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Silke Kopp (29) ist Gesundheitsökonomin und Miss Hessen.  

Frankfurt

Miss Hessen: Gesundheitsökonomin auf dem Laufsteg

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Die Frankfurterin Silke Kopp ist Miss Hessen tritt so bei der Miss Germany-Wahl an. Die Wahl ist für sie eine Plattform für ihr Herzensthema Pflege. Gerade entwickelt sie im kleinen Team eine App für Pflege-Azubis.

Silke Kopp hat sich nie als kleines Mädchen vor den Spiegel gestellt, sich Luftküsse zugeworfen, dabei gedreht und gedacht: „Uh, ich möchte mal bei so einer Miss-Wahl mitmachen.“ Bis heute will die Frankfurterin kein Model werden. Mit 1,65 Meter ist sie auch zehn Zentimeter zu klein für den Laufsteg. Und doch ist die 29-jährige Gesundheitsökonomin vor wenigen Wochen Miss Hessen geworden. Und als solche tritt sie im Februar bei der Miss-Germany-Wahl gegen die 15 Gewinnerinnen der anderen Bundesländer an. Wie passt das zusammen?

„Auf Instagram wurde ich auf die Werbung für die Miss-Germany-Wahl aufmerksam. Da fiel das Wort Female Empowerment (engl. die Stärkung von Frauen). Das hat mich sofort angesprochen. Bei der Wahl geht es um Persönlichkeit und darum Botschaften rauszuhauen. Ginge es nur um Schönheit, hätte ich mich nie beworben“, erzählt Kopp.

Sie trägt einen schwarzen Rollpulli zu peachfarbener Cordhose und kleine Herz-Ohrringe. Bundesweit hatten mehr als 7500 Frauen zwischen 18 und 39 Jahren an dem Wettbewerb teilgenommen. Entschieden hat die Online-Community, aber auch eine Jury. „Es gab nicht nur Fotoshootings, sondern eben auch immer Interviews zu unserer Person“, betont Kopp.

Sie sitzt an diesem Tag im Café Crumble in Bockenheim. Unweit davon arbeitet die selbstständige Unternehmerin im Social Lab. Gerade entwickelt sie mit einem kleinen Team eine Software für Pflegeazubis, die die Kommunikation zwischen Lernenden, Ausbildungsstätten und Schulen verbessern soll. Das Start-up wird mit 100 000 Euro vom Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz gefördert. „Es gibt bei Pflegeazubis leider eine hohe Abbruchquote von 30 Prozent. Oft ist dabei Misskommunikation das Problem“, sagt Kopp. Pflege ist schon lange ihr Thema, wenn sie davon erzählt, tut sie das aus vollem Herzen und sehr ausführlich. „Die Miss-Germany-Wahl ist für mich auch eine Plattform, um auf Pflegethemen aufmerksam zu machen.“

In Erbach im Odenwald ist Silke Kopp geboren, in Michelstadt aufgewachsen. Sie hat eine fünf Jahre jüngere Schwester. Nach dem Abitur zieht sie zunächst fürs Bachelorstudium nach Mannheim. Ihren Master als Gesundheitsökonomin macht sie in Wiesbaden an der Hochschule Rhein-Main.

„Nach Frankfurt bin ich vor vier Jahren gezogen, weil ich immer in einer großen Stadt wohnen wollte.“ Während des Masterstudiengangs gründet sie 2015 mit einer Kommilitonin aus Mannheim eine ambulante Seniorenbetreuung. „Es gibt eine steigende Zahl an Senioren und ein sinkendes Arbeitskraftpotenzial in der Pflege. Das ist ein großes Problem“, sagt Kopp. Anfangs versuchte sie, eine 24-Stunden-Vermittlung mit osteuropäischen Pflegekräften aufzubauen, aber das sei gescheitert, weil die Konkurrenz zu groß gewesen und Personal kurz vor Arbeitsbeginn abgeworben worden sei. Also überlegte Kopp neu.

„Wir bieten jetzt eine stundenweise Betreuung mit inländischem Personal. Das ist keine medizinische Pflege. Es geht mehr um die Hilfe im Haushalt – wie ich immer sage: ‚Mit dem Rollator lässt sich schlecht staubsaugen‘ - und bei uns gibt es auch viel Kaffeeklatsch.“ Bei den regulären Pflegediensten fehle oft die Zeit, um sich auch mit den Senioren auszutauschen. „Sie sind total durchgetaktet, geben die Medikamente ab und müssen wieder weiter.“ Bei „DomiCare-Alltagshelfer für Senioren“ gibt es gemeinsames Kochen und Spazierengehen.

Auch gehen ihre vier festangestellten Mitarbeiter für die Senioren bei Bedarf einkaufen. „Wir hatten einen Fall, wo der Bruder feststellte, dass seine Schwester, weil sie selbst nicht mehr einkaufen konnte, sich nur noch von Bananen ernährt hatte.“ Der Sitz ihres Unternehmens ist in Heidelberg. „Für Besprechungen fahre ich nach Heidelberg, ansonsten reicht mein Smartphone. Ich kann von überall arbeiten“, sagt Kopp.

Interesse, aber kein Geld

Sie hatte mit einem Team eine App für Pflegeangehörige entwickelt. „Die App sollte durch den Pflegedschungel helfen. Jede Krankenkasse hat einen eigenen Antrag, die Fragen sind hochkompliziert gestellt. Diese App hätte das Ausfüllen der Pflegeformulare total vereinfacht.“ Bei Gesundheitsmessen, Krankenkassen und Klinken präsentiertete sie die Anwendung. „Alle fanden die Idee super. Die Visitenkarten flogen wie die Fuffis im Club. Aber am Ende des Tages wollte keiner für die App Geld hinlegen“, so Kopp.

Ab 30. Januar bis zum Finale am 15. Februar 2020 im Europa-Park Rust dreht sich alles um die Miss-Germany-Wahl. „Es gibt Workshops, Medientraining, Knigge-Unterricht und Laufstegtraining“, sagt Kopp.

Wenn sie Miss Germany würde, müsste sie viel reisen und präsentieren. Würde sie das alles neben ihrer Arbeit schaffen? „Klar, wäre das eine Herausforderung. Aber diese würde ich gerne annehmen.“ 2020 werde auf jeden Fall sehr turbulent. Im Herbst will sie ihren ersten Marathon laufen. Beim Frankfurt-Marathon.

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