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Eigentlich macht sie keine Parteiveranstaltungen mehr: Petra Roth 2019.

Petra Roth

Happy Birthday, Petra Roth! 

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Ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt wird 75 - und ist nach wie vor aktiv und politisch hellwach. zur Europawahl legt sich noch mal für die CDU ins Zeug.

In den letzten Stunden vor ihrem 75. Geburtstag geht Petra Roth einer für sie geradezu kontemplativen Tätigkeit nach. Sie mäht den Rasen vor ihrem Haus im Frankfurter Norden. Das entspannt die frühere Präsidentin des Deutschen Städtetages. Und entspricht ganz ihrem Motto: „Man kann doch nicht zu Hause sitzen und warten, dass man stirbt.“

Nein, das hat die ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main seit ihrem Rücktritt im Jahre 2012 tatsächlich nicht getan. Wenn die CDU-Politikerin nicht gerade Ski fährt – seit November jeden Monat eine Woche – oder auf dem Golfplatz an ihrem Handicap arbeitet, eilt sie von Termin zu Termin. Einige dieser Mandate will sie nun zurückgeben. Zum Beispiel den Sitz im Kuratorium der Kinderhilfsorganisation Unicef. Leicht fällt ihr das nicht. „Wir haben da viel für Kinder in Afrika getan. Es geht zum Beispiel um die Überführung der Landbevölkerung in die Industriegesellschaft.“

Mit kühler Unbekümmertheit voran 

Ihr ganzes politisches Leben lang hat die gebürtige Bremerin so gehandelt. Sie ist ihrem Instinkt gefolgt und hat darauf geachtet, was sich für die Menschen bewegen lässt. Und was ihrer Partei und ihr selbst nutzen könnte. Eine ausformulierte politische Agenda besaß die frühere Arzthelferin Roth nie. Mit kühler Unbekümmertheit setzte sich die Tochter einer Bremer Kaufmannsfamilie dabei über Regeln und Grenzen der politischen Organisation CDU hinweg. Egal, ob sie jetzt für eine nicht-repressive Drogenpolitik in Frankfurt eintrat, für die Rechte von Schwulen und Lesben oder für den Bau einer Moschee.

Dass gerade Kinder und Jugendliche „für die Umwelt auf die Straße gehen“, kommentiert sie knapp so: „Das ist richtig, dass kann man nur unterstützen.“

„Mir fehlen die großen Europäer“

Und natürlich bleibt es dabei: „Ich bin ein politischer Mensch.“ Dass sie sich vor sieben Jahren aus der Kommunalpolitik verabschiedet hat, bereut sie nicht. Obwohl sie nach wie vor glaubt: „Ich hätte die OB-Wahl für mich entscheiden können.“ Aber sie ordnete sich der Parteidisziplin unter. „Ich durfte nicht mehr antreten.“ Ein Jüngerer, Ehrgeiziger drängte als OB-Kandidat nach – mit welchem Ergebnis, ist bekannt. Doch die gebürtige Hanseatin ist noch nie eine gewesen, die der Vergangenheit nachtrauert. Sie blickt nach vorne. Zum Beispiel auf die Europawahl am 26. Mai. „Mir fehlen die großen Europäer“, sagt sie unverblümt. Robert Schuman natürlich, der französische Außenminister der 50er Jahre. Und auch der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl.

Warum nur tut sich die europäische Idee heute so schwer? „Es liegt ein Mehltau über Europa“, sagt die Politikerin im Ruhestand. Und diagnostiziert, dass es sich dabei um „ein Wohlstandsverhalten“ der Menschen handele: „Es geht uns gut, die meisten Menschen haben keine Sorgen.“ Und deshalb wird sich Petra Roth auch nächste Woche noch einmal für Europa ins Zeug legen: Bei einer CDU-Diskussion mit dem ehemaligen Hamburger Bürgermeister Ole von Beust im Frankfurter Palmengarten am 17. Mai (Beginn 19.30 Uhr). Ansonsten gilt für sie aber die Regel: „Ich gehe nicht mehr zu Parteiveranstaltungen.“ Roth hofft, dass es gelingt, bei der Wahl die Rechtspopulisten einzudämmen „und dass die Europäische Volkspartei und die Sozialdemokraten ein starkes Mittelfeld bilden“.

Zu ihrem 75. Geburtstag am heutigen Donnerstag wünscht sich die ehemalige OB vor allem eines: kein großes Getue. Sie wird nur im Familienkreis feiern, mit ihren Söhnen und deren Familien. Allesamt gehen sie „schön Spargel essen“.

Der älteste Enkel, elf Jahre alt, „fordert mich ganz schön digital“, erzählt sie. Roth wäre nicht Roth, würde sie nicht auch diese Herausforderung annehmen.

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