1. Startseite
  2. Frankfurt

Mit Metronom nach Babylon

Erstellt:

Von: Meike Kolodziejczyk

Kommentare

Das HR-Sinfonieorchester. HR/Ben Knabe
Das HR-Sinfonieorchester. HR/Ben Knabe © HR/Ben Knabe

Von Russland über Frankreich nach Österreich: Das HR-Sinfonieorchester präsentiert in der nächsten Saison ein Programm der Kontraste – und hat Lehren aus der Pandemie gezogen

Die Topfpflanze auf dem Klavier zittert, als Alain Altinoglu sein „Lied für den Notfall“ spielt, begleitet von Florin Iliescu auf der Geige. Der Notfall steht zum Glück nicht an, sondern die Programmpräsentation der nächsten Saison des HR-Sinfonieorchesters. Dafür wurde nicht wie wie sonst zum Hessischen Rundfunk am Dornbusch geladen, sondern ins Café Momi im Gutleutviertel. Nach der Zeit des Abstands ließ sich dort wieder ewas näher zusammenrücken – und auch Näheres von Chefdirigent Alain Altinoglu erfahren. Sein „Lied für den Notfall“ zum Beispiel. Wobei ihm gleich mehrere Stücke einfallen, die er spiele, wenn er „etwas im Stress“ sei: „Be My Love“ von Keith Jarrett etwa. Oder „La Bohème“ von Charles Aznavour.

Die Saison 2022/2023

89 Konzerte spielt das HR-Sinfonieorchester in der Saison 2022/2023, davon 75 in Hessen.

Das Streamingangebot wird fortgesetzt. Der Youtube-Kanal des HR-Sinfonieorchesters gehört mit mehr als 326 000 Abonnent:innen zu den erfolgreichsten Klassikkanälen auf dieser Plattform weltweit.

Der Ticketverkauf startet am 1. Juni unter Tel. 069/155-2000, Abonnements gibt es unter Tel. 069/155-4111. Das Ticketcenter des Hessischen Rundfunks in Frankfurt, Bertramstraße 8, ist ab Montag, 30. Mai, wieder geöffnet.

Das Konzertmagazin 2022/23 kann beim Ticketcenter bestellt werden und steht online zum Download bereit. myk

www.hr-sinfonieorchester.de

www.hr-ticketcenter.de

Vom Spätsommer an geht es für den gebürtigen Pariser, der seit der aktuellen Saison das HR-Sinfonieorchester leitet, eher um andere Stücke und Namen. So wird dem russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch von 2023 an ein Schwerpunkt gewidmet. Das sei bereits vor Beginn des Krieges in der Ukraine festgelegt worden, sagt Altinoglu. „In der aktuellen Situation passt eine Beschäftigung mit Werken Schostakowitschs natürlich besonders gut.“ Schließlich war er von Stalin als eine Art Intimfeind auserkoren worden und komponierte bis zu dessen Tod gegen ihn an. Alle seine 15 Sinfonien wird das HR-Orchester künftig spielen, teils auf der Bühne, teils nur zur Aufnahme. Unter dem Titel „Schostakowitschs Aufbruch“ bildet sein frühes Werk nächste Saison den Auftakt. Zudem wird seine erste Stummfilm-Vertonung für „Das neue Babylon“ zu erleben sein.

Seine Rolle sieht Altinoglu darin, sich mit der vollen Repertoire-Breite der Orchestermusik zu befassen und dabei seine eigene Klangvorstellung und Interpretation einzubringen. „Aber ich möchte auch die Identität und Tradition des großen Orchesters erhalten.“ Sechs Sinfoniekonzerte wird er dirigieren, das erste präsentiert er im September in der Alten Oper Frankfurt mit dem Pianisten Evgeny Kissin und dem 3. Klavierkonzert von Sergei Rachmaninow. Konzerte mit Gastsolist:innen wie Hilary Hahn oder Lucas und Arthur Jussen ergänzen das Programm, Werke wie „Amériques“ von Edgard Varèse oder das „Klang-Raum-Erlebnis“ zum 100. Geburtstag von György Ligeti, für das die Gäste aufgefordert sind, ihre Metronome mitzubringen, sorgen für Kontraste.

„Artist in Residence“ 2022/23 wird Emmanuel Tjeknavorian. Der 27 Jahre junge Österreicher kommt dabei quasi in Doppelrolle nach Frankfurt: als Geiger und als Dirigent. Im Momi in Frankfurt kann er sich leider nicht persönlich vorstellen. Aber nach zwei Jahren Pandemie erwartet das wohl auch niemand. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir unser Programm neu gestalten können“, sagt HR-Orchestermanager Michael Traub, „um unserem Publikum wieder in gewohnter Weise musikalisch zu begegnen und unsere Leidenschaft für Musik zu teilen“. Es seien nicht nur viele neue Formate ersonnen, sondern auch „einige Lehren aus der Corona-Pandemie gezogen“ worden. „Wir machen nicht einfach so weiter wie 2019.“ In zumindest einem Punkt allerdings schon, und das ist auch gut so: Nachdem das „Europa Open Air“ am Main 2020 und 2021 pausieren musste, eröffnet es am 25. August wieder die neue Saison.

„Artist in Residence“ 2022/2023: Emmanuel Tjeknavorian. HR/Lukas Beck
„Artist in Residence“ 2022/2023: Emmanuel Tjeknavorian. HR/Lukas Beck © HR/Lukas Beck
Chefdirigent Alain Altinoglu.
Chefdirigent Alain Altinoglu. © HR/Ben Knabe

Auch interessant

Kommentare