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Mit allen Sinnen

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Ein Instrument für mehrere Menschen – und sämtliche Sinne. Monika Müller
Ein Instrument für mehrere Menschen – und sämtliche Sinne. Monika Müller © Monika Müller

Die Konzert-Performance „Generalpause“ des Kollektivs Matter of Fact Studio von Gregor Glogowski und Benjamin Hoesch feiert Uraufführung im Künstlerhaus Mousonturm

Anfangs klingt es wie fernes Glockengeläut, dann wird es lauter, schneller, wieder leiser und langsamer, mal melodisch, mal rhythmisch und synkopisch. Sieben Menschen schlagen, streichen, kratzen mit Klöppeln und Stäben auf und über Metall- und Keramikplatten, die an Schnüren von einem Reif unter der Decke bis zum Boden aufgespannt sind, 46 an der Zahl. Ein imposantes Instrument, eine Art Mischung aus Xylophon, Gong und Tubular Bells.

Einen Namen hat es nicht. Gregor Glogowski nennt es scherzhaft herzlich „Duschvorhang“. Es ist das Kernelement der Konzert-Performance „Generalpause“, die am Donnerstag im Frankfurter Mousonturm Premiere feiert. Der Musiker und Performer hat vor einem Jahr mit dem Theatermacher Benjamin Hoesch das Matter of Facts Studio gegründet, „als Plattform für experimentelles Musiktheater, die Profis und Neulinge zusammenbringt“. Und zwar über die Disziplinen hinweg. So machen beim Stück zehn Mitwirkende mit: Musiker:innen, Theaterschaffende, Sound- und Licht-Experten, Tänzerinnen, die Choreographin Kristina Veit und der Instrumentenbauer Friedrich Hartung.

Das Musiktheaterstück

Das Stück „Generalpause“ wird am Donnerstag, 17. Februar, 20 Uhr, im Mousonturm Frankfurt, Waldschmidtstraße 4, uraufgeführt. Weitere Vorstellungen sind am Freitag und Samstag, 18. und 19. Februar, 20 Uhr. Jeweils um 19.30 Uhr gibt es eine Kurzeinführung.

Tickets kosten nach solidarischem Preissystem 5, 10, 20 oder 30 Euro.

Informationen und Reservierung:
www.mousonturm.de

Er hat den „Duschvorhang“ in seiner Werkstatt in Leipzig konstruiert, „nach Ideen, die wir alle gemeinsam entwickelt haben“, betont er. Entstanden ist ein Instrument, das aus spiralförmig angeordneten Plattengongs besteht und zwei Oktaven umfasst. „Die Platten sind durch ihre Größe und das Material gestimmt und unterscheiden sich in Klang und Klangfarbe“, erklärt Hartung. „Das Instrument bietet vielen eine Möglichkeit, zusammen zu musizieren und andere Spielweisen hervorzubringen.“ Es gibt keine Komposition in diesem Sinne, Glogowski spricht von „organisch strukturierter Improvisation“. Ganz wichtig sei die „choreographische Komponente“, und wie man „miteinander in Dialog“ trete.

„Wir versuchen, als Kollektiv zu arbeiten“, ergänzt Schlagzeugerin Yuka Ohta, „weil wir unterschiedliche musikalische Sprachen sprechen“. Und was besagt der Titel „Generalpause“, in der klassischen Orchestermusik eine zeitgleiche Unterbrechung sämtlicher Stimmen? „In der Corona-Zeit gab es einfach sehr viele Pausen“, erklärt Ohta. Die Frage sei nun, wie ein solches „Loch genutzt und als Kunst interpretiert werden kann“.

Zum Einsatz kommen Lichteffekte, Videosequenzen, Mini-Motoren, außerdem noch weitere Instrumente, Objekte und Medien. Donnerbleche zum Beispiel. Oder Vibraphone, die teils modifiziert sind, etwa mit Klangstäben aus Leuchtstoffröhren oder Vierkantrohren. Alles in allem ist eine Menge Metall auf der Bühne, das reflektiert, glänzt, klingt, das bespielt und umtanzt wird. „Und alle machen alles“, sagt Glogowski. Überhaupt sei das Stück ein „Erlebnis für Augen, Ohren und eigentlich für alle Sinne“.

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