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Mit Dodo in der Achterbahn

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Das Ensemble von „Slow Motion – Roller Coaster“ mit Regisseur Landro Kees (4. von oben).
Das Ensemble von „Slow Motion – Roller Coaster“ mit Regisseur Landro Kees (4. von oben). Katrin Schander © Katrin Schander

Das Theaterhaus Frankfurt startet in die neue Saison – mit einem Open-Air-Fest, neuen Stücken und einer kleinen TV-Serie über die Theatermaus und einen schrägen Professor

Dodo ist Kosmopolitin und Kosmospilotin. Doch Dodo kann nicht fliegen. Schließlich ist es kein Zufall, dass sie so heißt wie der ausgestorbene Vogel. Sie lebt in der Transitzone des Flughafens und kommt dort nicht weg. Eines Tages trifft sie Nanina, die zum ersten Mal fliegt. Zu ihrer Oma, hinweg über etliche Länder. „Am Hafen mit Vogel“ lautet der Titel des Stücks von Anah Filou, das das Theater Gruene Sosse für das Theaterhaus Frankfurt inszeniert hat. Es handele allerdings nur vordergründig vom Fliegen, vor allem drehe es sich um Identitäten an verschiedenen Orten, um Lebensrealitäten, um Grenzen und das Überwinden derselben, erläutert Dramaturg Ossian Hain bei der Präsentation des Programms für die neue Spielzeit.

Die beginnt jedoch nicht mit dieser „musikalischen Übung für alle ab acht Jahren“, die am 30. Oktober Premiere hat, sondern am Samstag mit einem Open-Air-Festival im Hof des Kinder- und Jugendtheaters. Es ist nach zwei Jahren die erste Saison, die wieder an die Zeit vor Corona anknüpfen soll – vorausgesetzt, „dass es im Herbst gut wird“ und es nicht erneut zu weitreichenden Einschränkungen komme, hofft der Intendant und Künstlerische Leiter Gordon Vajen.

„Das Jahr 2020 war für Künstlerinnen und Künstler eine Katastrophe.“ Für sie habe es lange keinerlei Hilfe gegeben, was sich 2021 immerhin geändert habe, vor allem infolge von Rettungsprogrammen wie „Neustart Kultur“. Auch für die neue Saison erhalte das Theaterhaus staatliche sowie städtische Fördermittel, anders könnten kleine Bühnen der freien Szene kaum existieren. „Das Publikum ist nach wie vor zurückhaltend.“ In der vergangenen Spielzeit hätten manchmal nicht mal ein Dutzend Zuschauer:innen im Saal gesessen, der eigentlich 80 bis 120 Plätze fasst.

Die Saison 2022/2023

Mit einem Open-Air-Festival eröffnet das Theaterhaus Frankfurt, Schützenstraße 12, am Samstag, 10. September, die Spielzeit 2022/2023. Bis 6. Oktober werden auf einer Freilichtbühne im Hof 24 Theatervorstellungen für Kindereinrichtungen und Familien gezeigt. Außerdem gibt es Konzerte, Führungen hinter die Kulissen, sowie ein Nachbarschaftsfest für das Fischerfeldviertel mit Besuchen des Alten Jüdischen Friedhofs, der Gedenkstätte Börneplatz und des Museums Judengasse.

166 Vorstellungen stehen bis Dezember auf dem Programm des Theaterhauses. 30 verschiedene Stücke für Kinder und Jugendliche sämtlicher Alterstufen ab zwei Jahren kommen zur Aufführung, davon feiern sechs Produktionen Premiere.

Die Ensembles gastieren darüber hinaus wieder in Kindereinrichtungen und Schulen, es gibt ein Kulturfamilienprogramm speziell zur Einbindung von von Familien aus Fechenheim und Griesheim, sowie „Familenkonferenzen“ im Anschluss an bestimmte Vorstellungen. Das Projekt „Erzählzeit Frankfurt“ startet am Freitag, 16. September, ins elfte Jahr.

Die Programmbroschüre für September bis Dezember liegt im Theaterhaus Frankfurt aus. Termine, Tickets und weitere Informationen gibt es auf der Homepage.

www.theaterhaus-frankfurt.de

Die erste Premiere der Saison wird indes nicht im Theaterhaus gefeiert, sondern am 23. September in der Alten Seilerei. Denn es ist Platz erforderlich auf der Bühne, wenn sich sieben Menschen treffen, die alle nur ein Ziel haben: Zeug erledigen, vorankommen, immer weiter, höher, schneller, krasser. „Es geht um Verausgabung und Erschöpfung“, sagt der Choreograf und Regisseur Leandro Kees, aber auch um „die Trägheit der Masse“ und die Frage, „ob Jugendliche bei uns in eine Kultur hineinwachsen, in der Ruhe mit Faulheit gleichgesetzt wird“. Und Pausen als unproduktiv betrachtet werden.

„Slow Motion – Roller Coaster“, auf Deutsch „Zeitlupe – Achterbahn“, ist ein Tanz, eine „Bühnenparty über so was wie den Sinn des Lebens“. Seit zehn Wochen proben das Theaterhaus-Ensemble und drei Performer:innen, weitere zwei Wochen folgen. Es ist ein Entwicklungsstück ohne Textvorlage, das alle Beteiligten mitgestalten. Dazu gibt es viel Musik. „Ich komponiere Bilder“, sagt Kees. „Wir arbeiten nicht mit Charakteren, sondern mit Situationen.“

Mit „Der Fischer und seine Frau“ sowie „Kuckuck und Esel“ gibt es bis Weihnachten zwei weitere Premieren. Und es wird etwas ganz Neues geboten, nämlich Theaterhaus TV. „Wir haben acht Filmchen gedreht“, sagt Intendant Vajen. Die Handlung der Miniserie „Professor Zweistein und die Theaterhausmaus“, die bald auf Youtube verfolgt werden kann: Die Maus haust unten unter der alten Wendeltreppe, ihr Freund, der Professor, oben im Dach bei seinen Büchern – und er war noch nie im Theater. Gemeinsam erklären sie vor und hinter den Kulissen, was die Bretter der Welt bedeuten und wer und was da so alles dazugehört.

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