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Das M fehlte zeitweise an der Apotheke, der Protest gegen den Namen blieb.
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Das M fehlte zeitweise an der Apotheke, der Protest gegen den Namen blieb.

Kommunalpolitik in Frankfurt

Mirrianne Mahn: „Rassismus fängt mit der Sprache an“

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Die Frankfurter Stadtverordnete Mirrianne Mahn (Grüne) wirbt in der Römer-Koalition dafür, diskriminierende Begriffe zu ächten. Noch sind nicht alle überzeugt.

Die Stadt Frankfurt soll gegen rassistische Sprache vorgehen. Das fordert die Stadtverordnete Mirrianne Mahn (Grün). Mit einem Antrag will die Politikerin erreichen, dass die Stadt die Verwendung von N-Wort und M-Wort ächtet. Um Letzteres hatte es in der Vergangenheit öfter Diskussion gegeben. Anlass waren zumeist Apotheken, die das Wort „Mohr“ im Namen tragen.

Frau Mahn, wie weit ist Ihr Antrag?

Von meiner Seite aus ist er fertig. Er wird jetzt in der Koalitionsrunde diskutiert. Leider hat die FDP Probleme mit einigen Formulierungen. Da werde ich noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Gibt es für Ihren Antrag einen konkreten Anlass?

Zum einen gibt es die UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft, die die Stadt Frankfurt damit beachtet würde. Zum anderen haben wir im Koalitionsvertrag einen Aktionsplan für die Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus vereinbart. Die Ächtung von N- und M-Wort wäre ein Anfang.

Aber was würde sich dadurch ändern?

Die Stadt müsste sich überlegen, ob sie mit Menschen und Einrichtungen zusammenarbeitet, die rassistische Sprache verwenden. Aber viel wichtiger ist das Signal, dass von so einer Ächtung ausginge. Die Stadt würde klarstellen, dass Rassismus gegen Schwarze auch in Frankfurt existiert. Mehr noch: dass dieser Rassismus zum Alltag vieler schwarzer Menschen gehört. Schwarze Menschen bekommen das N- und das M-Wort ständig zu hören. Und das sind einfach Beleidigungen. Nichts anderes. Das N-Wort stand für Menschen aus Zentral- und Südafrika, das M-Wort für Nordafrikaner:innen. Dabei handelte es sich nie um reine Beschreibungen von Menschen. Die Worte knüpfen an die Kolonialgeschichte an, sie drücken Unterdrückung und Diskriminierung aus. Aber die Mehrheitsgesellschaft denkt, man dürfe diese Ausdrücke verwenden. Das sollten wir ändern.

Mirrianne Mahn sitzt seit Mai für die Grünen im Römer.

Was bedeutet das etwa für das Haus „Zum Mohren“ an der Zeil?

Das Haus heißt so, die Inschrift findet sich an der Fassade. Da das Gebäude denkmalgeschützt ist, dürfte man sie gar nicht entfernen. Aber das würde ich auch nie fordern. Das Haus zeigt doch bestens, wie Sprache einst verwendet wurde. Die Stadt sollte aber eine Plakette dort aufhängen und darauf klarmachen, dass der Begriff diskriminierend ist und in der Alltagssprache nicht verwendet werden sollte.

Wie oft haben Sie in der Diskussion über den Antrag gehört, es gehe dabei doch nur um Wörter, nicht um die Einstellung von Menschen?

Sehr oft. Dabei geht es ja nicht nur um das N-Wort und das M-Wort, die ich nicht ausspreche und die zumindest mir gegenüber bitte auch nicht ausgesprochen werden sollen. Es geht um viele unpassende Begriffe, die bestenfalls gedankenlos verwendet werde. Und darauf weise ich hin.

Wie etwa zu Beginn Ihrer Zeit in der Stadtverordnetenversammlung, als sie die Verwendung des Wortes „Schwarzarbeit“ kritisiert haben?

Genau. Dafür gibt es den Ausdruck „illegale Beschäftigung“. Auch damals hat man mir gesagt, das Wort sei doch nun mal eingeführt und nicht böse gemeint ... Mag ja sein, aber Sprache ist Macht. Mit der Sprache fangen Rassismus und Ausgrenzung an. Deshalb müssen wir bei Sprache sensibel vorgehen. Ich habe etwa zuletzt in einer Sitzung auch darauf hingewiesen, dass man das Wort „autistisch“ vorsichtig verwenden muss. Autismus ist eine Krankheit und keine Beschreibung für Menschen, die eher ihr eigenes Ding machen.

Wie empfinden Sie in diesem Zusammenhang die Diskussion um die Comedian Enissa Amani? Sie wurde zu einer Geldstrafe wegen Beleidigung des AfD-Politikers Andreas Winhart verurteilt, weigert sich aber zu zahlen und würde stattdessen sogar in Haft gehen, weil Winhart wegen Verwendung des N-Wortes nicht verurteilt wurde.

Der Diskurs geht in diesem Fall leider in die falsche Richtung. Alle möglichen Leute solidarisieren sich jetzt mit Enissa Amani. Das ist nett gemeint, hilft aber überhaupt nicht weiter.

Was ist gegen Solidarität mit ihr zu sagen?

Amani hat Andreas Winhart beleidigt. Sie wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, will nicht zahlen und muss deshalb wohl ins Gefängnis. Das ist die Rechtslage, die wir kritisieren können. Der eigentliche Skandal hat aber mit Amani gar nichts zu tun. Es geht um Winhart. Er hat das N-Wort verwendet, er hat schwarze Menschen diskriminiert. Wir müssen darüber reden, wieso er nicht bestraft wird. Das ist die wichtigere Diskussion.

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