. „Aber für mich als Pädagoge ist das sekundär“, sagt Mendel.

Er freut sich, wenn die Einrichtung 30 Plätze für junge Leute in einer Ausbildung als Demokratietrainer:in anbietet – und zehnmal so viele bewerben sich. Ein weiterer Erfolgsnachweis: „Wir bauen nicht übertrieben auf Social Media, aber wir haben etwa auf Instagram eine unglaubliche Reichweite – und wir teilen dort nicht Fotos von Tellergerichten, sondern ernsthafte Inhalte.“

Junge Menschen auf Augenhöhe erreichen, darum geht es der Bildungsstätte Anne Frank, auch wenn das momentan wegen Corona nicht immer wortwörtlich umsetzbar ist. „Wir sind deshalb nicht verzweifelt“, sagt Mendel. Binnen zwei Wochen sei im März ein digitales Programm entstanden, kleine Präsenzveranstaltungen kamen hinzu. Für das Frühjahr gibt es schon viele Pläne: „Wir bleiben optimistisch.“

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